Bei der Kundgebung sprachen Politiker der Ukraine ihre Solidarität aus und verurteilten Russlands Angriffskrieg.
Kundgebung auf RoncalliplatzTausende Menschen zeigen Solidarität mit der Ukraine

Teilnehmende der Kundgebung am 4. Jahrestag des Beginn des russischen Angriffskrieg gegen Ukraine auf dem Roncalliplatz in Köln.
Copyright: Martina Goyert
Viel Beifall bekam Karnevalswagenbauer Jacques Tilly, als er am Dienstabend auf dem Roncalliplatz bei der Solidaritätskundgebung für die Ukraine sprach. „Ich glaube, jeder, der das Herz am rechten Fleck und einen inneren politischen, vielleicht auch humanistischen Kompass hat, der kann ich anders, als an der Seite der Ukraine zu stehen“, sagte der Düsseldorfer, gegen den in Russland ein Strafverfahren wegen „Verunglimpfung der Staatsorgane“ läuft. In den letzten 20 Jahren habe er Putin „ordentlich geärgert“, was offensichtlich Wirkung zeige. „Satire tut weh, auch dem russischen Regime, und das ist gut so. Und deshalb werde ich meine Arbeit konsequent fortsetzen.“
Zu der Kundgebung an dem Tag, an dem sich die Vollinvasion der Ukraine durch Russland zum vierten Mal jährte, hatten der deutsch-ukrainische Verein Blau-Gelbes Kreuz, das Lew Kopelew Forum und Pulse of Europe Köln aufgerufen. Bis zu 1500 Menschen nahmen teil. Auf dem Platz waren zwei Motivwagen aufgestellt, die Tilly für den jüngsten Düsseldorfer Rosenmontagszug geschaffen hat. Einer prangert es als Kriegsverbrechen an, dass Russland gezielt die Winterkälte als Waffe nutzt.
Der andere zeigt als Symbol für die Satire einen Narren, der Putin seine Pritsche auf den Kopf schlägt, während er von ihm mit einem Schwert durchbohrt wird. Auf und vor der Bühne waren Reihen von Kerzenlichtern aufgestellt. In einer Schweigeminute wurde der Opfer des Krieges gedacht. Viele Demonstranten und Demonstrantinnen trugen ukrainische Fahnen, etliche von ihnen auch Schilder mit Aufschriften wie „Stand with Ukraine“ oder „Stoppt den Krieg! Schützt die Demokratie!“
Alles zum Thema Blau-Gelbes Kreuz
- Kundgebung auf Roncalliplatz Tausende Menschen zeigen Solidarität mit der Ukraine
- Bilanz der Ukraine-Hilfe Wie NRW dabei mithilft, Putins Sieg zu verhindern
- Jahrestag Ukraine-Krieg NRW verspricht Ukraine weitere Hilfe
- Vier Jahre Krieg gegen die Ukraine „Wollt ihr wirklich in einer Diktatur leben?“
- Blau-Gelbes Kreuz Stadt Köln spendet Stromgeneratoren an ukrainische Partnerstadt
- „Taurus, Taurus, Taurus!“ Kundgebung in Köln erinnert an vier Jahre Ukraine-Krieg
- Spitzensport und Weltstars Was in Köln in dieser Woche wichtig wird
Burmester betont „Europas moralische Pflicht“
„Aus Russlands geplanter Besetzung in drei Tagen sind vier Jahre ukrainischer Selbstbehauptung geworden“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) in einer Videobotschaft. Es sei „Europas moralische Pflicht“, der Ukraine beizustehen, denn sie verteidige „letztlich ganz Europa.“ Auch Mona Neubaur (Grüne), NRW-Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, sagte, der Krieg betreffe bei weitem nicht nur die Ukraine. Er gehe alle an, die „für Freiheit, Sicherheit und einen gerechten Frieden aufstehen“.
Die Wirtschaft Nordrhein-Westfalens stehe bereit, in der Ukraine zu investieren und den Menschen dort beim Wiederaufbau zu helfen. „Gebt nicht auf!“, bat sie. „Ihr seid Vorbild, wie man sein eigenes Land verteidigen muss, wenn es angegriffen wird.“ Bundeskanzler Merz habe im Wahlkampf versprochen, der Ukraine den Marschflugkörper Taurus zu liefern, sagte Neubaur und schloss die Frage an: „Wo bleibt der denn bitteschön?“ Später skandierte die Menge „Taurus! Taurus! Taurus!“

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur spricht bei der Kundgebung.
Copyright: Martina Goyert
Zu den weiteren Rednern und Rednerinnen der Kundgebung, die musikalisch endete, zählten unter anderen die Fraktionsvorsitzenden von Grünen, SPD, CDU, Volt und FDP im Kölner Stadtrat, Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein und Honorarkonsul der Ukraine, der polnische Generalkonsul Marek Głuszko und, per Videobotschaft, die Staatsministerin im Auswärtigen Amt und Kölner CDU-Parteichefin Serap Güler.
Liminski schildert Eindrücke von Ukraine-Besuch
All diejenigen, „die immer noch meinen, sie müssten irgendein Verständnis für Wladimir Putin aufbringen“, sollten sich mit der konkreten Kriegsrealität konfrontieren, um zu begreifen, „was für einen Wahnsinn, was für eine Gewalt, wie viel Leid und Zerstörung dieser Mann über die Ukraine gebracht hat“, sagte NRW-Europaminister und Staatskanzleichef Nathanael Liminski. Er schilderte seine Eindrücke beim Besuch des Metschnikow-Krankenhauses in Kölns Partnerstadt Dnipro, das aus gutem Grund als „Überlebensfabrik“ bezeichnet wird. In den Stunden, die er dort verbracht habe, seien Dutzende Soldaten und Soldatinnen von der Front gebracht worden, und Ärzte und Schwestern hätten in OP-Sälen um deren Leben gekämpft.
„Ich wünschte mir, dass Wladimir Putin einmal in so einen OP-Saal geht, um zu sehen, was er anrichtet, welches Leid er über diese Frauen und Männer bringt“, sagte Liminski, der Schirmherr des Vereins Blau-Gelbes Kreuz ist. Was die Ukraine, was Europa „ganz wesentlich von der Ideologie des Mannes im Kreml unterscheidet“, sei dies: „Für uns zählt jedes einzelne Leben.“ Wer sich entschieden habe, heute Abend zur Kundgebung zu kommen, zeige den Menschen in der Ukraine: „Wir haben euch nicht vergessen. Wir stehen an eurer Seite, und wir bleiben so lange zusammen, bis die Ukraine gewonnen hat.“
Linda Mai, Vorsitzende des Blau-Gelben Kreuzes und Honorarkonsulin der Ukraine, schilderte aus eigener Anschauung die Not der Menschen, die diesen Kriegswinter in extremer Kälte und mit häufigen Stromausfällen durchstehen müssen. Unterwegs in der Ukraine, habe sie manchmal Leute sagen hören: „Wieso denkt ihr, dass wir so resilient sind? Wir haben einfach keine andere Wahl.“

