Die Initiative „Grüner Park Deutz“ hat 3700 Unterschriften gegen das Bauvorhaben gesammelt. Auch die Bezirksvertretng lehnt es weiter ab.
Büro- und HotelkomplexWiderstand gegen Großbauprojekt an der Severinsbrücke ungebrochen

Die Initiative „Grüner Park Deutz“ hat 3700 Unterschriften gegen das Bauvorhaben an der Helenenwallstraße gesammelt.
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Der Widerstand gegen das Vorhaben, in der Helenenwallstraße nördlich der Deutzer Auffahrt zur Severinsbrücke einen bis zu 45 Meter hohen Büro- und Hotelkomplex zu errichten, reißt nicht ab. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Innenstadt, die das Projekt mehrheitlich ablehnt, übergaben Vertreter und Vertreterinnen der Initiative „Grüner Park Deutz“ Bezirksbürgermeisterin Julie Cazier eine Liste mit Unterschriften gegen die geplante Bebauung. 3700 Menschen unterstützten bis dahin die Petition. Sie machen geltend, „ein großer Teil“ der Anwohner und Anwohnerinnen in Deutz lehne das Projekt ab.
„Gerade in Zeiten des Klimawandels brauchen wir mehr statt weniger Grün“, ist in der Bittschrift zu lesen. „Die Fläche trägt zur Kühlung des Stadtteils bei, speichert Regenwasser, schützt die Artenvielfalt und dient den Menschen als wichtiger Erholungsraum. Eine Bebauung würde die Hitze im Viertel verstärken, die Lebensqualität verschlechtern und den Klimaschutzzielen der Stadt widersprechen.“ Weiter ist zu lesen: „Eine nachhaltige Stadtentwicklung muss heute andere Prioritäten setzen: Erhalt statt Zerstörung, Entsiegelung statt Neuversiegelung, Natur statt weiterer Betonflächen.“ An die Stadt richtet sich der Appell, „Verantwortung für kommende Generationen zu übernehmen und ein deutliches Zeichen für Klimaschutz, ökologische Nachhaltigkeit und lebenswerte Stadtquartiere zu setzen.“
Bezirksvertretung lehnte Bebauungsplan in Deutz ab
Im Mai dieses Jahres hatte die BV mit großer Mehrheit den Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, die Aufstellung des Bebauungsplans zu beschließen mit dem Ziel, eine gewerbliche Nutzung des Areals und damit den Bau des Hotel- und Bürokomplexes zu ermöglichen. Stattdessen beauftragte das Gremium mit einem von Grünen, Linken, SPD und Volt eingebrachten Änderungsantrag die Verwaltung, die Alternative zu prüfen, auf dem Gelände Wohnraum zu schaffen.
Das Bebauungsplanverfahren solle gestoppt und die fast vollständig in städtischem Eigentum befindliche Fläche dauerhaft für sozial gebundenen Wohnungsbau entwickelt werden. Von einem Erhalt der Grünfläche ist anders als in der Petition nicht die Rede. „Köln hat ein Wohnungsproblem – kein Bürobauproblem“, heißt es in der Begründung des Antrags, der gegen die Stimmen von zwei Christdemokraten und der AfD bei Enthaltung der FDP verabschiedet wurde.
Bindend ist der Beschluss nicht. Vielmehr kommt es darauf an, wie der Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates entscheidet. Der Ausschuss hat das Thema bisher vertagt und will sich – nach einem Fachgespräch – am 1. Oktober damit befassen.
Bezirksvertretung für Erbbaurecht statt Verkauf
Schon vor etlichen Jahren war eine Bebauung mit Wohnungen an der Helenenwallstraße vorgesehen, doch der damalige Investor zog sich zurück. Von 2020 bis 2022 prüfte die Verwaltung dann, ob sich das Areal überhaupt für eine Wohnbebauung eignet. Vor allem wegen des Lärms, der von der Severinsbrücke ausgeht, kam man von dieser Möglichkeit ab.
Nach einem Beschluss des Liegenschaftsausschusses im Mai 2023 stellte die Stadt dem Unternehmen Dumrese Real Estate als neuem Investor das Grundstück für seine Planung zur Verfügung. Er will es später von ihr kaufen. Die BV plädiert in ihrem im Mai gefassten Beschluss hingegen dafür, das weit überwiegend städtische Grundstück nicht zu verkaufen, sondern nach Erbbaurecht für 80 Jahre zu vergeben. Dies habe den Vorteil, dass die Mieten der – noch zu bauenden – Wohnungen nach Auslaufen der Sozialbindung an die Richtlinien zur öffentlichen Wohnraumförderung des Landes NRW gebunden werden müssten. Nach dem Beschluss der BV ließ die Stadt erneut untersuchen, ob sich das Gelände für die Bebauung mit Wohnungen eignet. Unter anderem wegen des Lärms und fehlender Sonnenstunden fiel das Ergebnis negativ aus. Für ein Hotel gelten andere Vorgaben.
Investor Dumrese verweist unter anderem darauf, dass moderne Büroflächen in der Nähe der Innenstadt knapp seien. Zudem könne keine Rede davon sein, dass ein „Park“ überbaut werden solle. Vielmehr handle es sich um einen „schwierigen Stadtraum“ zwischen Brücke, Auffahrt und Straße. „Wer sich dort auf eine Bank setzt, sitzt im Dauerlärm und in der Abluft des Verkehrs. An einer solchen Stelle plant man keinen Park.“ Für Dach und Fassade des Hochhauses sei eine Begrünung vorgesehen, zudem würden Grünflächen geschaffen. Laut Dumrese sollen in dem Hochhaus zusätzlich zu dem Hotel und den Büros Gastronomie und eventuell ein Jazzclub entstehen; auch eine Tiefgarage für rund 250 Autos sei geplant.
