Die KVB will ihre Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wieder verbessern. Neue Fahrzeuge sollen dabei helfen, die Stadtbahnflotte ist betagt.
Austausch der FlotteWarum die Kölner Verkehrs-Betriebe 1,4 Milliarden Euro für neue Bahnen ausgeben

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) wollen in den kommenden Jahren rund 70 Straßenbahnen zukaufen und so die existierende Flotte in Teilen ersetzen.
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Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) haben angekündigt, 69 neue Stadtbahnen kaufen zu wollen, um die bisherigen Fahrzeuge der 4500er-Serie zu ersetzen, die auf den Linien 1, 7, 9, 12 und 15 im Einsatz sind. Die Stadt Köln soll dafür ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 364 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Zusammen mit den beiden aktuellen Bestellungen von 62 neuen Niederflurbahnen bei Alstom (363 Millionen Euro) und 132 Hochflurbahnen bei Stadler (700 Millionen Euro) investiert das Unternehmen also insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro in neue Bahnen – eine enorme Summe, vor allem vor dem Hintergrund, dass die KVB jedes Jahr einen dreistelligen Millionenverlust macht. Die von der Stadt Köln bislang gewünschte Abkehr vom Auto gerät damit in Gefahr.
Gefahr für die Verkehrswende in Köln
So hat die KVB im Jahr 2024 ein Minus von 185,1 Millionen Euro erzielt, die Zahlen für 2025 stehen noch aus, es ist aber wohl mit einer ähnlichen Höhe zu rechnen. Der Verlust wird zwar innerhalb des Stadtwerke-Konzerns ausgeglichen – das bedeutet allerdings, dass dieser auch weniger Gewinn an die Stadtkasse abführen kann. Und in Zukunft soll der Verlust der KVB zudem auf ein Minus von 160 Millionen Euro begrenzt werden, was zwangsläufig eine Verschlechterung des Angebots zur Folge hätte. Das würde die von der Stadt Köln bislang angestrebte Verkehrswende weg vom Auto erheblich erschweren, denn ein sehr guter öffentlicher Nahverkehr nimmt dabei die Hauptrolle ein und ist deutlich bedeutsamer als der Radverkehr.
Der großangelegte Austausch der KVB-Bahnen soll dazu führen, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wieder zu erhöhen, die in den vergangenen Jahren massiv gelitten hat. War es zunächst vor allem fehlendes Fahrpersonal, ist es jetzt vor allem die betagte Fahrzeugflotte, die für Ausfälle und einen ausgedünnten Fahrplan sorgt.
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Eine Alternative zum Kauf neuer Bahnen gibt es nicht, denn die aus insgesamt 290 Bahnen bestehende Flotte ist in die Jahre gekommen, viele Bahnen fahren förmlich auf der letzten Rille und sind deshalb oft zur Reparatur in der Werkstatt. Die Niederflurfahrzeuge der 4500er-Serie, die über einen besonders niedrigen Einstieg verfügen, sind zudem sogenannte „Low-Cost-Fahrzeuge“ mit einer begrenzten Lebensdauer von 25 Jahren. Die KVB hat sie zwischen 2005 und 2007 in Betrieb genommen, ihre Lebenszeit endet also ab dem Jahr 2030.
Eine Sanierung der Stadtbahnwagen wäre laut der KVB aufgrund der aktuellen Erfahrungen aus der Sanierung der 4000er-Serie weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll. „So würde die Ertüchtigung für einen weiteren Einsatz über weitere fünf Jahre nach heutigem Kenntnisstand Investitionskosten von mindestens 1,2 Millionen Euro pro Fahrzeug erfordern“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. Bei 69 Bahnen wären das rund 83 Millionen Euro.
Dass die KVB Bahnen der 400oer Serie überhaupt sanieren muss, hängt damit zusammen, dass der Hersteller die als Ersatz bestellten neuen Bahnen nicht rechtzeitig ausgeliefert hat, weil es bei der Produktion zu Fehlern gekommen ist. Die ersten Züge sollten eigentlich bereits in diesem Frühjahr in Köln unterwegs sein. Dem Vernehmen nach wird die KVB dafür einen Schadenersatz verlangen, so dass die Bahnen am Ende zumindest weniger Geld kosten werden. Der Hersteller hatte wohl unter anderem Schwierigkeiten damit, dass die neuen Bahnen 60 Meter lang sind. Üblich ist eine Länge von 30 Metern.

KVB-Chefin Stefanie Haaks mit einem 1:1-Modells der neuen Generation von Niederflur-Stadtbahnen im Straßenbahn-Museum Thielenbruch
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Die KVB wird bei der aktuellen Neubestellung deshalb wieder auf 30-Meter-Bahnen setzen. In diesem Bereich gibt es vergleichsweise viele Hersteller, die an einer Ausschreibung teilnehmen könnten. „Das höhere Beschaffungsrisiko bei Langzügen ergibt sich aus der fehlenden Serienreife für Niederflurlangzüge, wie sich im aktuell verzögerten Beschaffungsverfahren zeigt“, teilt die KVB in der Beschlussvorlage mit. So seien insbesondere die Kurzkupplungen aufgrund des begrenzten Raums eine konstruktive Herausforderung, für die es noch keine Standardlösungen der Hersteller gebe.
Kölner Stadtrat tagt am 5. Februar
Der Stadtrat soll am 5. Februar aus Kostengründen allerdings zunächst lediglich dem Kauf von 33 neuen Niederflurbahnen zustimmen, obwohl 69 zu ersetzen sind. Über den Umfang des Ersatzes für die übrigen 36 Stadtbahnwagen der 4500er-Serie soll die Politik erst nach Abschluss des Ergebnissicherungsprozesses der Stadtwerke entscheiden. Mit dem Hersteller, der die Ausschreibung gewinnt, soll außerdem eine Option für weitere 44 Stadtbahnwagen vereinbart werden, um das KVB-Netz auszubauen. Ob diese Option dann später auch tatsächlich genutzt wird, muss der Rat noch einmal gesondert entscheiden.
Da die KVB erwartet, aufgrund der vielen Neuanschaffungen bis zum Jahr 2040 fast laufend neue Bahnen in Betrieb zu nehmen, will das Unternehmen auf dem Gelände der bestehenden Hauptwerkstatt der KVB in Weidenpesch für neun Millionen Euro eine Inbetriebhalle bauen. So soll verhindert werden, dass die Werkstatt überlastet wird und defekte Bahnen nicht repariert werden können. „Durch die inzwischen sehr hohe technische Komplexität der Stadtbahnwagen erfordern die Service- und Garantiearbeiten im Zusammenhang mit der Abnahme den Einsatz unterschiedlicher Dienstleister in erheblichem Umfang“, so die KVB.
Der Zeitplan sieht aktuell vor, dass die KVB den Auftrag im dritten Quartal 2027 vergeben will. Ab dem dritten Quartal 2030 sollen in einem einjährigen Vorserienbetrieb zwei Züge getestet werden. Die Auslieferung der Serienfahrzeuge ist ab dem ersten Quartal 2031 geplant.

