Im Wohnheim an der Kerpener Straße gibt es warmes Wasser zum Duschen derzeit nur extern – in Containern am Gebäude. Aber: Es gibt einen Hoffnungsschimmer.
„Beschädigte Wasserleitung“Uniklinik-Azubis duschen seit Monaten im Container
Wenn Leon Paul (Name von der Redaktion geändert) duschen geht, fühlt er sich, als verbringe er ein Wochenende auf einem Festival oder dem Campingplatz – nur ohne Musik und Urlaubsgefühl. Er packt dann Duschgel, Shampoo, Badeschlappen und Wechselkleidung in einen Beutel, verlässt das Wohnheim der Uniklinik an der Kerpener Straße durch eine Glastür, geht ein paar Steinstufen hinunter, läuft ein Stückchen über Gummimatten – und betritt einen Duschcontainer. Dass er überhaupt in einen Container zum Duschen muss, ist die schlechte Nachricht. Die gute, wenn man so will: Das Wasser dort ist warm. Das ist in der Dusche, die zu Pauls Zimmer gehört, schon seit November 2025 nicht mehr zuverlässig der Fall.
Erst fiel das Warmwasser aus – dann kamen die Container
Paul ist Auszubildender an der Uniklinik. Seinen echten Namen möchte er in der Zeitung nicht lesen, er hat noch ein Stückchen seiner Ausbildungszeit vor sich und Sorge, dass ihm das negativ ausgelegt wird. „Angefangen hat alles im November, da ist immer mal wieder das Warmwasser in der Dusche ausgefallen“, erzählt der Azubi. Im Dezember gibt es dann nur noch kaltes Wasser, und irgendwann hängt ein Zettel im Eingangsbereich des Wohnheims. Darauf steht, so Paul, dass Duschcontainer aufgebaut werden sollen, weil die Warmwasserleitungen im Haus stark beschädigt seien.

Blick ins Innere der Duschcontainer für die Kölner Uniklinik-Azubis.
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Am 30. Dezember werden dann die Ersatz-Duschen aufgestellt. Jeder der vier Container, rechts zwei für Männer, links zwei für Frauen, beinhaltet fünf Duschen und Waschbecken samt Spiegeln darüber. Nach vorn zum Gang begrenzen weiße Vorhänge die Kabine, zu den Seiten trennen Wände die einzelnen Duschen. Auf dem Boden steht bei unserem Besuch das Wasser, nicht hoch, aber wahrnehmbar. Es riecht feucht, leicht muffig. „Das ist immer so“, sagt Leon Paul.
Uniklinik-Azubis zahlen 180 Euro Miete für ein Wohnheimzimmer
In dem Wohnheim an der Kerpener Straße gibt es knapp 90 Wohnplätze. Aktuell, so die Uniklinik, sind noch 49 Zimmer in dem Gebäude von 1962 vermietet. Hier leben Auszubildende in Gesundheitsfachberufen, die Mehrzahl arbeitet in der Pflege. Für ein Zimmer zahlen Azubis 180 Euro Miete, sie wird direkt vom Gehalt einbehalten.

Das Wohnheim für Auszubildende der Uniklinik Köln liegt direkt gegenüber der Klinik.
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Fast vier Monate lang ist die Dusch-Umgebung extrem schlicht: „Bis vor einigen Wochen war der Weg zu den Duschcontainern nicht überdacht, Seitenwände gab es auch nicht, und der Boden war einfach Schotter. Auf dem kurzen Stück war man also komplett dem Wetter ausgesetzt“, sagt Paul. „Und das ist im Winter und bei Regen ungemütlich.“ Hinzu kommt: Paul arbeitet wie seine Kolleginnen und Kollegen im Schichtdienst, muss oftmals ganz früh aus dem Haus, kommt häufig erst spät abends oder nachts zurück, duscht also teils zu exotischeren Uhrzeiten.
Anfang Mai baut die Uniklinik ein neues Schließsystem in die Container ein, jeder Bewohner und jede Bewohnerin sollte einen passenden Transponder bekommen. Denn: Man habe die Container lange gar nicht abschließen können, sagt Leon Paul, der langsam verzweifelt: „Das kann doch so kein Dauerzustand sein.“

Bis vor wenigen Wochen gab es in dem Container-Bereich keine Decke und keine Seiten-Absperrung.
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Kurz darauf veröffentlicht der Kölner Kriminalbiologe Mark Benecke Fotos der Duschcontainer und der Gesamtsituation auf Instagram, zusammen mit einem kleinen Text, der die Lage aus Sicht eines Azubis beschreibt. Die Uniklinik kommentiert, man bedaure die aktuelle Situation und könne den Frust der Bewohnerinnen und Bewohner gut verstehen. Die Duschcontainer seien leider eine „notwendige Übergangslösung, da eine Instandsetzung der stark beschädigten Warmwasserleitung mit unverhältnismäßig hohen Kosten verbunden wäre“.
„Kein ausreichender Wasserdurchfluss“
„Bei den vorhandenen Leitungen ist kein ausreichender Wasserdurchfluss mehr möglich“, sagt ein Sprecher der Uniklinik unserer Redaktion auf die Frage zum Zustand der Leitungen. Wie lange diese Übergangslösung dauern würde, war der Uniklinik bei Aufstellen der Container nicht klar, so der Sprecher. Der Grund: „Die Sanierungsmöglichkeiten waren noch nicht bewertet. Das Ziel war es, die Duschversorgung kurzfristig zu sichern und gleichzeitig die Möglichkeiten für das weitere Vorgehen zu ermitteln.“
Doch was geschieht nun also, da die Instandsetzung der Leitungen wie beschrieben „unverhältnismäßig hohe Kosten“ produzieren würde? Die Uniklinik sagt, das Gebäude sei am Ende seines technischen Lebenszyklusses. „Eine vollständige Instandsetzung ist daher nicht nachhaltig. Aktuell entsteht deshalb ein Neubau an anderer Stelle.“ An der Bitburger Straße wird derzeit ein neues Wohnheim für Auszubildende in Gesundheitsfachberufen mit insgesamt 199 Wohneinheiten gebaut, präzisiert der Sprecher.
Uniklinik reagiert: Miete wurde gemindert
Hoffte man im November 2024 (wir berichteten) noch auf eine Fertigstellung des neuen Wohnheims im August 2026, spricht die Uniklinik jetzt von Anfang 2028. „Für diejenigen Bewohner, die zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Neubaus weiterhin im laufenden Nutzungsvertrag während der Ausbildung sein werden, wird natürlich auch die Möglichkeit des Umzugs geprüft werden.“ Heißt: Bewohner der Kerpener Straße duschen bis 2028 nicht im Bad, das zum eigenen Zimmer gehört.
Trostpflaster eins kam mit den Containern: Die Uniklinik hat sofort die Miete gemindert. „Uns ist bewusst, dass dies die Einschränkungen im Alltag nicht vollständig auffängt“, so die Uniklinik auf Instagram. Leon Paul und die anderen Auszubildenden zahlen seither 20 Prozent weniger Miete. Darüber wurden sie über ihre Gehaltsabrechnung informiert. Eine Minderung, deren Höhe aus Sicht von Hans Jörg Depel vom Mieterverein Köln absolut im Rahmen ist: In Anbetracht der Tatsache, dass es Ersatzmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe gebe, die direkt nutzbar seien, passten 20 Prozent von der Gesamtmiete zur Rechtsprechung.
Das zweite Trostpflaster stellte die Uniklinik jüngst in Aussicht: „Für die Übergangsphase, bis die Bitburger Straße fertiggestellt ist, wird schnellstmöglich eine Lösung mit zentralen, etagenbezogenen Duschen innerhalb des Gebäudes geschaffen.“ Für Leon Paul ein Rätsel: „Wie sollen Duschen auf den Etagen realisiert werden, wenn eine Reparatur des Warmwassers nicht möglich ist?“
Bislang, so erzählt der Azubi, ist auf den Fluren noch nichts passiert.
