Statt Abbruch und Neubau will Rolex seine Zentrale am Hauptbahnhof sanieren. Ob das Unternehmen das Gebäude später wieder nutzt, ist unklar.
Weltbekannter LuxusuhrenherstellerRolex gibt seine Neubau-Pläne am Kölner Hauptbahnhof auf

Das schwarze Gebäude ist das Rolex-Haus. Rechts daneben die katholische Kirche St. Mariä Himmelfahrt.
Copyright: Matthias Hendorf
Der deutsche Ableger des Schweizer Luxusuhrenherstellers Rolex gibt den geplanten Abbruch und Neubau seiner Deutschland-Zentrale am Kölner Hauptbahnhof auf. Laut einer Rolex-Sprecherin prüft das Unternehmen „nun weitere Optionen für die vollständige Sanierung des Gebäudes und alternative Nutzungsmöglichkeiten“.
Was mit alternativen Nutzungsmöglichkeiten für das Gebäude von 1976 konkret gemeint ist, blieb offen, weil Rolex Nachfragen dazu nicht beantworten wollte. Laut der Sprecherin plant das Unternehmen „ab Mitte Mai einen schrittweisen Umzug nach Deutz“, und zwar in das Büroviertel Messe-City.
Es geht um Uhrmacherwerkstätten und Büro-Arbeitsplätze.In den Aussagen der Sprecherin ist keine Rede davon, dass der neue Standort nur eine Übergangslösung sein soll. Das lässt die Frage offen, ob Rolex überhaupt wieder zurück an die Domprobst-Ketzer-Straße auf der Westseite des Hauptbahnhofs zieht. Vielen Nutzern des Hauptbahnhofs ist es aufgrund des markanten Aussehens ein Begriff.
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Der Blick von der Rückseite auf das Rolex-Haus.
Copyright: Uwe Weiser
Das nicht denkmalgeschützte Haus stammt vom 2022 verstorbenen Architekten Joachim Schürmann, Rolex nutzt es seit 1983 unter anderem für seine Werkstätten. Der gut sichtbare große goldene Rolex-Schriftzug an der Fassade ist vor Jahren entfernt worden. Rolex hat seit 1956 seine Zentrale in Köln.
Finanzen spielen eine wichtige Rolle
Als Begründung für das Neubau-Aus gab Rolex unter anderem die Finanzen an, die Sprecherin teilte mit: „Für uns stellt die Sanierung – sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht – die nachhaltigere Alternative zum Abriss und Neubau dar.“ Zur vorgesehenen Investitionssumme und den Terminen für das Bauvorhaben hatte das Unternehmen sich nicht geäußert und tut es auch jetzt nicht.
Ein wichtiger Grund gegen den Abriss ist laut Sprecherin das Engagement von Rolex für nachhaltiges Handeln. Es handelt sich um eine bemerkenswerte Aussage, weil das Unternehmen erst vor einem guten halben Jahr mit dem fast ähnlich lautenden Argument noch pro Abbruch und Neubau argumentiert hatte.

Das Rolex-Haus.
Copyright: Uwe Weiser
Trotz der ungeklärten Zukunft des Gebäudes und seiner Nutzung bekennt sich das Unternehmen laut eigener Aussage zum Standort Köln, die Sprecherin teilte mit: „Rolex Deutschland bleibt der Stadt Köln, unserer Heimat seit über 70 Jahren, weiterhin treu.“
Damit ist das nächste größere Neubauprojekt in Köln gestoppt: Zuletzt hatten der Versicherer DEVK und der Vermögensverwalter Flossbach von Storch unter anderem aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Weltlage ihre jeweiligen Hochhaus-Projekte abgesagt. Ein Problem war es, in diesen Zeiten hunderte Millionen Euro zu investieren.
Architektenentwurf hatte für Kritik gesorgt
Beteiligte des Verfahrens äußerten hinter vorgehaltener Hand ihre Überraschung über den Schritt von Rolex. Denn das Unternehmen hatte im vergangenen Juli schon seinen Architektenentwurf für das neue Gebäude im städtischen Gestaltungsbeirat vorgestellt – und einige kritische Stimmen dazu gehört. Ein Beteiligter sagte damals hinter vorgehaltener Hand: „Das ist alles brisant.“
Dabei hatten die Düsseldorfer Architekten von RKW die Pläne zuvor schon mehrfach geändert, die bevorzugte Variante trug dementsprechend den Namen „V06“.
Kirche als direkter Nachbar
Der Entwurf sah laut einer Präsentation von Rolex einen breiten Sockel vor, darauf setzten fünf Geschosse auf, die nach oben schmaler wurden. So wirkte es wie eine Treppe, die Fassade bestand aus viel Glas. Der Gestaltungsbeirat hatte sich eine Nachbearbeitung gewünscht.
Die Bilder hatte Rolex auf Nachfrage aber nicht für die Berichterstattung freigegeben. In der Präsentation war die Rede von einer „Neupositionierung des Rolex-Hauses in Köln“.
Der Bestandsbau steht direkt neben der katholischen Kirche St. Mariä Himmelfahrt, in dem Papier zum Projekt hieß es wie berichtet: „Die mächtige Präsenz des Bestandsgebäudes im Stadtraum und vor allem in Bezug auf St. Mariä Himmelfahrt soll durch die Reduzierung der Bestandshöhe und des Gebäudevolumens gemildert werden.“
Doch Rolex listete viele Schwächen des Hauses auf, unter anderem die „unanständige Nähe zur Kirche“, den „maroden und ungepflegten Eindruck“ sowie die „verwaisten und nutzlosen Galerien“.
Das Erzbistum Köln als direkter Nachbar teilte mit, dass es zur neuen Entwicklung keine offizielle Stellungnahme abgeben wolle. Der Sohn des Architekten Joachim Schürmann, Peter Schürmann, zeigte sich auf Nachfrage über das Aus für den Abbruch erfreut: „Diese Entwicklung finde ich prima.“ Im Sommer hatte er sich gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ wie berichtet verwundert über die Abbruch-Pläne gezeigt und gesagt: „Davon bin ich überrascht und das irritiert mich.“

