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„Leid ist dasselbe“Friedensaktivisten aus Palästina und Israel sprechen in Köln über Zustände im Westjordanland

Die beiden ehemaligen Kämpfer haben sich der Bewegung Combatants for Peace angeschlossen und setzen sich gewaltfrei für den Frieden ein.

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Elie Avidor (l.) und Sayel Jabareen bei der Veranstaltung „Israel & Palästina: Ist Frieden möglich?“ im VHS-Forum in Köln.

Elie Avidor (l.) und Sayel Jabareen bei der Veranstaltung „Israel & Palästina: Ist Frieden möglich?“ im VHS-Forum in Köln.

Bitter war die Klage, die der jüdische Israeli Elie Avidor und der Palästinenser Sayel Jabareen am Mittwochabend im VHS-Forum am Neumarkt vorbrachten. Auf Einladung der Organisationen Pro Peace und Agiamondo sowie der Volkshochschule sprachen die Friedensaktivisten der Bewegung Combatants for Peace vor rund 100 Besuchern und Besucherinnen über die Zustände im Westjordanland.

Palästinensische Bevölkerung leide unter radikalen jüdischen Siedlern

Die palästinensische Bevölkerung leide extrem unter der Gewalt radikaler jüdischer Siedler, die von der israelischen Regierung gedeckt werden, sagten sie und sprachen von „ethnischer Säuberung“. Die meisten Siedler seien nicht gewalttätig, schränkte Avidor ein, „doch wie so oft geben die Extremisten den Ton an“. Die Übersetzung übernahm Thomas Trischler, Fachkraft im zivilen Friedensdienst von Agiamondo.

Die Combatants for Peace wurden vor 20 Jahren von ehemaligen israelischen Soldaten und palästinensischen Kämpfern gegründet. Sie legten die Waffen nieder und beschlossen, sich gemeinsam und gewaltfrei für eine friedliche Zukunft im Nahen Osten einzusetzen. Heute engagierten sich bis zu 200 Personen aktiv bei den Combatants, sagte Avidor. Zu den gemeinsamen Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Konflikts kämen allerdings weit mehr Menschen, an die 15.000 seien es schon gewesen.

„Ich habe früh verstanden, dass Gewalt keine Lösung ist“

Beide Aktivisten sprachen darüber, wie sie zu der Bewegung fanden. Als er 15 war, sei ein palästinensischer Schulfreund von der israelischen Armee erschossen worden, erzählte Jabareen. „Ich hatte einen großen Hass auf die Israelis und die Juden.“ Später, in Jerusalem, habe er sich mit einem jüdischen Israeli angefreundet, der dann bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommen sei. Auch da habe er erlebt, wie groß die Trauer der Eltern war. „Ich habe früh verstanden, dass Gewalt keine Lösung ist und nur noch mehr Terror bringt.“

Avidor, drei Jahre nach der Staatsgründung geboren, sagte, er sei mit der Vorstellung aufgewachsen, „dass Israel ein kleines Land ist, das sich verteidigen muss“. Im Jom-Kippur-Krieg kämpfte er mit, bis er verwundet wurde. 20 Jahre verbrachte er in Nordamerika. Zurück in der Heimat, nahm er an einer Gedenkveranstaltung der Combatants for Peace für die Opfer beider Seiten teil und begriff: „Das Leid ist dasselbe.“ Heute fährt er häufig ins Westjordanland, um palästinensische Bauern auf ihren Feldern mit seiner Präsenz vor Übergriffen zu schützen.

Starker Gegenwind gegen Friedensarbeit aus beiden Lagern

Mauern, Zäune und Checkpoints würden die palästinensischen Gemeinden auseinanderreißen, sagten die Gäste. Siedler würden in Dörfer und Häuser eindringen, Verwüstungen anrichten, Menschen vertreiben. „Wenn die Palästinenser versuchen, sich zu wehren, schießt die Armee auf sie, oder sie landen im Gefängnis“, sagte Jabareen. Zurzeit gehe es ums nackte Überleben. „Ich bin hergekommen, um Hilfe zu schreien.“

„Beide Seiten haben das Recht zu überleben“, sagte Avidor. Israel, an dessen national-religiöser Regierung Kritik zu üben nicht antisemitisch sei, könne sich nicht als freie Gesellschaft und Demokratie betrachten, solange es dreieinhalb Millionen Palästinenser „unter Besatzung hält“. Aus beiden Lagern komme starker Gegenwind gegen die Friedensarbeit. Wer mit der Gegenseite zu tun habe, gelte schnell als „Verräter“, sagte Avidor.

Trotz allem sehen die beiden Männer keine Alternative zu dem, was sie tun. „Wir sind ein Tropfen im Meer“, so Jabareen, „aber wir haben uns für diesen Weg entschieden und gehen ihn bis zum Ende.“ Avidor sagte, er könne sein Leben in Israel nicht genießen im Wissen, was vielen Leuten angetan werde.