Seit 24 Jahren bringt das Friedhofsmobil ältere Menschen – auch aus Pulheim – zu Gräbern ihrer Angehörigen in Köln.
Er fährt das FriedhofsmobilPulheimer engagiert sich seit Jahrzehnten für Senioren

Josef F. Terfrüchte ist der Initiator des Friedhofmobils.
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Auch mit 75 denkt Josef F. Terfrüchte nicht ans Aufhören. Unermüdlich ist der Wahl-Geyener „für die gute Sache“ im Einsatz. Gemeint ist das Kölner Friedhofsmobil, das seit dem 24. April 2002 auf seine Initiative hin Woche für Woche nach einem festen Plan die 59 Kölner Friedhöfe anfährt. Seither begleitet der Verein „Senioren Servicedienste Köln“ jährlich 1600 bis 1800 Seniorinnen und Senioren zum Friedhof. Auch in Pulheim und Bergisch Gladbach machen die beiden Fahrzeuge Halt.
Pulheim: Noch nicht bekannt genug
Entsprungen ist die Idee, das von-Tür-zu-Tür-Angebot ins Leben zu rufen, dem Wunsch zu helfen. Josef F. Terfrüchte war 33 Jahre lang Geschäftsführer der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner – habe er oft erlebt, dass ältere Menschen darüber klagten, sie kämen nicht mehr zum Friedhof, um am Grab ihrer lieben Verstorbenen zu trauern. An seiner Motivation hat sich für Josef F. Terfrüchte, der bis Ende 2022 Vorsitzender des Vereins war, nichts geändert. Denn „das Friedhofsmobil ist bekannt, aber immer noch nicht bekannt genug“.
An einem Freitagabend im Jahr 1999, auf dem Weg ins Wochenende, war der Gedanke plötzlich da: „Ein Friedhofsmobil muss her für ältere Menschen, die aus gesundheitlichen oder finanziellen Gründen, weil ein Taxi zu teuer ist, nicht mehr zum Friedhof kommen.“ Angespornt von den Worten eines Freundes „Wenn du Zeit hast, mach es“, und dem Zuspruch seiner Frau, machte sich Josef F. Terfrüchte auf die Suche nach Möglichkeiten, um sein Vorhaben umzusetzen.
Mir war klar, dass der Bedarf groß war
„Mir war klar, dass der Bedarf groß war.“ Einfach zu realisieren war die Idee allerdings nicht. Karitative Einrichtungen kamen nicht infrage, „da jeder Transport Geld gekostet hätte“, ein Zivildienstleistender wäre wegen diverser Veranstaltungen immer wieder ausgefallen, erinnert er sich. Kurzentschlossen gründete der gebürtige Westfale in Absprache mit den Mitgliedsbetrieben der Genossenschaft den Träger-Verein „Senioren Servicedienste Köln“.
„Rund 50 von mehr als 80 haben gesagt, dass sie bereit sind, die finanzielle Basis zu schaffen und dem Verein beizutreten.“ Aktuell sind es 40 Mitglieder. Bei der Suche nach einem Fahrer war das Arbeitsamt behilflich, das Gehalt für das erste Jahr war somit finanziert. Den ersten Fahrer – Godehard Bettel –, seine Kollegin Josephine Dau, die 2022 allerdings den Job wechselte und für die seither Manfred Reuter dabei ist, haben Terfrüchte und Vorstandskollegen aus jeweils Dutzenden Bewerbungen ausgewählt.

Ein passendes Geschenk: Die Figur zeigt den „Erfinder des Friedhofmobils“.
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Schnell gefunden war der fahrbare Untersatz, wie sich Josef F. Terfrüchte erinnert. Dank seiner guten Kontakte, habe er einen Unterstützer für das Projekt gewinnen können, der 10 000 Euro gespendet habe. „Gemeinsam mit meinem Sohn habe ich bei allen Autohäusern angeklopft. Schließlich habe er bei Renault einen Kangoo ausgesucht. „Sie haben uns einen guten Preis gemacht, ich musste nur noch 2000 Euro aus Mitgliedsbeiträgen drauflegen.“
Weil das Von-Tür-zu-Tür-Angebot sehr stark gefragt war, rollt seit 2020 ein zweites Friedhofsmobil über die Straßen von Köln, Pulheim und Bergisch Gladbach. Bislang hat der Verein sechs Fahrzeuge angeschafft. Die ersten beiden habe der Verein zum Großteil aus Spenden finanziert, zwei Fahrzeuge – darunter einen Elektro-Transporter – hat die Rundschau Altenhilfe „Die gute Tat“ gestellt.
Verein braucht jährlich 100.000 Euro
Damit das Friedhofsmobil weiterrollen kann, benötigt der Verein jährlich rund 100.000 Euro. Finanziert werden davon Treibstoff und Strom, Versicherungen, Wartungen sowie die Gehälter der Fahrer. Das Geld stammt aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Zuschüssen der Stadt Köln. Erst kürzlich spendete der Sachensucherladen in Geyen 1000 Euro für das „in dieser Form einzigartige Projekt“.
Unablässig war der Geyener auf der Suche nach Unterstützern. Das tut er heute noch, wenn auch in kleinerem Umfang, wie er sagt. Es sei nicht immer einfach gewesen, das Geld aufzutreiben. „Es gab auch Zeiten, in denen ich bei den Mitgliedern betteln musste, weil absehbar war, dass das Geld nicht reicht. Aber die Unterstützung war immer da“, so Josef F. Terfrüchte rückblickend.
Den Vereinsvorsitz gab er Ende 2022 bewusst ab. Es sei der richtige Zeitpunkt gewesen, „weil es gut lief, wir ein gutes Team hatten und es der richtige Zeitpunkt war“. Dem Verein bleibt er aber weiterhin eng verbunden. Denn fast täglich werde ihm vor Augen geführt, wie wichtig das Angebot für viele Menschen sei. Immer wieder werde er gefragt: „wie komme ich zum Friedhof?“ Für ihn ist deshalb klar: „So lange ich einen positiven Beitrag leisten kann, werde ich den Verein nach meinen Möglichkeiten unterstützen, aus tiefer Überzeugung.“
Ein Ansporn, nicht nachzulassen, seien auch die anerkennenden, berührenden Dankesworte von Fahrgästen. Hier einige Beispiele: „Ich fahre nun bereits seit zehn Jahren mit dem Friedhofsmobil und ich kann Ihnen sagen, es ist ein Segen“; „Klar ist das eine tolle Einrichtung. Aber wissen Sie, das Beste daran ist, dass man nicht allein auf dem Friedhof ist.“
Täglich unterwegs
Die Kölner Friedhofsmobile stehen Bürgern ab 65 Jahren und Gehbehinderten zur Verfügung. Sie sind über eine kostenlose Telefonnummer zu erreichen, die an den Kölner Friedhöfen aushängt. Die Telefonzentrale der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner nimmt die Anrufe montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr entgegen und koordiniert die Termine.
Die Fahrten zu den Friedhöfen erfolgen wochentags jeweils zwischen 9 und 17 Uhr. Die Fahrer – Godehard Bettels und Manfred Reuter – holen die Senioren zu Hause ab. Dank einer Ausnahmegenehmigung dürfen sie direkt bis ans Grab fahren. Dort haben sie 30 Minuten Zeit, bevor es zurück nach Hause geht. Der Service ist kostenfrei.
Falls erwünscht, sind die beiden Fahrer auch mit kleinen Handreichungen behilflich. Das Friedhofsmobil ist unter 0221/5691048-17 erreichbar. Die Wartezeit auf einen Termin beträgt derzeit drei bis vier Wochen. Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer können noch nicht befördert werden. Dafür sucht der Senioren Servicedienst Köln Sponsoren. (mma)
