Köln – Seit Montag, 11.45 Uhr, ist „Zemag“ scharf geschaltet. In der stadtinternen Datenbank („Zentrales Melde- und Auskunftssystem bei Gefährdungen von Mitarbeitern“) können sich die Verwaltungsmitarbeiter, die im Außendienst tätig sind, ab sofort gegenseitig vor potenziell gefährlichen Kunden und Klienten warnen.
Köln sei die erste Stadt bundesweit, die ein solches System aufgelegt habe, berichtet Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Jenen Tag, der den Ausschlag für die vergleichsweise kurzfristige Einrichtung von „Zemag“ gab, bezeichnete Reker als den schwierigsten ihrer bisherigen Amtszeit: Mitte Dezember hatte ein vermutlich psychisch kranker Mann den Kämmerei-Mitarbeiter Kurt Braun in Dünnwald erstochen (hier lesen Sie mehr), als der bei ihm Schulden eintreiben wollte. Sie habe schon kurz darauf versprochen, „die Sicherheitsarchitektur für alle Mitarbeiter neu aufzustellen“, betonte Reker.
Infos über potenziell gewalttätige Menschen oder Situationen
Unter strengen Datenschutzbestimmungen können ab sofort zwischen 1500 und 2000 Stadtmitarbeiter auf die Daten in dem System zugreifen. Infos über potenziell gewalttätige Menschen oder Situationen, die aus dem Ruder gelaufen sind, kann dagegen jeder städtische Beschäftigte eingeben. Voraussetzung ist unter anderem, dass zu dem Vorfall auch eine Strafanzeige gestellt wird. Darüber hinaus landen Taten erst ab einer gewissen Schwere in dem System, angelehnt an das Stufenkonzept „Aachener Modell“.
Die „etwas unflätige Bemerkung“ zu einer Politesse etwa gehöre demnach nicht dazu, sagte Stadtdirektor Stephan Keller. Sachbeschädigungen und Drohungen, körperliche Übergriffe und Nötigungen dagegen schon (Stufe 2), erst recht Angriffe mit Waffen oder Bombendrohungen und Amokläufe (Stufe 3).
Potentielle Gefährder werden schriftlich informiert
Ein Vorgesetzter prüft die Eingaben des einzelnen Mitarbeiters, das städtische Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit unter der Leitung von Dolores Burkert stellt die Qualität der Einträge sicher. Auch Mitarbeiter des Rettungsdienstes und der Feuerwehr haben Zugang zu den Informationen. Im Zweifel können die Mitarbeiter dann zu ihrem bevorstehenden Einsatz oder Hausbesuch zur Sicherheit die Polizei hinzuziehen.
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Wer als potenzieller Gefährder in der Datenbank landet, werde schriftlich darüber informiert, sagte Stadtdirektor Stephan Keller. Fällt derjenige nach einem Vorfall der Stufe 2 nicht weiter auf, werden seine Daten nach einem Jahr gelöscht, ergänzte Burkert. Ereignisse aus den vergangenen Monaten sind bereits eingespeist. „Wir fangen nicht bei Null an“, sagte Burkert.
In den beiden Vorjahren habe es je 75 Angriffe oder Beleidigungen gegen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes gegeben, teilte die Stadt mit, 28 sind es bisher in diesem Jahr. Allein die Feuerwehr zählte im Vorjahr 38 Übergriffe auf ihre Einsatzkräfte.



