20 Jahre c/o popKonzerte, Workshops, Streetfood – Venloer Straße in Köln wird zur Festivalmeile

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Mit DJ-Sets, Foodtrucks, Verkaufs- und Infoständen, Konzerten und Workshop-Angeboten lockt das Programm der c/o pop nach Köln-Ehrenfeld.

Bässe und Beats tönen aus Lautsprechern über die Venloer Straße, die c/o pop lockt nach Ehrenfeld. Neonfarbene Sitzkissen laden neben Getränke- und Bratwurstwagen zum Verweilen ein. „Das Festival gibt mir ein Gefühl von: Wir holen uns die Straße zurück!“, sagt Anwohnerin Magdalena, die mit ihrer Freundin vor einem Kiosk stehend das Geschehen beobachtet, „mich freut es, dass hier heute keine Autos fahren und so viele Menschen den Raum für sich nutzen.“

In der nahegelegenen Plattenhalle haben Türsteher bereits am frühen Mittag viel zu tun. „Leider schon voll“, heißt es, als sich mehr und mehr Frauen in Lederjacken und Croptops am Eingang für einen kostenlosen DJ-Workshop anmelden wollen. „Mich freut es zu sehen, wie viele junge Menschen herkommen“, sagt Carla Barzen, Programmleiterin der Tincon, die den Workshop mit ins Programm des Festivals eingebracht hat. „Ich habe das Gefühl vor allem junge Frauen haben gerade Bock, Musik zu machen, mal am DJ-Pult zu stehen, sich auszuprobieren“.

c/o pop in Köln: Viele Konzerte ausverkauft

Vor dem Infowagen beim c/o pop-Torbogen, der den Eingang zur Festivalmeile schmückt, werden Onlinetickets in Festivalbändchen umgetauscht. Rechts und links stehen Aufsteller mit der Aufschrift: „Ausverkauft“. Wer noch nicht für die Hallenkonzerte am Abend vorgesorgt hat, geht leer aus, so wie Stephan und Jenny. Beide wollen unbedingt noch Tickets für ein Konzert im Artheater ergattern. „Wir hoffen, dass noch jemand seine Karte für Salò loswerden will“, sagt Stephan. Zum Glück spiele der Künstler auch noch umsonst kurz auf dem Open Air-Deck vor der Zoo-Bar. Aber das sei nicht dasselbe, finden beide. Rechtzeitig vorgesorgt haben dagegen Jakob und Sebastian. Die zwei Freunde sind aus München angereist, um die Acts Fuffifuffzig oder Nashi44 live zu erleben. „Wir hatten einfach Bock zu kommen, nachdem wir das Programm gesehen haben“.

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Ein Mann und eine Frau vor der Torbogen der C/o-Pop, sie halten ein Pappschild hoch, auf dem "Tagesticket gesucht" steht.

Jenny und Stephan suchen noch Tagestickets.

Einige Meter weiter unter einem mit bunten Tüchern und Blumen geschmückten Pavillon wird geheiratet. „Ich erkläre euch hiermit zu Liebenden fürs Leben, ihr dürft jetzt machen, was ihr wollt“ ruft Johanna als selbst ernannter „Love-Guru“ mit pink geschminkten Herzchen um die Augen. Bei den Umstehenden bricht lauter Jubel aus, während die 29-jährige Anastasia und der 23-jährige Yannic ihre Ehe mit aus Alufolie gebastelten Ringen und einem langen Kuss besiegeln. „Wir haben uns letztes Jahr auf der Love-Parade kennengelernt, ich habe als DJ Eagny aufgelegt und Yannic hat zu meinen Technobeats getanzt. Heute hat er mir spontan den Antrag gemacht“, berichtet die vom Moment überwältigte Braut glücklich. „Obwohl ich das hier zum Spaß mache, nehmen es doch viele ernst“, lacht Love-Guru Johanna. „Wenn ich die typischen Floskeln spreche wie „bis der Tod euch scheidet“ verdrücke ich sogar ein Tränchen.“

Johanna steht bunt geschminkt in einem Zelt.

Love-Guru Johanna.

Rollschuhkurs in Kölner Plattenhalle

Währenddessen bespielt Popsängerin Merry die Eckkneipe „E.D.P.“ und im Verkaufs-Store „Lo-Fi“ tritt die Band Rasco auf. Immer mehr Menschen quetschen sich in den Laden. Weitere Zuhörer stehen draußen vor der Tür. Es ist trubelig, laut, erste Grüppchen fangen an, auf der Straße an zu tanzen. „Als ich das erste Mal nach Deutschland gekommen bin, hat mich die c/o Pop vor der Haustür überrascht“, erzählt Anwohner Keli. „Seither ist das für mich der Beweis, dass auch Deutsche gerne draußen auf der Straße feiern“. Getanzt wird auch beim Jamskating Workshop in der Plattenhalle. Die drei Freundinnen Lea, Kati und Lia wollen hier das Tanzen auf Rollschuhen lernen. „Ich habe das noch nie gemacht“, lacht die 27-Jährige Lea, während sie sich bei ihren ersten Drehversuchen auf Rollen an den Händen ihrer Freundinnen klammert.

Auf der Festivalmeile verteilt Instagram-Food-Creator Stefano Zarrella selbst gebackene Pizza. Singer-Songwriterin Blushy AM macht Selfies vor einem c/o pop-Aufsteller. Auf dem Dach des Festival-Bus „Open Deck Cologne“ gibt Sebastian aus dem Organisationsteam letzte Anweisungen an die dort Wartenden, bevor es mit dem Open-Air Gig des poppigen Punksängers Salò weitergeht: „Nicht zu wild springen beim Tanzen, bitte. Die Stossdämpfer des alten Busses sind schon etwas mitgenommen.“ Schließlich gibt es das Festival schon 20 Jahre.

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