Die KVB hält ihre alternde Flotte mit „lebenserhaltenden Maßnahmen“ auf der Schiene. Das vollständige Angebot soll es erst Ende 2030 geben.
80 Bahnen fehlenKVB verschiebt Rückkehr zum alten Fahrplan – es drohen viele Ausfälle

Eine Stadtbahn der KVB-Linie 1 an der Haltestelle Rhein-Energie-Stadion
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Die Stadtbahnen in Köln sind in die Jahre gekommen – immer öfter endet ihre Fahrt nicht an einer Haltestelle, sondern in der Werkstatt. Kurzfristige Ausfälle gibt es im gesamten Stadtbahnnetz. Besonders betroffen sind derzeit die stark frequentierten Linien 1 und 18. Sie sind seit den Sommerferien nicht mehr im Fünf-Minuten-Takt unterwegs und werden es voraussichtlich noch bis Ende Oktober nicht sein. Der Grund ist die geringe Fahrzeugverfügbarkeit: Von den mehr als 400 Stadtbahnen der KVB stehen derzeit 80 längerfristig nicht für den Betrieb zur Verfügung.
Fuhrpark bereitet der KVB Sorgen
Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) wollten ursprünglich bereits Anfang Oktober zum vorherigen Fahrplan zurückkehren. Diesen Termin kann das Unternehmen jedoch nicht halten. Der Fünf-Minuten-Takt im Berufsverkehr soll nun zum Ende der Herbstferien zurückkehren, wie die KVB auf Anfrage dieser Redaktion mitteilt. „Unser Ziel ist es, dem alten Fahrplan bis dann nahe zu kommen“, sagt KVB-Vorstandschef Marcel Winter, der seine Position im März dieses Jahres antrat.
Nach Angaben von Winter hat sich die Ursache der Ausfälle verschoben. Fielen vor drei Jahren noch viele Verbindungen wegen fehlender Fahrerinnen und Fahrer aus, bereitet der KVB heute vor allem der Fuhrpark Sorgen. „Wir haben nur noch 0,3 Prozent personalbedingte Ausfälle, das ist in der Branche ein hervorragender Wert“, sagt Winter. Inzwischen gibt es nach Angaben der KVB zwar genügend Fahrerinnen und Fahrer, aber nicht genug einsatzfähige Bahnen.
Viele der nicht verfügbaren Fahrzeuge müssen längerfristig instand gesetzt werden. „Wir schleppen einen großen Instandhaltungsrucksack mit uns herum“, sagt Technikvorständin Alexandra Rohlmann, die seit Anfang des Jahres für das Verkehrsunternehmen arbeitet. Im Kern gehe es um „lebenserhaltende Maßnahmen“, mit denen die Fahrzeuge bis zur Lieferung neu bestellter Bahnen einsatzfähig gehalten werden sollen.
Lieferung mit vier Jahren Verspätung
Diese lassen auf sich warten: Die beim Hersteller Alstom bestellten 62 Niederflurbahnen – also Fahrzeuge mit besonders niedrigem Fahrzeugboden, die einen nahezu stufenlosen Ein- und Ausstieg ermöglichen – sollen nach derzeitiger Planung erst mit vier Jahren Verspätung in Köln eintreffen. Der französische Konzern begründet die Verzögerung mit nach eigenen Angaben schwer lösbaren Konstruktionsfragen bei den 60 Meter langen Fahrzeugen.
Um den Fahrzeugmangel zu überbrücken, lässt die KVB die 124 seit Mitte der 1990er-Jahre eingesetzten Niederflurbahnen von Bombardier für 48 Millionen Euro bei Talbot in Aachen generalüberholen. 20 der 80 Fahrzeuge, die derzeit nicht zur Verfügung stehen, gehören zu den Bombardier-Bahnen.
Negativ auf die Fahrzeugverfügbarkeit hat sich auch ausgewirkt, dass der Betriebshof Merheim ab Mitte August wegen Bauarbeiten drei Wochen lang nicht erreichbar war. In der Folge gibt es jetzt einen Rückstand bei der Instandhaltung der Bahnen.
Als weiteres Problem nennt Rohlmann überfällige Inspektionen. Die KVB habe zwar die sicherheitsrelevanten und gesetzlich vorgeschriebenen Hauptuntersuchungen der Bahnen vorgenommen. Nicht eingehalten habe das Unternehmen jedoch zusätzliche Inspektionsfristen aus seinem eigenen Regelwerk, das mit der Technischen Aufsichtsbehörde abgestimmt war. Die KVB setzte die Fahrzeuge nach eigenen Angaben weiter im Linienbetrieb ein, statt sie für die zusätzlichen Inspektionen aus dem Verkehr zu nehmen. „Wir sind damit selbst auf die Technische Aufsichtsbehörde zugegangen und haben das transparent gemacht“, sagt KVB-Chef Winter.
Das Problem: Jetzt muss die KVB die Inspektionen nachholen, was bedeutet, dass die Bahnen nur wieder auf die Schiene können, wenn sie diese erfolgreich bestanden haben. „Wir sind in der Abarbeitung, aber das wird noch etwas dauern“, sagt Technikvorständin Rohlmann. Parallel dazu überarbeitet die KVB in Abstimmung mit der Technischen Aufsichtsbehörde ihr internes Regelwerk.
Winters Vorgängerin Stefanie Haaks hatte bereits im Frühjahr dieses Jahres ein Projekt gestartet, um die Abläufe in der Werkstatt zu optimieren. Bislang führten verschiedene Teams die Arbeiten an den Fahrzeugen nacheinander aus. Inzwischen arbeiten Fachkräfte verschiedener Bereiche gleichzeitig an einem Fahrzeug, damit es schneller wieder eingesetzt werden kann.
Unterstützung für Stadtwerke Bonn
Zusätzlich bindet die Unterstützung der Stadtwerke Bonn sechs KVB‑Fahrzeuge. Nachdem die Technische Aufsichtsbehörde dort 60 Fahrzeuge wegen Sicherheitsmängeln aus dem Verkehr gezogen hatte, stellte die KVB sechs Bahnen für die gemeinsam betriebenen Linien 16 und 18 bereit. Damit soll verhindert werden, dass es noch mehr Ausfälle auf diesen Linien gibt als ohnehin schon.
Da die Zahl der einsatzfähigen Fahrzeuge täglich schwankt, kann die KVB auf den Linien 1 und 18 an einzelnen Tagen zusätzliche Fahrten anbieten. Dadurch entsteht zeitweise wieder ein Fünf-Minuten-Takt. „Was an Bahnen da ist, wird auch auf die Strecke geschickt“, sagt Winter.
Auch mit dem Fünf-Minuten-Takt auf den Linien 1 und 18 wäre der frühere Fahrplan noch nicht vollständig wiederhergestellt. Nach Angaben der KVB umfasst das derzeitige Angebot lediglich rund 90 Prozent der ursprünglich vorgesehenen Fahrten. Zum vollständigen Fahrplan plant das Unternehmen erst Ende 2030 zurückzukehren.
Bis dahin soll der Fuhrpark zu einem großen Teil erneuert sein – die Stadt Köln unterstützt die KVB insgesamt mit 1,5 Milliarden Euro, um neue Bahnen zu kaufen. Neben den Niederflurbahnen hat die KVB beim Hersteller Stadler auch 132 Hochflurbahnen mit höherem Einstieg bestellt. Sie sollen bis Ende 2032 ausgeliefert sein.
