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Hospitalisierungsrate bei KindernMüssen Eltern sich wegen Omikron Sorgen machen?

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impfung kinder symbol

Seit Montag, dem 13.12., werden auch Impfungen für fünf- bis elfjährige Kinder angeboten (Symbolbild).

Köln – Die Omikron-Welle rauscht auf uns zu und aktuell häufen sich die Aussagen der Experten, wonach mindestens all jene, die nicht gegen SARS-CoV-2 geimpft sind, in den kommenden Wochen eine Corona-Infektion durchmachen werden. Also auch die Kinder unter fünf Jahren, für die noch keine Impfung zugelassen ist. Und die in den Kindergärten deutlich schlechter geschützt sind als regelmäßig PCR-getestete Schulkinder mit Masken. Im Zahlensalat, den uns die Pandemie täglich beschert, zeigt sich: In den Krankenhäusern liegen immer mehr Kinder mit einer Covid-19-Infektion. Seit Mitte November gehen die Zahlen laut Daten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) nach oben. Soll ich mein ungeimpftes Kleinkind also weiter in die Welt schicken? Eltern kann diese Frage gerade wieder extreme Bauchschmerzen bereiten.

Kinderärzte relativieren

Muss sie aber nicht, relativieren mit Jörg Dötsch und Tobias Tenenbaum zwei der führenden Kinder- und Jugendmedizin-Professoren des Landes. Denn: Viele Kinder liegen nicht wegen, sondern mit Covid-19 im Krankenhaus. Sie haben ein Bein gebrochen oder eine Blinddarmentzündung, und zufällig wird bei den obligatorischen Routine-Tests auch eine Covid-19-Infektion festgestellt.

Höhere Zahlen haben mit bloßer Statistik zu tun

„Die steigende Hospitalisierungsrate bei den Kindern ist ein Spiegelbild der hohen Infektionszahlen in der Bevölkerung“, betont Tenenbaum, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin und Vorsitzender der DGPI. Das ist pure Statistik: Wenn insgesamt mehr Kinder infiziert sind, sind auch mehr Kinder infiziert, die – wegen was auch immer – ins Krankenhaus müssen.

Alles zum Thema Robert-Koch-Institut

In der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Köln etwa lägen aktuell drei Kinder mit positivem Abstrich, berichtet Direktor Jörg Dötsch, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin ist und Mitglied im Corona-Expertenrat der Bundesregierung. Wegen einer milden Corona-Infektion wird nur eines dieser drei Kinder behandelt.

Andersherum: Mehrere unterschiedliche Viren haben Kinder aktuell so krank gemacht, dass sie in der Uniklinik stationär behandelt werden müssen. SARS-CoV-2 spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Deshalb betont Dötsch: „Für uns in der Kindermedizin ist es nur eines von vielen Viren – und nicht das gefährlichste.“

41 Covid-Todesfälle bei unter 20-Jährigen

Seit Beginn der Covid-19-Pandemie vor zwei Jahren sind in Deutschland laut den Statistiken des Robert-Koch-Instituts (RKI) 115.337 Menschen an oder mit Corona gestorben (Stand: 14. Januar). In Nordrhein-Westfalen gab es bislang 20.722 Todesfälle. Bis zum wöchentlichen Lagebericht vom 6. Januar seien dem RKI deutschlandweit 41 bestätigte COVID-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden – in 29 dieser Fälle lägen Angaben zu bekannten Vorerkrankungen vor.

Jörg Dötsch weiß von bundesweit acht Todesfällen bei Kindern zwischen fünf und elf Jahren. Alle hätten schwerwiegende Vorerkrankungen wie schwere Adipositas, schweres Asthma, einen schweren Herzfehler oder multiple Schädigungen gehabt. „Im Straßenverkehr oder bei Ertrinkungsunfällen sterben jährlich deutlich mehr Kinder“, sagt Dötsch.  

Bei den meisten Kindern verläuft Corona harmlos

Für die allermeisten gesunden Kinder verlaufe eine Corona-Infektion wie viele andere Erkältungs-Infektionen auch. Heißt: Relativ harmlos. Tenenbaum hält eine Impfung dennoch für angebracht, da es – wenn auch sehr selten – Fälle gibt, in denen sich nach einer mild oder gar symptomlos verlaufenen Sars-CoV-2-Infektion bei Kindern die mitunter lebensbedrohliche Entzündungsreaktion Pims (Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome) entwickelt hat. Und eine Impfung kann davor schützen.  

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 Aber jetzt rauscht also Omikron heran und wir fragen uns: Was macht das nun wieder mit unseren Kindern? Eine Studie aus Cleveland in Ohio/USA zeige, dass das Risiko, mit Omikron ins Krankenhaus zu müssen, gegenüber einer Infektion mit der Delta-Variante um zwei Drittel reduziert sei, erklärt Dötsch.

Die Hospitalisierungsrate von Kindern mit Corona wird in den kommenden Wochen dennoch ziemlich sicher weiter steigen. Aber nicht, weil die hoch ansteckende Variante mehr Kinder schwer krank macht, sondern schlicht, weil insgesamt noch deutlich mehr Menschen in Deutschland mit Corona infiziert sein werden.

Kollateralschäden der Isolation höher

„Omikron wird uns große Probleme bereiten, das darf man auf keinen Fall als harmlosen Schnupfen abtun“, betont Tenenbaum. Für besondere Risikogruppen ist und bleibt Corona bedrohlich, egal in welcher Variante. „Aber bei Kindern sehen wir keine Anzeichen, dass durch Omikron mehr von ihnen ernsthaft krank werden könnten“, erklärt auch der Mediziner aus Berlin.

Sein Fazit: „Natürlich wäre es schön, wenn ein Kind sich nicht mit Corona infiziert – aber man muss Nutzen und Risiko abwägen.“ Denn: „Wir können nicht ignorieren, dass die Kollateralschäden bei einer Isolation zu Hause für Kinder größer sind als die Gefahren einer möglichen Corona-Infektion.“

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