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Hilfe für SchuldnerAnlaufstelle in Köln-Deutz muss Stellen einsparen

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Eine Frau sitzt hinter einem Schreibtisch einem Mann gegenüber. Beide machen sich Notizen.

Oft suchen die Betroffenen zu spät ihren Rat: Franziska Matschke würde lieber verstärkt präventiv arbeiten.

Die Stadt Köln spart. Auch an der Unterstützung von Beratungsangeboten für überschuldete Mitbürger. Und davon gibt es immer mehr, so die Expertin der Schuldnerhilfe Köln.

Von „Überschuldung“ spricht man, wenn das Einkommen dauerhaft zu gering ist, um die Lebenshaltungskosten und gleichzeitig die Zinsen für bereits bestehende Schulden zu begleichen. Als überschuldet gelten 9,8 Prozent der Kölner über 18, rund 85.000 Menschen. Köln liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 8,4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung, eine Besserung ist nicht in Sicht: „Die Nachfrage nach einer Beratung ist konstant sehr, sehr hoch“, berichtet Franziska Matschke, Geschäftsführerin der Schuldnerhilfe Köln.

Seit dem vergangenen Jahr ist es allerdings schwerer geworden, dieser Nachfrage gerecht zu werden. Denn die Einsparmaßnahmen im städtischen Haushalt betrafen auch die Schuldnerhilfe Köln, eine von stadtweit zehn gemeinnützigen Anlaufstellen für Menschen, die in eine finanzielle Schieflage geraten sind. 2025 kürzte die Stadt als Hauptgeldgeber - eine deutlich kleinere Summe kommt vom Land - ihre Unterstützung um einen sechsstelligen Betrag. „Frei werdende Stellen können wir nicht mehr vollständig nachbesetzen“, sagt Matschke. Neben zwei Ehrenamtlern und einer Honorarkraft sind derzeit 13 fest angestellte Mitarbeiter in den Räumen am Gotenring 1 tätig, es waren einmal über 20.

Schicksalsschläge können in die Schuldenfalle führen

Dabei ist mit einer Entspannung der Lage kaum zu rechnen. Denn die konjunkturelle Großwetterlage ist eher trüb, und plötzliche Arbeitslosigkeit oder andere Auslöser für Einkommenseinbrüche wie eine Langzeiterkrankung oder der Renteneintritt sind Hauptursachen für eine hohe Verschuldung: „Dann können plötzlich zum Beispiel die Kreditraten nicht mehr gezahlt werden“, beschreibt Franziska Matschke ein häufig auftretendes Problem. Oder die Betroffenen versuchen, den einmal erreichten Lebensstandard trotz der nunmehr beschränkten finanziellen Mittel zu halten, was nicht funktionieren kann. „Alle sozialen Schichten sind von solchen Schicksalsschlägen betroffen“, so Matschke.

Hinzugekommen sind in den vergangenen Jahren die Verlockungen des Internets. Die „Kauf jetzt, bezahl später“-Angebote von Dienstleistern wie Pay Pal oder Klarna etwa lässt so manchen Kunden den Überblick über noch ausstehende Zahlungen verlieren. Das überfordere nicht zuletzt junge Leute. Um solche Probleme zu vermeiden und generell finanzielle Grundkenntnisse zu vermitteln, geht die Schuldnerhilfe auch an Schulen, etwa zehn bis 15 Veranstaltungen sind es pro Jahr. Früher waren es mehr, und Prävention hat für Franziska Matschke weiterhin einen ganz hohen Stellenwert. „Die meisten kommen leider zu uns, wenn es schon zu spät ist.“ Willkommen seien aber auch Leute, die „nur“ ein paar Hundert Miese auf dem Girokonto haben oder sogar komplett schuldenfrei sind und eine „Budgetberatung“ wünschen.

Das Verfahren der Privatinsolvenz ist oft Thema in der Beratung

Doch schon die herkömmliche Beratungstätigkeit ist anspruchsvoll und zeitintensiv. Da geht es um mögliche Vergleiche mit Gläubigern, um Verfahren zur Privatinsolvenz, um den Schutz des Existenzminimums vor der Pfändung. „Außerdem haben die meisten Menschen in dieser Situation noch andere Schwierigkeiten, Depressionen zum Beispiel, Wohnungslosigkeit, familiäre Probleme, Spielsucht“, erzählt Matschke. „Oft müssen sie sich erst einmal sortieren, die nötigen Unterlagen beschaffen. Manchmal tauchen sie ab und melden sich erst nach Monaten wieder.“ Meist müssten für die Bearbeitung eines Falles mehrere Termine angesetzt werden, das könne sich über ein Jahr hinziehen, manchmal länger. Etwa 1650 Menschen habe die Schuldnerhilfe Köln im vergangenen Jahr betreut und rund 3700 Erstberatungen durchgeführt.

Einige dieser Beratungen werden als niederschwelliges Angebot telefonisch oder online – echte Menschen, keine KI – durchgeführt. Doch in etwa 80 Prozent der Fälle sei eine persönliche Beratung am Gotenring notwendig. „Aber auf einen Ersttermin muss man derzeit bis zu sechs Wochen warten“, so Matschke. Schuld sei der Personalmangel.

Statt weiterer Einsparungen wäre also eher eine Erhöhung der Zuwendungen sinnvoll, das meint auch Norbert Küsgen vom Vorstand der Stiftung Hilfe für Schuldner. Die wurde 2018 gegründet, um die Schuldnerberatung zu fördern - etwa durch die Akquise von Spendengeldern. Doch das sei schwierig, erklärt Küsgen: „Wenn man Geld für Kinder in Not oder den Tierschutz sammelt, versteht das jeder. Aber wenn es um überschuldete Menschen geht, heißt es gleich: ,Das sind die doch selbst schuld‘“. Heinrich Plaßmann, ebenfalls Mitglied des vierköpfigen Vorstands, hofft auch auf andere Formen der Unterstützung: „Wir suchen gegenwärtig Menschen, die bei uns mitmachen, im Kuratorium der Stiftung etwa. Ein paar Jüngere könnten wir auch gut gebrauchen.“ 

https://schuldnerhilfe-koeln.de

https://stiftung-hilfe-für-schuldner.de