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„Ich liebe es zu lernen“Erstis, Rektor, Mensa-Köchin: So blicken Kölner auf den Semesterstart

6 min
06.10.2026, Köln: Die Universität zu Köln vor dem Semesterstart.
Im Bild Anna Reuter, die die gute Seele des Erfrischungsraums/Café an der Uni ist.

Foto: Michael Bause

Die Uni Köln begrüßt am Montag, 12. Oktober, 4300 neue Erstis. Wir haben mit Menschen vom Campus gesprochen und wie sie auf den Semesterstart blicken. Das ist Anna Reuter, die gute Seele im Erfrischungsraum der Uni Köln im Hauptgebäude.

Am Montag startet an der Uni Köln der Vorlesungsbetrieb. Auch an den anderen Kölner Hochschulen ist das Wintersemester schon losgegangen. Wir haben mit Menschen aus dem Campusleben gesprochen.

Jessica Wolf, Erstsemester an der Universität zu Köln, will mit dem Fach Russisch zu ihren eigenen Wurzeln zurück.

Jessica Wolf fängt im Wintersemester mit dem Lehramtsstudium Spanisch und Russisch an. Sie ist 19 Jahre alt und kommt aus Rheinbach.

Jessica Wolf fängt im Wintersemester mit dem Lehramtsstudium Spanisch und Russisch an. Sie ist 19 Jahre alt und kommt aus Rheinbach.

Ich komme aus Rheinbach und werde nach Köln pendeln. Herziehen war keine Option. Die Bahnverbindung ist in Ordnung. Ich studiere auf Lehramt für Gymnasium und Gesamtschule und habe Spanisch und Russisch als Fächer gewählt. Meine Familie kommt aus Russland und ich wollte die Sprache (kennen)lernen, weil sie mir als Kind nicht beigebracht wurde. Ich habe schon seit der Grundschule den Wunsch, Lehrerin zu werden. Das habe ich auch immer in den Freundebüchern als Traumberuf angegeben. Ich freue mich tatsächlich am meisten aufs Studium selbst, weil ich es liebe, zu lernen. Ein bisschen Angst habe ich davor, keinen guten Anschluss zu finden und am Anfang allein zu sein.

Christian Gärtner, Sozialberater vom Kölner Studierendenwerk, berät Studierende bei Fragen der Finanzierung.

Christian Gärtner ist Sozialberater beim Studierendenwerk Köln und berät Studierende.

Christian Gärtner ist Sozialberater beim Studierendenwerk Köln und berät Studierende.

Wenn das Semester startet, kennen uns die neuen Studierenden meistens noch gar nicht. Die Nachfrage tritt verzögert nach ein paar Wochen ein. Wenn die ersten Probleme auftreten, wie, dass das Bafög nicht gleich bewilligt wird, kommen sie zu uns. Insgesamt sehen wir, dass die Nachfrage nach den Kleinstdarlehen in Höhe von 350 Euro (Soforthilfen des Studierendenwerks, Anm. d. Red.) deutlich gestiegen ist. Wir haben bereits 142 in diesem Jahr ausgegeben, vergangenes Jahr waren es nur 77 zur selben Zeit. Leider ist es oft so, dass die Studierenden damit ihre Semestergebühren bezahlen oder für Ausstattung wie Laptops nutzen – also den Grundbedarf decken. Es sind viele iranische Studierende dieses Jahr dabei, die völlig abgeschnitten sind von der Unterstützung aus ihrer Heimat.

Ansgar Thiel, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, fährt täglich mit dem Fahrrad von der Südstadt nach Müngersdorf an den Campus.

Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln: Ansgar Thiel lebt seit etwas mehr als zwei Jahren in Köln. Er war zuvor an der Uni Tübingen.

Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln: Ansgar Thiel lebt seit etwas mehr als zwei Jahren in Köln. Er war zuvor an der Uni Tübingen.

Dieses Jahr habe ich im Rhein-Energie-Stadion rund 1000 Erstsemester begrüßt – wir hatten so viele Bewerbungen wie noch nie. Das könnte daran liegen, dass Sport ein Gegenstück zu dieser ganzen gesellschaftlichen Veränderung ist: Alles wird digital, alles wird entpersonalisiert und extrem individualisiert. Sport und Bewegung sind hingegen mit die letzten Stätten, in denen man sich ganz körperlich begegnet, in denen man Gesichter lesen und direkt miteinander interagieren muss. Wir erleben eine Verunsicherung, in der man auch bei etablierten Berufen unsicher ist, ob es sie in 20 Jahren noch gibt. Sport und Bewegung hingegen werden immer wichtiger.

Das Studium der Sportwissenschaft ist auch deshalb super interessant, weil es von der Philosophie bis zur Medizin viele unterschiedliche Facetten hat. Und gleichzeitig auch die Sportpraxis bietet, die einem Spaß macht. Den Erstsemestern möchte ich mitgeben, dass sie etwas lernen werden, was sie anderen Menschen vermitteln können, wie Integration und die Förderung von Gesundheit. Sie lernen auch gleichzeitig zu kooperieren und zu konkurrieren, was in der Gesellschaft zunehmend verloren geht.

Ich bin seit Mai 2024 Rektor und wohne mittlerweile in der Südstadt. Ich finde es hier wunderschön und auch den Job wunderschön.

Fabian Raskop, 20, Erstsemester an der Uni Köln, ist nach dem Abitur gereist und hat gejobbt.

Fabian Raskop, 20 Jahre alt aus Köln, startet dieses Wintersemester Wirtschaft und Spanisch auf Lehramt.

Fabian Raskop, 20 Jahre alt aus Köln, startet dieses Wintersemester Wirtschaft und Spanisch auf Lehramt.

Ich habe Spanisch und Wirtschaft auf Lehramt gewählt, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich Spanisch behalten werde. Ich möchte auf Lehramt studieren, weil ich es cool finde, Leuten Sachen beizubringen. Mein Vater ist auch Lehrer und hat mir den Beruf nähergebracht. Ich habe schon Wirtschaftsstudierende kennengelernt. Das waren sehr nette Menschen. Ich freue mich auf den Vorlesungsbeginn und lasse mich überraschen. Noch habe ich keine Angst, ich kenne die Themen ja noch nicht. Dass die Uni Köln wieder Exzellenzuni ist, habe ich gelesen. Ich weiß aber noch nicht, was das genau bedeutet: Es klingt aber gut.

Anna Reuter, 62, Studierendenwerk-Mitarbeiterin in der Küche des Uni-Bistros im Hauptgebäude ist „die gute Seele“ am Bruno-Kirsch-Weg.

06.10.2026, Köln: Die Universität zu Köln vor dem Semesterstart.
Im Bild Anna Reuter, die die gute Seele des Erfrischungsraums/Café an der Uni ist.

Foto: Michael Bause

Morgens Brötchen, mittags warmes Essen: Im Erfrischungsraum im Hauptgebäude der Uni Köln, kocht Anna Reuter und gibt das Essen aus.

Ich arbeite seit 2003 hier. Damals habe ich die Anzeige im Kölner Stadt-Anzeiger entdeckt und mich beworben. Ich bin hier für die Küche verantwortlich: für die Brötchen und die warmen Gerichte, die wir hier kochen. Wir freuen uns, wenn im Semester die Leute wieder mehr reinkommen. Es ist aber generell sehr voll, die Schlange geht mittags bis nach draußen. Wir haben sechs warme Gerichte, das ist schon super. Mir gefällt es, hier zu arbeiten und das Essen vorzubereiten. Nur Kasse mag ich nicht. Es ist schön, immer junge Leute um sich zu haben. Aber wir haben auch viele Ältere, die von außerhalb extra herkommen. Ich kenne einige Leute auch mit Namen und viele kennen mich auch. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin, werde ich schon mal angesprochen auf meine Arbeit. Mein Lieblingsessen hier sind die Asia-Gerichte. Es gibt Hühnchen, Gemüse, Reis mit Thai-Curry- oder Süß-sauer-Sauce.

Ida Baggen, 25, kommt ins dritte Mastersemester und erinnert sich an ihre Ersti-Zeit während der Pandemie.

Studentin Ida Baggen, 25, kommt ins dritte Mastersemester

Ich komme ins dritte Mastersemester der North-America-Studies. Im Bachelor habe ich Politikwissenschaften in Frankfurt am Main studiert. An der Uni Köln fühle ich mich sehr wohl. Ich finde, es ist eine wahnsinnig soziale Uni und ich mag das Philosophikum, wo ich mich am meisten aufhalte.

Als ich gestern über die Zülpi lief, habe ich die ganzen Ersti-Gruppen gesehen, mit Bier in der Hand. Da habe ich mich wehmütig an meine Zeit erinnert, weil ich zur Corona-Zeit mit dem Studium begonnen habe. Ich hätte es toll gefunden, wenn ich in Köln so etwas Ähnliches erlebt hätte. Aber es gab keine Aktionen. Wir sind halt ein sehr kleiner Studiengang. Wir hatten eine tolle Willkommensveranstaltung, es waren super viele liebe Leute dort. Neben dem Studium arbeite ich. Es bleibt nicht viel Zeit für soziale Dinge an der Uni, wie zum Beispiel nach der Vorlesung zusammen mit anderen auf der Wiese zu sitzen.

Abdullah Farah, 35, Café-Betreiber des Nosh auf dem Albertus-Magnus-Platz freut sich, dass die Baustelle beendet ist.

Abdullah Farah, 35, betreibt das Deli Nosh auf dem Albertus-Magnus-Platz und versorgt Studierende wie Mitarbeitende mit Cappuccino, Ciabatta und Salat

Abdullah Farah, 35, betreibt das Deli Nosh auf dem Albertus-Magnus-Platz und versorgt Studierende wie Mitarbeitende mit Cappuccino, Ciabatta und Salat

Mit unserem Nosh-Deli sind wir jetzt im zweiten Jahr auf dem Albertus-Magnus-Platz. Uns gefällt es sehr gut auf dem Uni-Campus, vor allem seitdem die Baustelle hier in diesem Teil fertig ist. Der Platz sieht gut aus, ich hätte mir aber etwas mehr Grün gewünscht. Die Leute sind mega entspannt, die Studierenden, Mitarbeiter, Professoren – sehr angenehmes Publikum. Mittags und nachmittags haben wir sehr viel zu tun. Wenn die Vorlesungen losgehen, sind wir mit vier Mitarbeitern statt zweien hier.

Mit großem Abstand ist der Liebling bei uns der Cappuccino, 60 Prozent mit Kuhmilch und 40 Prozent mit Hafermilch. Das ist eine deutlich erhöhte Quote für die Hafermilch – außerhalb des Campus hat man ein Verhältnis von 70 zu 30 etwa. Beim Essen gehen besonders unser Ciabatta mit Tomaten-Mozzarella gut, davon verkaufen wir täglich 40 bis 50 Stück, und unsere Salatbar. Auch die Cookies sind beliebt. Zum Semesterstart öffnen wir nebenan ein Pop-up und bieten warmen Cookie-Teig auf Eis an. Im Sommer gibt es hier sonst immer Frozen-Joghurt, aber das ist ein saisonales Geschäft.