Anstatt die Situation in Köln zu verbessern – wie es der Oberbürgermeister versprochen hat – ist sie verschlechtert worden, sagt unser Autor.
KonsumraumDie Drogenpolitik der Stadt Köln macht einen Schritt vor und zwei zurück


Ein suchtkranker Mensch liegt in einem Hauseingang an der Thieboldsgasse.
Copyright: Arton Krasniqi
Einen Schritt vor, zwei Schritte zurück – so lässt sich die aktuelle Drogenpolitik der Kölner Stadtverwaltung beschreiben. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hatte das Zurückdrängen der Dealer am Neumarkt nach seiner Wahl im vergangenen Herbst zu seinem Top-Thema erklärt.
Von der Politik anders gewollt
Im August 2027 soll deshalb am Perlengraben in der Innenstadt ein modernes Suchthilfezentrum entstehen, um den dramatischen Auswirkungen der Ausbreitung von Crack etwas entgegenzusetzen. Es soll ohne Unterbrechung geöffnet sein, also sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang.
Denn ein Grund dafür, dass der bisherige Drogenkonsumraum am Neumarkt nicht so gut funktioniert wie gehofft, sind die begrenzten Öffnungszeiten. Das war von der Politik anders gewollt, aber das Gesundheitsamt hat es bis heute nicht geschafft, das notwendige Personal einzustellen.
Als wäre das nicht desaströs genug, hat Sozialdezernent Harald Rau jetzt auch noch eigenmächtig entschieden, dass der Konsumraum noch seltener geöffnet ist, nämlich seit Anfang Juni am Wochenende überhaupt nicht mehr. Ganz so, als ob suchtkranke Menschen samstags und sonntags keine Drogen benötigen würden. Das ist völlig absurd. Stattdessen suchen sie nun wieder verstärkt Zuflucht in Hauseingängen, auf Hinterhöfen und auch direkt auf dem Gehweg.
Anstatt die Situation in Köln zu verbessern – wie es der Oberbürgermeister versprochen hat – ist sie jetzt verschlechtert worden. Es ist folgerichtig, dass die Politik jetzt die Reißleine gezogen hat und von der Stadtverwaltung verlangt, die Änderung zurückzunehmen. Dennoch bleibt angesichts der aktuellen Lage der berechtigte Zweifel, ob es der Stadt gelingen wird, bis zum August 2027 genug Fachpersonal zu finden, um das Suchthilfezentrum am Perlengarben auch wirklich durchgängig zu öffnen.
