Bereits viele Wochen vor der Adventszeit haben Krippenbauer liebevoll Figuren und Zubehör für verschiedene Krippen-Szenen im Kirchenraum aufgestellt. Vier von insgesamt elf Bildern der Krippe, die von der Künstlerin Johanna Lamers-Vordermayer für die Gemeinde kreiert wurde, sind nun dort zu sehen, darunter Maria mit Josef, der Jesus auf dem Arm hält. Denn bereits im Oktober gibt es hier etwas zu feiern: St. Bruno wird 100 Jahre alt.
Die Kirche wurde damals gebaut, weil das 1908 errichtete Kirchengebäude der Pfarrei St. Nikolaus an der Berrenrather Straße aus allen Nähten platzte. Die Gemeinde zählte 24.000 Mitglieder. Bei den Messen am Wochenende fanden viele keinen Platz. Pfarrer Karl Schwippert initiierte daher den Bau einer Filialkirche, die zwischen 1924 und 1926 nach Plänen des Mainzer Dombaumeisters Ludwig Becker erbaut und am 10. Oktober 1926 feierlich eingeweiht wurde.
Marmorskulpturen zieren den Kirchenvorplatz
Seitdem ragt ihr Turm am Klettenberggürtel in die Höhe und prägt das Bild der Straße, genauso wie ihr Kirchenvorplatz: Die Eingangsseite der Kirche fügt sich in die Wohnbebauung ein, liegt allerdings leicht erhöht. Die Fassade springt gleichzeitig etwas zurück, so dass ein kleines Plateau entsteht, das zwei Marmorskulpturen von Elmar Hillebrand flankieren. Sie stellen Jakobs Kampf mit einem Engel und Jesus als den guten Hirten dar und sind bis heute Hingucker am Klettenberggürtel.

Die Kirche St. Bruno am Klettenberggürtel wird 100.
Copyright: Susanne Esch
Die große neue Kirche wurde allerdings bald ebenfalls zu klein, denn die Gemeinde wuchs weiter rasant. So wurde 1930 noch die Kirche. St. Karl Borromäus an der Zülpicher Straße errichtet. Der Kirchenvorstand von St. Bruno, Norbert Sabel, weist auf eine Besonderheit beim Wachstum hin: „Die Pfarrer und Kirchenvorstände waren auch an der Gründung der damaligen Wohnungsgenossenschaft Sülz-Klettenberg beteiligt“, erzählt er. Ziel war es, den Arbeitern der neu entstehenden Kirchengemeinde bezahlbaren und familiengerechten Wohnraum zu verschaffen. So wuchsen neben den Kirchenbauten ganze Häuserblocks, die heute das Gesicht der Viertel prägen.
Der Originalbau der Kirche St. Bruno überlebte allerdings nur knapp zwei Jahrzehnte. In den Kriegsjahren 1943 und 1944 wurde er weitestgehend zerstört. Erhalten blieben aber der markante Turm und der Vorplatz. Der Brunosaal wurde zur Notkirche umgestaltet. 1946 wurde St. Bruno notdürftig wieder aufgebaut und schließlich 1948/1949 wieder bezogen. Mitte der 50er-Jahre folgte ein grundlegender Neubau. Die ursprünglichen stilisierten Barockformen wichen einem modernen Erscheinungsbild nach dem damaligen Geschmack.
Hänneschentheater und Fritz Monreal auf der Bühne
In den frei gewordenen Brunosaal fand das Kölner Hänneschen Theater einen Unterschlupf. Der Veranstaltungssaal, der in diesem Jahr ebenfalls 100 Jahre alt wird, wurde deswegen, aber auch aufgrund anderer Aktivitäten, über die Viertelsgrenze hinaus bekannt: Der ehemalige Küster Fritz Monreal begann in den 50er-Jahren, kölsche Theaterstücke zu schreiben, was später sein Sohn Albert übernahm. Noch heute lädt der Fritz-Monreal-Spielkreis zu seinen Aufführungen in den Brunosaal. Seit den 60er-Jahren finden dort auch Karnevalssitzungen statt, wie „Deine Sitzung“ und stehen Comedy-Größe auf der Bühne. Zudem ist der Brunosaal ein Veranstaltungsort der Lit. Cologne.
Insgesamt präge ein sehr aktives Gemeindeleben St. Bruno, schildert Sabel, mit sehr vielen Familien. Vier Kindertagesstätten und das Altenzentrum gehören zu St. Bruno. Aber auch an ihr nagt der Zahn der Neuzeit. Kirchenaustritte und schwindende Mitgliederzahlen führen seit einiger Zeit zum Schrumpfen der Gemeinden in Sülz und Klettenberg – und zu Fusionen. So sind St. Nikolaus und St. Karl Borromäus seit vielen Jahren wieder zusammen die Gemeinde. Seit Beginn dieses Jahres ist sie mit den Klettenberg Katholiken zur Kirchengemeinde St. Nikolaus St. Bruno fusioniert, zu der drei Kirchen gehören.
Am Freitag, 17. Oktober, findet um 18.30 Uhr anlässlich des Jubiläums ein „Kölscher Pfarrabend“ mit dem Spielkreis Fritz Monreal und anderen Künstlern im Brunosaal statt. Am Samstag folgt um 16 Uhr in der Kirche ein Orgelkonzert mit Domorganist Winfried Böning in der Kirche und am Sonntag, 18. Oktober, um 17 Uhr eine feierliche Vesper.
Wer war der heilige Bruno?
Es gibt zwei Männer, die diesen Namen tragen: Bruno von Köln war der Gründer des Kartäuserordens und lebte etwa von 1030 bis 1101. Der Namens-patron der Kirche in Klettenberg ist jedoch der ehemalige Kölner Erzbischof Bruno der Große, der von 925 bis 965 lebte. Er prägte Köln, indem er die Rheininsel mit der Stadt verband und bedeutende Kirchen errichten ließ. Zudem spielte er als Kanzler des Kaisers Otto des Großen eine wichtige Rolle im damaligen Reich. 1958 wurde in der Krypta von St. Pantaleon der Sarkophag von Bruno dem Großen freigelegt und ein Teil seiner Rippe als Reliquie nach St. Bruno überführt.


