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Städtische Auflage nach Masern-Fall Waldorfschule in Köln-Chorweiler muss schließen

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Die Waldorfschule in Köln-Chorweiler

Köln-Chorweiler – Die Zahl der gemeldeten Masern-Erkrankungen in Köln steigt weiter, vor wenigen Tagen bestätigte das Kölner Gesundheitsamt 90 Fälle. Nun ist die erste Schule von dem grassierenden Virus betroffen: Weil eine Schülerin der Waldorfschule in Chorweiler sich mit dem Masern-Virus infiziert hat, ordnete das Kölner Gesundheitsamt als Auflage an, dass alle Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der Schule einen Impfnachweis vorlegen müssen. Die Konsequenz: Am Mittwoch blieb die Schule ganz geschlossen. Seit Donnerstag sei ein Teilbetrieb der Schule möglich für die Lehrer und Schüler, die den Nachweis bereits erbringen konnten, erklärte eine ungenannt bleiben wollende Mitarbeiterin der Waldorfschule. Für Freitag rechne man wieder mit Normalbetrieb. 

Waren anfangs viele Infektionen in Ehrenfeld und Neuehrenfeld bekannt worden, gibt es seit einer Woche vermehrt Meldungen aus dem Rechtsrheinischen. Es ist der stärkste Masernausbruch in Köln seit 16 Jahren.

„Dass die Infektionen querbeet durch die Bevölkerung gehen, ist für uns problematisch. Bei einer lokalisierbaren Gruppe wäre es einfacher, weitere Infektionen zu verhindern“, sagt Gerhard Wiesmüller, Leiter des Amtes für Infektions- und Umwelthygiene im Gesundheitsamt. „Hoffentlich sehen wir eine große und nicht nur eine kleine Spitze des Eisbergs.“ Erfahrungsgemäß würden viele Masernerkrankungen nicht gemeldet – immer dann nämlich, wenn die Symptome wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber, trockener Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Bauchschmerzen nicht so schwerwiegend sind. Befindet man sich in der Nähe eines Infizierten, sei eine Ansteckung sehr wahrscheinlich, so Wiesmüller. „Masern ist eine der am schnellsten übertragbaren Infektionskrankheiten überhaupt.“ Schon wenn ein Mensch, der im gleichen Raum sitzt, den Mund aufmacht, kann das Virus per Tröpfcheninfektion übertragen werden.

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Bei den Kölner Masern-Patienten verläuft die Krankheit oft schwerwiegend: Viele Betroffene müssen stationär behandelt werden, einige zwischenzeitlich auf der Intensivstation. In einem Ehrenfelder Ärztehaus haben sich gleich acht Menschen angesteckt – „das zeigt, wie leicht sich das Virus ausbreitet“, so Wiesmüller.
Wird das Virus festgestellt, ermittelt das Gesundheitsamt gegebenenfalls gemeinsam mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise Betriebsarzt alle Personen, die fünf Tage vor dem Ausbruch des Hautausschlags bis vier Tage nach dem Ausbruch mit dem Erkrankten Kontakt hatten.

Besteht kein ausreichender Schutz gegen Masern (also zwei Impfungen oder eine durchgemachte Erkrankung), sollten die möglicherweise ebenfalls infizierten Menschen umgehend ihren Arzt kontaktieren. Ab dem letzten Kontakt mit einem an Masern Erkrankten dürfen auch die Kontaktpersonen, die keinen ausreichenden Schutz gegen Masern haben, für 14 Tage keine öffentlichen Einrichtungen betreten – also Schulen, Kindergärten, Seniorenheime, Rathäuser, Supermärkte oder Einkaufszentren.
Aktuell kümmert sich Wiesmüllers neunköpfiges Team vor allem darum, das Umfeld der nachweislich Erkrankten zu informieren, um eine Quarantäne sicherzustellen. Hausärzte, Kinderärzte, Krankenhäuser und Notfallpraxen in Köln informieren ihre Patienten, jüngst lief eine Kampagne in Zusammenarbeit mit der KVB auf den Tafeln der Bahnstationen.

Impfquote von über 90 Prozent

„Wir können das Problem nur in den Griff bekommen, wenn möglichst jeder, der nicht oder nicht ausreichend geimpft ist, sich impfen lässt“, sagt Wiesmüller. Die Impfquote bei Kindern liegt in Köln bei durchschnittlich über 90 Prozent, in Stadtteilen wie Porz oder Kalk ist sie höher als in Lindenthal oder Rodenkirchen – unter Akademikern gibt es mehr Impfgegner. Mittelfristig ausgerottet werden könnten die Masern, wenn 95 Prozent der Menschen geimpft wären. Im Alter zwischen elf und 14 Monaten sollte die erste Impfung stattfinden, raten Mediziner. Sie wird in der Regel kombiniert mit Mitteln zum Schutz gegen Mumps und Röteln gegeben.

Vor den Gefahren warnt auch Gesundheitsdezernent Harald Rau: „Masern sind extrem ansteckend und keine harmlose Kinderkrankheit. Nur zwei Impfungen bieten Schutz gegen Masern. Überprüfen Sie jetzt unbedingt Ihre Impfausweise und holen Sie fehlende Impfungen nach. Schützen Sie Ihre Kinder, sich selbst und unsere Stadt.“ Nach einer von 1000 Maserninfektionen treten Entzündungen des Gehirns auf, die bei jedem vierten oder fünften zum Tode führen. In jedem 10 000. bis 100 000. Fall kann es zu einer langsamen Auflösung des Gehirns kommen, die ebenfalls tödlich enden kann. Neugeborene und Kleinkinder sind dabei gefährdeter als Erwachsene.

Zurzeit wird nicht nur in Köln, sondern auch im übrigen Deutschland und in Europa ein gehäuftes Auftreten von Masern beobachtet. Länder mit besonders häufigen Masernfällen sind Bulgarien, Griechenland, Italien, Rumänien, Zypern, gefolgt von Frankreich, Irland und Tschechien. Masern treten aber auch in vielen anderen Ländern außerhalb Europas auf.

Kein Grund zur Panik

Es gebe keinen Grund zur Panik, gleichwohl nehme das Gesundheitsamt die Lage in Köln mit Besorgnis wahr, sagt Gerhard Wiesmüller. Er wolle das Masern-Risiko nicht mit anderen Krankheiten wie der Grippe vergleichen, an der jedes Jahr vor allem alte Menschen sterben. „Grundsätzlich gilt aber für die Grippe wie für die Masern: Durch eine rechtzeitige Impfung würde vielen Menschen Leid erspart bleiben.“  (red)