Der Kölner Amtsgerichtspräsident spricht über den aktuellen Stand des Bauvorhabens an der Luxemburger Straße.
Kölner Justiz-NeubauUmzug ins Interim – aber auch noch Betrieb im „Geisterhochhaus“

Luxemburger Straße: Links steht das Justizhochhaus, das abgerissen werden soll. Rechts das Interim mit der weißen Fassade.
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Im Kölner Justizgebäude an der Luxemburger Straße werden bald die Umzugskartons gepackt. Der Zeitplan steht, ab Januar 2027 sollen etwa 1300 Beschäftigte das Gebäude verlassen und in ein benachbartes Interim ziehen. Das verkündete Amtsgerichtspräsident Dietmar Dumke im Rahmen eines Jahrespressegesprächs. Die Arbeiten an der Ausweichstätte mit weißer Fassade schreiten sichtbar voran. Ist der Umzug vollzogen, können Abriss und Neubau des Justizzentrums beginnen.
Köln: Umzug ins Interim für Anfang des Jahres 2027 geplant
Bereits seit mehreren Jahren wird der frühere Standort der Kölner Arbeitsagentur von einem Investor ertüchtigt. Für Passanten rund um das Areal ist das nicht zu übersehen. Die Luxemburger Straße ist in dem Abschnitt für Fußgänger gesperrt, es wird tagsüber scheinbar pausenlos gehämmert und gebohrt. „Die Arbeiten sind sehr weit fortgeschritten“, sagt Präsident Dumke. Der Umzugszeitplan war zuletzt immer wieder nach hinten geschoben worden, nun sei man aber sehr optimistisch.
Sollten die Möbelpacker ab Januar anrücken – es soll kaum neues Mobiliar im Interim geben – dann hieße das auch eine Einschränkung für den laufenden Betrieb. Richter werden gebeten, für die Übergangszeit keine Straf- oder Zivilprozesse anzusetzen. Nur wirklich wichtige Verhandlungen sollen dann stattfinden, etwa wenn Angeklagte in Untersuchungshaft sitzen und entsprechende Fristen laufen. Womöglich mehrere Wochen könnten Land- und Amtsgericht dann auf Sparflamme laufen.
Im alten Justizgebäude verbleiben dann zunächst die Sitzungssäle und die Kantine. Ab der fünften Etage wird das Gericht zum Geisterhochhaus ohne jeglichen Betrieb. Damit die Beschäftigten „trockenen Fußes“, so drückte es Dumke aus, zwischen Interim und Bestandsgebäude wechseln können, soll noch eine Brücke gebaut werden. An der Konstruktion werde derzeit noch gefeilt, da aufgrund der Entfernung wahrscheinlich Stützpfeiler am Boden installiert werden müssen.
Köln: Eingangsbereich soll zentrale Sicherheitsschleuse bekommen
Präsident Dumke freut sich auf mehr Besprechungsräume im kernsanierten Interimsstandort und auf eine moderne Technik. Aufzüge, die entweder ausfallen oder auch mal absacken, wie im alten Gebäude, gehören dann der Vergangenheit an. Einziges Manko für die Beschäftigten: Die Einzelbüros sind mit zehn Quadratmetern ungefähr ein Drittel kleiner als im alten Gebäude. Das Büro des Präsidenten wird zwar deutlich größer, „dafür fällt leider der Domblick weg“, sagt Dumke und lacht.

Blick von der Luxemburger Straße: So soll das neue Kölner Justizzentrum angegrenzt an den Park im Inneren Grüngürtel einmal aussehen.
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Im Zuge des Umzugs der Belegschaft soll auch der Eingangsbereich des alten Gebäudes erneuert werden. Bisher können Besucher völlig unkontrolliert das Foyer von Land- und Amtsgericht betreten und werden erst an den Zugängen zu den Sälen durchleuchtet – eine große Sicherheitslücke. Das führte zuletzt zu einer Evakuierung, nachdem ein Mann seinen Koffer im Foyer hatte stehen lassen. Nun soll vor dem Gebäude, am früheren Fahrradstellplatz, eine zentrale Schleuse errichtet werden.
Der nächste Schritt im Projekt Neubau ist die Auslagerung der Kölner Staatsanwaltschaft, die derzeit im hinteren Bereich der Hans-Carl-Nipperdey-Straße angesiedelt ist. Zum Unmut der Ankläger haben die es im zukünftigen Interim weiter zum Gericht – geplant ist ein Umzug nach Zollstock in den Bereich des Südstadions. Das bisherige Gebäude der Staatsanwaltschaft soll in einem ersten Bauabschnitt abgerissen und neu errichtet werden. Später soll dann das Justizhochhaus weichen.
Köln: Fünf Würfelgebäude sollen an den Inneren Grüngürtel angrenzen
Im laufenden Betrieb sollen fünf ineinander verwobene und lichtdurchflutete würfelartige und viel flachere Gebäude errichtet werden. Eine breite Glasfront am Eingang soll für eine offene und transparente Justiz stehen, so wünschte es sich die Jury. Für Bürgernähe soll auch der neue „Platz der Justiz“ sowie ein Parkabschnitt mit Weiher sorgen. Der soll im Inneren Grüngürtel entstehen, wo sich derzeit noch das Autonome Zentrum und das Justizparkhaus befinden – auch hier steht der Abriss bereits fest.

So lichtdurchflutet soll es auf den Gängen des justizzentrums in Zukunft zugehen.
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Die Detailplanung für den Neubau habe bereits begonnen, sagt der Amtsgerichtspräsident. Dazu gehört auch die Kalkulation von benötigten Steckdosen – bisher herrscht Kabelsalat in vielen Sälen durch provisorische Mehrfachsteckdosen. Viel wichtiger sei aber: „Im Neubau brauchen wir 50 Prozent mehr an Saalkapazitäten“, sagt Dumke. Der Altbau platze aus allen Nähten. Um Kapazitäten zu schaffen, mietet das Land derzeit teuer eine Leichtbauhalle mit vier zusätzlichen Sälen an.
Köln: Fertigstellung nicht vor „Ende der 30er Jahre“
Bleibt nur noch die Frage nach dem Datum der Fertigstellung. Wirklich seriös könne er das nicht beantworten, sagt Dumke. Dass sich der Amtsgerichtspräsident hier zurückhält, ist verständlich. Vollmundig hatte der frühere NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) bei einer ersten Neubau-Ankündigung vor sechseinhalb Jahren zusammen mit der damaligen Oberbürgermeisterin Henriette Reker Pläne präsentiert und eine mögliche Fertigstellung für das Jahr 2028 in Aussicht gestellt.
Davon ist natürlich schon lange keine Rede mehr. Nach jetzigem Stand soll frühestens 2034 überhaupt erst mit dem Abriss des Hochhauses an der Luxemburger Straße begonnen werden. Da schrittweise gebaut wird, könnten da aber immerhin bereits erste Gebäudeteile stehen. Anvisiert sei derzeit eine komplette Fertigstellung „Ende der 30er Jahre“, sagt Dumke vorsichtig – wohlwissend, wie schnell sich Neubau- und Sanierungsprojekte in Köln doch immer wieder verzögern können.

