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„Komme auf zwei Euro am Tag“Kölner Kirche hilft Obdachlosen in der Corona-Krise

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Eine warme Mahlzeit am Tag: Der Kölner Erzbischof Rainer Woelki verteilt in der Corona-Krise Essen an Obdachlose.

Köln – Für Josef (54) ist heute so was von Sonntag. „So eine warme Mahlzeit, das ist der Hammer.“ Der obdachlose Kölner steht vor dem Priesterseminar des Erzbistums in der Schlange. Mit grüner Farbe sind auf den Boden die Abstandslinien aufgesprüht, an die sich alle halten. Drinnen duftet es nach Kartoffelauflauf mit Gemüse und Bolognesesauce.

Gekocht in der Küche des Generalvikariats. Das Erzbistum hat die Tore des Priesterseminars geöffnet, um hier jetzt für die Zeit der Coronakrise jeden Tag eine warme Mahlzeit an die Kölner Obdachlosen auszugeben. Heute am Premierentag steht Kardinal Rainer Woelki höchstpersönlich hinter dem Tresen und verteilt die dampfenden Teller.

Situation für Obdachlose „massiv verschärft“

„Die Situation der Obdachlosen, die auf der Platte leben, hat sich massiv verschärft“, begründete Kardinal Woelki die Initiative. Die Tafeln sind geschlossen, wichtige Anlaufstationen wie die Überlebensstation Gulliver am Bahnhof, das Arbeitslosenrestaurant Lore und der Vringstreff in der Südstadt sind zu. Menschen haben Hunger und sie haben keinen Ort zum Duschen. Viele ernähren sich nur noch von Butterbroten und Büchsennahrung.

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Angesichts leerer Fußgängerzonen ist es nicht nur sehr schwieriger geworden, ein paar Euro zu erbetteln. „Ich sammele normalerweise Leergut und komme auf acht Euro“, erzählt Josef. Seit Corona seien es wenn es hoch kommt „zwei Euro am Tag, für die ich den ganzen Tag unterwegs bin.“ Manchmal streifen 50 Flaschensammler über die Domplatte, die um die wenigen Flaschen konkurrieren.

Kardinal Woelki betont Solidarität und Nächstenliebe

Viele - vor allem junge - freiwillige helfende Hände sind an dem Angebot im Priesterseminar beteiligt: Jugendliche vom Jugendpastoralen Zentrum, Theologiestudenten aus Köln und Bonn und die Malteser.

Kardinal Woelki betonte zum Auftakt, dass Kirche in diesen schwierigen Zeiten nicht nur die Gottesdienst feiernde Gemeinde, sondern vor allem auch die diakonische Gemeinde sei. „Die Herrlichkeit Gottes ist der lebendige Mensch.“ Darum seien solche Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe so wichtig.

Duschen des Priesterseminars für Obdachlose geöffnet

Dabei werden die Sicherheitsvorkehrungen genau vorgegeben: Alle Mitarbeiter tragen Mundschutz. Wer zum Essen kommt, muss sich die Hände waschen und desinfizieren. Die mit Stiefmütterchen dekorierten Einzeltische sind zwei Meter entfernt voneinander aufgestellt. Auch wenn nur 20 gleichzeitig verpflegt werden können, gilt: Egal wie viele kommen werden, es sei genug für alle da, betonen die Organisatoren.

Außerdem werden die Duschen des Priesterseminars für Obdachlose geöffnet. Jeweils samstags von 11 bis 13 Uhr für Männer und von 13 bis 14 Uhr für Frauen. Handtücher, Seite und frische Wechselwäsche gibt es dazu. „Egal was kommt: so lange es solche Leute in Köln gibt, wird die Welt nicht untergehen“, meint Josef satt und gut gelaunt.

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