Aminatou Gninewout hätte ihre Ausbildung nie geschafft, wenn die Alleinerziehende nicht durch Helferinnen kostenfrei unterstützt worden wäre.
Stadt kürzt Sozial-EtatKinderbetreuung für Alleinerziehende droht das Aus

Früher Betreuungspartner, heute gute Freundinnen: Natalia Jorasch von „Zug um Zug“ und die Pflegerin Aminatou Gninewout.
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Aminatou Gninewout ist glücklich – und stolz auf ihr Erreichtes. Im Sommer hat die Kölnerin mit kamerunischen Wurzeln, die seit rund zehn Jahren in Deutschland lebt und dreifache alleinerziehende Mutter ist, ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau erfolgreich beendet. Auch nach ihrem Abschluss will sie sich weiter entwickeln. „Es gibt in der Pflege viele Möglichkeiten, in denen man sich weiterbilden und Karriere machen kann“, so die 40-Jährige, die mit ihren heute 14, zwölf und zehn Jahre alten Kindern in Neubrück lebt und von ihrem Balkon auf das Riehler Colonia-Hochhaus am Horizont schaut – mit seitlichem Blick und etwas Strecken sogar auf den Dom.
Doch die Pflegefachfrau Aminatou Gninewout würde es heute nicht geben, hätte sie nicht die Unterstützung von „Sonne, Mond und Sterne“ des Integrations- und Qualifizierungsvereins „Zug um Zug“ gehabt, einem ehrenamtlichen Kinder-Betreuungsdienst für Randzeiten – ganz früh morgens, spät abends, nachts und am Wochenende. Hierbei springen Ehrenamtskräfte als ergänzende Kinderbetreuung für Alleinerziehende ein, die nicht über ein sonstiges familiäres Netzwerk etwa mit Großeltern, verfügen. Vor ihrem Ausbildungsstart im März 2023 wandte sie sich an das Angebot. „Damals war die Sicherstellung der Kinderbetreuung sogar Voraussetzung, die Ausbildung beginnen zu können.“
„Eine Katastrophe für alle Beteiligten“
Dem seit 2022 bestehenden Service droht jedoch ab dem kommenden Jahr das Aus, da die Stadt ihm im Haushaltsentwurf die Mittel aus der Kommunalen Beschäftigungsförderung für die nächsten beiden Jahre auf Null gesetzt hat. Was heißt das konkret? Wenn die Förderung ab nächstem Jahr eingestellt wird, müssen die begonnenen Ausbildungen abgebrochen werden, da die Betreuung der Kinder in den Randzeiten nicht sichergestellt ist.
„Das wäre eine Katastrophe für alle Beteiligten. Was für ein Zeichen wollen wir in dieser Zeit setzen? Integration ermöglichen oder nicht? Fachkräftemangel lindern oder nicht?“ fragt Bastian Revers, Geschäftsführer der Zug um Zug Beschäftigung und Qualifizierung gGmbH.

Die Betreuung außerhalb von Kitazeiten wird durch das Programm „Sonne, Mond und Sterne“ sichergestellt.
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Derzeit gibt es 18 betreute Familien im Programm, um die sich insgesamt 44 ehrenamtliche Kräfte kümmern; diese erhalten eine Aufwandsentschädigung für ihren Einsatz. Wegen kurzfristiger Anforderungen und wechselnder Einsatzorte sowie -zeiten arbeitet das Team hochflexibel. „Ich weiß immer, was gerade bei meinen Familien los ist. Es sind ein bisschen meine Mütter und meine Kinder“, so Natalia Jorasch, die das Programm koordiniert. „Wenn die Förderung wegfällt, würde das bedeuten, dass ab Januar unsere Familien keine Betreuung mehr bekommen. Dann wäre es vorbei.“
Bei Gninewout, die ihre Ausbildung beim Deutschordens-Wohnstift Konrad Adenauer, nicht weit entfernt von ihr, absolviert hat, kümmerten sich im Laufe der Zeit insgesamt vier unterschiedliche Personen um ihre Kinder. Bedingt durch die seit 2020 generalistische Pflegeausbildung, die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege vereint, war sie zeitweise auch in Lindenthal eingesetzt – im St.-Elisabeth-Krankenhaus Hohenlind sowie dem Uniklinikum, mit denen der Träger eine Ausbildungs-Partnerschaft hat. „Um ab 21 Uhr meine Nachtschicht in Hohenlind zu beginnen, musste ich kurz vor 20 Uhr von hier los“, erinnert sie sich. In diesem Fall übernachtete die Betreuungskraft in der Wohnung.
„Wenn so etwas, das ab 2027 geplant ist, in meiner Zeit passiert wäre, wäre ich verloren gewesen“, betont die Pflegerin. „Ich wäre definitiv nicht da, wo ich jetzt stehe.“ Denn in der Ausbildung gehörten Nachtschichten zwingend dazu. Nun, als fest angestellte Kraft, könne sie Dienstwünsche äußern; zudem sind ihre Kinder nun älter. Die Teilnehmenden, welche hauptsächlich in der Pflege tätig sind, leisteten ohnehin schon überdurchschnittlich viel – Vollzeitausbildung oft im Schichtdienst und Mutter sein, gibt Revers zu bedenken. „Sie leisten einen großen Beitrag für unsere Gesellschaft. Was leistet die Gesellschaft für sie? Das muss nun der Rat der Stadt Köln entscheiden.“
