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150 aus 150Willi Ostermann war einer der größten Kölner Liedermacher

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Neuer Film von Hermann Rheindorf. In dem "Lernt" der große Willi Ostermann sogar sprechen.

Neuer Film von Hermann Rheindorf. In dem 'Lernt' der große Willi Ostermann sogar sprechen.

Der Liedermacher schrieb zahlreiche Karnevalslieder auf Kölsch, darunter die inoffizielle Stadthymne „Heimweh noh Kölle“.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 67. Teil der Serie geht es um den Liedermacher Willi Ostermann.

Bedeutung

Der gelernte Stereotypeur und Galvanoplastiker komponierte Lieder mit lebensnaher Schilderung des kölschen Milieus. Wie kein anderer begeisterte Ostermann mit humoristischen Texten das Publikum und brachte es zum Schunkeln – bis heute. 1899 trat er zum ersten Mal auf, 1907 gelang ihm mit „Däm Schmitz sing Frau ess durchgebrannt!“ ein Sensationshit. Weitere folgten, wie 1911 „De Wienanz han ‘nen Has‘ em Pott“, oder 1930 „Die Mösch“.

Unvergessen sind die lokalpatriotischen Hymnen „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“ von 1930 und das auf dem Sterbebett vollendete „Heimweh nach Köln“ mit dem Refrain „Ich möch zo Foß noh Kölle jon“. Er komponierte die Revue „Die Fastelovendsprinzessin“ und schrieb Filmmelodien. Ein eigener Verlag vertrieb Notenhefte zu seinen Liedern. Über Schallplatte und Radio fanden seine Lieder weit über Köln hinaus Verbreitung, auch international.

Ostermann brachte es auf ein beträchtliches Vermögen, war aber freizügig beim Ausgeben. In den letzten Jahren litt er unter finanziellen Engpässen und musste auf Gastspielreisen gehen, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Er war kein NSDAP-Mitglied, aber seine hochdeutschen Rheinlieder bedienten eine national denkende Klientel.


Willi Ostermann

Geboren: 1. Oktober 1876 in Mülheim am Rhein, heute Köln

Gestorben: 6. August 1936 in Köln


Wirken in Köln

Regelmäßig veranstaltete er in Köln Kinderfeste. Anschließend zog er mit den Kindern singend durch die Straßen. Ostermann blieb unvergessen, 1976 lautet das Motto des Rosenmontagszuges zu seinem 100. Geburtstag „Sang und Klang mit Willi Ostermann“.

Bemerkenswert

Ostermann konnte keine Noten schreiben. Er summte oder pfiff die Lieder in ein Diktaphon, andere übernahmen die Transkription. Den Weg des Trauerzuges von seinem Haus am Neumarkt bis zum städtischen Ehrengrab auf Melaten säumten mehr als 35.000 Menschen.

Spuren in der Stadt

Der Ostermannplatz liegt in der Altstadt. Seit 1939 steht dort der Ostermannbrunnen mit Figuren aus seinen Liedern. Am Ratsturm ist er als Statue zu finden. Gedenktafeln sind am Geburtshaus und am letzten Wohnsitz angebracht. Die Willi Ostermann Gesellschaft wahrt sein Andenken. Seit 1967 wird die Willi-Ostermann-Medaille als höchste karnevalistische Auszeichnung verliehen.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.