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Bewerbung von Rhein/RuhrSo sollen die Olympischen Spiele in Köln finanziert werden

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Viele Kölnerinnen und Kölner fragen sich, ob ihre Stadt Olympische Spiele planerisch und finanziell stemmen könnte. Was bekannt ist.

Noch bis zum 19. April können die Kölnerinnen und Kölner über eine Olympia-Bewerbung abstimmen. Soll sich die Stadt an einer Bewerbung der Region Rhein/Ruhr für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 beteiligen? Auch die Politik ist in dieser Frage gespalten. Die Ratsfraktionen haben sehr unterschiedliche Ratschläge für Kölns Bürgerinnen und Bürger und tragen viele Argumente für oder gegen Olympia vor.

Neben vielen anderen Fragen interessiert die Menschen vor allem, wie das Mega-Event finanziert werden soll. Angesichts der Tatsache, dass sich Großprojekte in Köln sehr häufig um viele Jahre verzögern und den Kostenrahmen komplett sprengen, sind viele skeptische Stimmen in der Stadtgesellschaft zu hören. Selbst wenn sich Köln nur als eine von 17 Städten bewirbt, so soll die Stadt doch immerhin „Leading City“ sein. Das Olympische Dorf und ein Leichtathletikstadion sollen hier entstehen. 

Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) als Ex-Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) ist ein glühender Verfechter der Bewerbung. Erst jüngst äußerte er sich auch erneut zu Fragen der Finanzierung in einem Instagram-Video.

Es gebe drei Kostenarten, so Burmester: für die Bewerbung, die Durchführung und die Infrastruktur. Ein Großteil der Kosten für den laufenden Bürgerentscheid würde vom Land NRW bezahlt. Die Durchführungskosten dürften für die meisten allerdings deutlich interessanter sein.

OB Burmester rechnet mit Überschuss durch Olympia

4,8 Milliarden Euro würden die Olympischen und Paralympischen Spiele in NRW kosten. Diese Kosten seien „komplett gedeckt“, so Burmester, und zwar durch private und nicht durch öffentliche Mittel. Tickets, Marketingerlöse und der Zuschuss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) seien die Einnahmequellen. Der SPD-Politiker geht davon aus, dass 14 Millionen Tickets verkauft werden und insgesamt sogar ein Überschuss von mehreren hundert Millionen Euro erzielt wird. An anderer Stelle wurde im Vorfeld von Einnahmen von 5,2 Milliarden Euro gesprochen.

Über die Investitionen in die Infrastruktur entscheide man selbst, äußert sich der OB zum dritten Punkt recht vage. ÖPNV-Ausbau, Stadtentwicklung und Digitalisierung werden hier genannt. Diese Kosten beziffert Burmester nicht. Der „echte Mehrwert“ von Olympischen Spielen bestehe in der Langfristigkeit der Investitionen.

Generell gilt laut Burmester: Da die Bewerbung ein Gemeinschaftsprojekt des Bundes, des Landes und der Kommunen sei, hielten sich die Risiken für die Stadt mit ihrem defizitären Haushalt in Grenzen. Es gebe Zuschüsse von Land und Bund.

Stadt Köln rechnet mit Investitionsschub durch Olympia

In Köln müssten das Olympische Dorf und ein temporäres Leichtathletikstadion gebaut werden. Beides soll im Norden der Stadt entstehen. Dort wird bereits seit mehreren Jahrzehnten der neue Stadtteil Kreuzfeld geplant, allerdings gab es kaum Fortschritt. Nun will man die Planungen verknüpfen: Die Athletenunterkünfte sollen später zu Wohnungen werden. Die Stadt rechnet mit einem Schub für den neuen Stadtteil durch Olympia, insbesondere die Verkehrsanbindung soll dort jetzt schneller erfolgen. Skeptiker befürchten allerdings, dass sich der neue Stadtteil weiter verzögern könnte, falls Olympia erst 2044 hier stattfinden sollte.

Viele Sportstätten in Köln sind darüber hinaus auch dringend sanierungsbedürftig. Hier könnten die Zuschüsse von Land und Bund bei der Sanierung helfen, denn die Athletinnen und Athleten bräuchten nach Burmesters Worten auch Trainingsstätten. Konkrete Zahlen werden hier aber auch nicht genannt.

Experten kritisch bei Wirtschaftsschub durch Olympische Spiele

Viele Kölnerinnen und Kölner fragen sich, ob die Verkehrsinfrastruktur die riesige Anzahl von Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt verkraften kann. An einem Konzept dazu arbeitet die Stadt derzeit im Austausch mit dem NRW-Verkehrsministerium. Die Sanierung der Kölner Brücken hat nach Burmesters Worten Priorität. 

Obwohl noch viel Unklarheit bezüglich der konkreten Kosten besteht, verweisen Experten darauf, dass Olympische Spiele generell nicht als Instrument der Wirtschaftsförderung dienten. Oliver Holtemöller, Professor am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), sieht die Wirtschaftlichkeit von Sport-Großveranstaltungen kritisch. Die positiven Effekte seien eher im Bereich des Breitensports und des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu sehen.

Kosten für Olympische Spiele werden unterschätzt

Im Allgemeinen gelte: Die Kosten durch Olympia überwiegen die Einnahmen, so Holtemöller. Wenn man Verkehrsinfrastrukturprojekte voranbringen wolle, könne man dies auch ohne die Spiele tun, beispielsweise in Wohnungen oder Bahn-Anbindungen investieren. „Wir wissen aus der Analyse vorheriger Olympischer Spiele, dass die Kosten im Vorfeld in der Regel dramatisch unterschätzt werden“, so Holtemöller.

Wenn man von den reinen Zahlen ausgeht, sind auch die viel gelobten Spiele in Paris 2024 kein Erfolg gewesen. Der französische Rechnungshof bezifferte die Kosten für Olympia mit 6,6 Milliarden Euro – 3,02 Milliarden für die Organisation (davon 1,44 Milliarden für Sicherheit) und 3,63 Milliarden für Infrastruktur. 2023 hatte man noch mit Kosten von 2,44 Milliarden Euro gerechnet.