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Hype im NetzKölner rätseln über Papageien-Graffiti

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07.01.2026 Köln. Ein unbekannter Künstler oder Künstlerin sprüht überall in der Stadt auf Wände und Hausfassaden seine Graffiti mit Papageien-Motiven. Eifelwall. Foto: Alexander Schwaiger

Ein Papagei-Graffito am Eifelwall.

Die grünen Vögel zieren Hauswände und Mauern an vielen Orten in Köln. Der Hintergrund der Graffiti ist unbekannt.

Ob in Ehrenfeld, in Sülz oder im Agnesviertel: An vielen Stellen im Kölner Stadtgebiet zieren große grüne Vögel mit markanten roten Schnäbeln Hausfassaden oder Mauern. In den vergangenen Wochen ist das Interesse an den Graffiti beträchtlich und gewachsen – und hat einen kleinen Trend im Internet ausgelöst.

Dabei sind die Papageien-Graffiti schon länger Teil des Stadtbilds. Bereits im Juli 2025 schrieb die Instagram-Userin „mein_koeln_“, dass ihr die Graffiti „seit gefühlt einem Jahr“ auffielen. Für größeres Interesse sorgte dann ein Post im Köln-Forum auf der Website Reddit vor wenigen Wochen. Ein Nutzer postete am 10. Dezember 2025 ein Graffito an einer Brücke am Eifelwall, mit dem Aufruf, alle Papageien in Köln zu finden.

07.01.2026 Köln. Ein unbekannter Künstler oder Künstlerin sprüht überall in der Stadt auf Wände und Hausfassaden seine Graffiti mit Papageien-Motiven. Kasparstraße. Foto: Alexander Schwaiger

Ein Graffito eines Papageis in der Kasparstraße.

Nicht nur in den Kommentaren unter dem ursprünglichen Post begannen andere User, Fundorte der Graffiti zu posten. Zahlreiche eigene Posts mit Fotos folgten, ein Nutzer erstellte sogar eine Stadtkarte mit Koordinaten der Vögel. Auch auf anderen Social-Media-Plattformen wie Instagram oder Threads teilten Nutzer Fotos der Papagei-Graffiti. Dabei gibt es nicht den einen Hotspot – die Vögel sind vor allem linksrheinisch an vielen Orten zu finden, an den Ringen ebenso wie im Univiertel oder in Nippes.

Geteilte Meinungen zu Papageien-Graffiti

Die Meinungen zu den Graffiti gehen dabei auseinander. Viele Menschen sind Fans der grünen Vögel, sind selbst schon auf die Suche gegangen, teilweise nicht erst seit den neuen Posts, oder reden vom „kölschen Banksy“. Banksy ist ein international bekannter Street-Art-Künstler, der immer wieder mit seinen Kunstwerken Schlagzeilen macht. Andere User finden weniger lobenswerte Worte und bezeichnen sie als „Verschmutzung“ oder „Schmierereien“.

Wer hinter den Papageien steckt, ist nicht bekannt, eine Signatur fehlt. Damit verhält es sich bei den Papageien anders als zum Beispiel bei den ebenfalls tierischen Graffiti des anonymen Künstlers „The Kuhl Kid“, der es mit seinen Street-Art-Kühen sogar schon in Ausstellungen geschafft hat. Die Anonymität des Künstlers hat allerdings einen triftigen Grund. Zwar finden sich einige der Graffiti an Street-Art-Wänden, die extra als Kulisse für Kunst designiert sind, die meisten sind allerdings an normalen Fassaden angebracht. Damit stellen sie Ordnungswidrigkeiten dar, denn das Sprayen von Graffiti ohne Erlaubnis der Eigentümer ist verboten und gilt als Sachbeschädigung. Sprayer machen sich schadensersatzpflichtig und können strafrechtlich verfolgt werden.

07.01.2026 Köln. Ein unbekannter Künstler oder Künstlerin sprüht überall in der Stadt auf Wände und Hausfassaden seine Graffiti mit Papageien-Motiven. Herwarthstraße. Foto: Alexander Schwaiger

Auch in der Herwarthstraße findet man einen grünen Papagei.

Auf Nachfrage, ob es aufgrund der Papageien-Graffiti bereits zu Anzeigen gekommen ist, konnte ein Sprecher der Polizei Köln keine direkte Auskunft geben, da man jede Anzeige öffnen müsste, um das Graffiti-Motiv auszumachen.

Generell sind Graffiti in Köln ein bekanntes Problem: In der Kriminalstatistik der Polizei Köln sind für das Jahr 2024 2136 Sachbeschädigungen durch Graffiti vermerkt, was fast 20 Prozent aller Sachbeschädigungen ausmacht.

Grüne Vögel gehören seit Jahren zum Kölner Stadtbild

Der Grund für die Graffiti ist ebenso unbekannt wie ihr Erschaffer. Zumindest die Wahl des Motivs lässt sich aber recht einfach ableiten, denn grüne Vögel gehören seit Jahrzehnten zum Kölner Stadtbild. Insbesondere in den Abendstunden flattern am Rheinufer Schwärme von Halsbandsittichen über Spaziergänger und durch Baumgipfel. Schätzungsweise gibt es in Köln zwischen 2000 und 3000 der Vögel.

Im Jahr 1969 wurden die ersten Sittiche in Köln gesichtet. Anders als oftmals angenommen stammen die Vögel dabei wohl nicht von Ausbrechern aus dem Kölner Zoo ab, sondern von ausgebüxten oder freigelassenen Haustieren, die ursprünglich aus Afrika und Südasien kamen. Mittlerweile sind die anpassungsfähigen Tiere in vielen Veedeln heimisch und brüten häufig in Löchern in Hausfassaden – genau dort, wo sie nun auch in Graffiti-Form zu Hause sind.