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Köln früher und heuteAls die Bundesgartenschau über 4 Millionen Besucher in die Riehler Aue lockte

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Großflächige Blütenpracht in der Riehler Aue: Die linksrheinische Fläche südlich der Mülheimer Brücke war Teil der Bundesgartenschau 1971.

Großflächige Blütenpracht in der Riehler Aue: Die linksrheinische Fläche südlich der Mülheimer Brücke war Teil der Bundesgartenschau 1971.

Die Bundesgartenschau fand 1971 zum zweiten Mal in Köln statt. Rheinpark und Rhieler Aue verwandelten sich in Blumenmeere.

Das Großereignis warf lange vorher seine Schatten voraus. „Fahren Sie mit der Bundesbahn zur Bundesgartenschau in Köln“, lautete die Aufforderung auf 50.000 Kölnisch-Wasser-Fläschchen, die im Mai 1970 auf den großen deutschen Bahnhöfen verteilt wurden. Die Karnevalssession 1970/71 stand unter dem Motto „Rosen, Tulpen und Narzissen, das ganze Leben könnte so schön sein“. Eine Brauerei brachte eine Million Bierdeckel mit Buga-Motiv unter die Leute. Am 29. April 1971 war es endlich so weit: Die Bundesgartenschau in Köln öffnete ihre Pforten. Ein Meer aus Rosen, Lilien, Tulpen und Narzissen ergoss sich über den Rheinpark in Deutz und die Riehler Aue im Linksrheinischen. Die Farbenpracht passte gut in das Jahrzehnt, das kurze Zeit später die Prilblume hervorbringen sollte.

Der große Erfolg der Buga 1957 hatte dazu geführt, dass sich Köln schnell für eine weitere Leistungsschau des deutschen und internationalen Gartenbaus beworben hatte. Allerdings zunächst nicht mit dem Rheinpark als Austragungsort. „Man wollte zwischen dem Volksgarten und dem Vorgebirgspark einen Grünzug entwickeln, den Grünzug Süd“, erklärt Joachim Bauer, ehemals stellvertretender Leiter des Kölner Grünflächenamts: „Das war ein Gelände, das städtebaulich vollkommen unsortiert war.“ Doch die Rezession der Jahre 1965/66 und unerwartete Probleme beim Ankauf von Grundstücken durchkreuzten das Vorhaben. Kurzfristig griff die Stadt auf Altbewährtes zurück, hatte der Rheinpark 1957 doch ziemlich gut funktioniert. Damals besuchten 4,3 Millionen Buga-Besucher die Grünfläche am Rhein, die mit Kriegstrümmern neu modelliert worden war.

Die Riehler Aue ist heute eine naturbelassene Grünfläche, unter Buschwerk finden sich aber noch etliche Relikte der Buga 1971.

Die Riehler Aue ist heute eine naturbelassene Grünfläche, unter Buschwerk finden sich aber noch etliche Relikte der Buga 1971.

Die künstlerische Oberleitung für die Neuauflage übernahm Grünflächenamtsleiter Kurt Schönbohm, der schon die erste Buga dirigiert hatte. Veranstalter waren die Stadt Köln und der Zentralverband des Deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbaues.

Kölner Parkanlagen werden modernisiert

Der Rheinpark blieb größtenteils unverändert, wurde aber behutsam modernisiert. Der Tanzbrunnen erhielt einen größeren Musikpavillon und sechs riesige Schirme als Wetterschutz für das Publikum, der Jugendpark zahlreiche Attraktionen für die jüngeren Gäste. Zu den Hinguckern zählten ein Mittelmeergarten, ein Rosengarten und diverse kunstvolle Plastiken. Von einer kleinen Eisenbahn – noch heute unterwegs – ließen sich die Gäste über das Gelände fahren. Auch sie hatte schon 1957 begeistert.

Eine „Liliputbahn“ war auch für die Riehler Rheinaue vorgesehen. Allerdings fuhr sie nicht auf Schienen, sondern auf Gummireifen. Der Weg, der für sie reserviert war, schlängelt sich noch heute durch die wilde Wiese südlich der Mülheimer Brücke, wo die Buga 71 ihre linksrheinische Fortsetzung erhielt. Das Areal hatte die Stadt im Vorfeld mit Kriegsschutt auf das Niveau der Deichkrone angehoben.

Während in Deutz eher kleinteilige Blumenbeete zu finden waren, blühte es in Riehl großflächiger. „Und man musste natürlich hier auch einen Höhepunkt schaffen, damit die Leute überhaupt kommen“, so Joachim Bauer. Dieses Highlight kam in Gestalt der orangefarbenen „Flora-Vision 71“, ein durch Überdruck getragenes Kugelzelt von 15 Metern Höhe, in dem 56 computergesteuerte Diaprojektoren Informationen über den Gärtnerberuf oder Fragen des Gartenbaus an die Innenwand projizierten. „Das war der Renner“, so Bauer. Ebenso das neue Aquarium des Kölner Zoos und der Vergnügungspark Tivoli nördlich der Mülheimer Brücke, der noch bis 1975 existierte.

Durchwachsene Resonanz

Nicht so der Renner waren die Schiffslinien, die beide Buga-Standorte verknüpften. „Der Rhein muss wohl dermaßen gestunken haben, das war ja eine Kloake damals in den 70ern“, so Joachim Bauer. In seiner Eröffnungsrede hob Bundespräsident Gustav Heinemann dann auch die Notwendigkeit verstärkten Umweltschutzes hervor. Ein Thema, das damals noch ganz neu war.

Die Buga 71 endete am 24. Oktober. 4,4 Millionen Besucher waren bei überwiegend günstiger Witterung gekommen – etwas mehr als 14 Jahre zuvor. Dennoch war die öffentliche Resonanz durchwachsen. „Selbst Veranstaltungen wie das Gastspiel des Balletts der Wiener Staatsoper hatten in der Presse nicht die erwartete Wirkung“, heißt es im Abschlussbericht des Kölner Stadtdirektors. „Diese Gartenschau war nicht mehr so beliebt wie die 57er“, fasst es Joachim Bauer zusammen. Es fehlte die Aufbruchstimmung der Nachkriegsjahre und sicher auch Vorbereitungszeit.

Dennoch hat die Buga 71 bis heute ihre Spuren hinterlassen. In der Riehler Aue verbergen sie sich in den Büschen entlang der Straße An der Schanz nördlich der Jugendherberge. Unter einem Blätterdach findet sich ein Geflecht aus verwitterten Drahtgitterzäunen, Betonkübeln und Mäuerchen. Sie gehörten zu exemplarischen Hausgärten, die private Gartenbesitzer inspirieren sollten. Auch der zum Lärmschutz angelegte Grenzwall mit immergrünen Pflanzen ist ein Relikt von 1971. Und auf dem Pflasterbelag, der zum südlichen Eingangsbereich der Buga gehörte, parken heute Wohnmobile.