Mit einer Marketing-Kampagne will die Stadt Köln das Image der Bühnen vor Eröffnung aufbessern. Das sagt unser Autor in seinem satirischen Wochenrückblick dazu.
Frustzaun an der OperKölsch und ne halve Riphahn – Für wen haben sich 14 Jahre Vorfreude gelohnt?


Weg mit dem Frust, jetzt wird gefeiert. 14 Jahre Vorfreude haben sich gelohnt. Dieses Motto geben die Kölner Bühnen aus, um die negativen Schlagzeilen zur Opernbaustelle vergessen zu machen. Foto: Arton Krasniqi
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Nichts liegt mir ferner, als Ihnen die gute Laune zu verderben. Im Gegenteil: Aber wir müssen jetzt alle zusammen sehr stark sein, weil der Zustand permanenter Vorfreude, des Dauerkribbelns und dieser unerträglichen Spannung, die Köln seit 14 Jahren in Atem hält, im September sehr wahrscheinlich ein Ende findet. Wird unsere Oper nun fertig oder nicht?
Das sind aber auch ein paar Schelme, diese Kulturschaffenden. Erst brauchen sie Jahre, um festzustellen, dass sie vom Bauen keine Ahnung haben. Bei der Konstruktion des Kleinen Hauses auf dem Fundament der ehemaligen Opernterrassen ist noch alles gut gegangen. Respekt, wer‘s selber macht. Dass diese Studiobühne im Vergleich zum Riphahn-Klotz aber nicht viel mehr ist als eine Gartenlaube, kam ihnen einfach nicht in den Sinn.
Oper Köln: Jeder Kölner muss 40 Jahre lang 337 Euro und 49 Cent Zinsen zahlen
Dann schieben diese Oberverantwortungshütchenspieler nach dem Motto „Ja, wo isser denn? Ja, wo isser denn?“ den Hut so lange weiter, bis er unauffindbar ist. Ihren Humor haben die Schelme ohne Helme darüber bis heute nicht verloren. Und so wird es zur Eröffnung des alten Kastens im neuen Gewand natürlich ein großes Spektakel geben, das wie das Baudrama für deutschlandweites Aufsehen sorgen soll. Nur diesmal mit Spielplan. Unter dem Motto: „14 Jahre Vorfreude haben sich gelohnt.“ So etwas kann eigentlich nur einem Kredithai einfallen.
Nein. Das ist ebenso wenig ein Witz wie der Frustzaun, der die Oper noch umgibt. Er soll ein Spiegel sein für Menschen wie mich, die das alles nur noch unfassbar finden. Sagt der Oberbürgermeister und gibt das Kommando: Weg mit dem Frust.
Und schon machen die Kölschen fröhlich weiter, lassen Künstler ihre Wutausbrüche besprühen und mit frischer Farbe überpinseln. Anschließend schmeißen sie vier frische Milliönchen aus dem Fenster, um zu feiern, dass der Laden mit 1,5 Milliarden zwar etwas teurer, aber dafür halt auch besonders schön geworden ist. Das zumindest glauben die Künstler, die sich diesen Frustzaun ausgedacht haben.
„Deine Bühne, Köln.“ Ich habe lange überlegt, ob das auf mich zutrifft. Dann hat sich mein schlechtes Gewissen gemeldet, weil ich meinen Beitrag noch gar nicht gezahlt habe. Das sind exakt 337 Euro und 49 Cent. Nicht für den gesamte Sanierung, sondern ausschließlich für die Zinsen, die 1,1 Millionen Kölnerinnen und Kölner in den nächsten 40 Jahren aufbringen müssen. 371 Millionen Euro mindestens. Stand Mai 2024. Seither wird diese Zahl nicht mehr aktualisiert.
337,49 Euro. 40 Jahre lang. Und zwar jeder, vom Säugling bis zum Greis. Macht 8,43 Euro pro Kopf und Jahr. Das reicht 2026 so eben fürs Eröffnungs-Buffett, wenn die Bühnen es schaffen, endlich mal den Bescheidenen zu spielen. Mein Vorschlag: ein Kölsch und ne halve Riphahn pro Person. Das muss reichen. Für einmal frisch renovieren.


