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75.000 Plätze?Das sind die Hürden für den FC-Stadionausbau in Köln

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So präsentierten die Sportstätten 2019 das auf 75.000 Zuschauer erweiterte Stadion.

So präsentierten die Sportstätten 2019 das auf 75.000 Zuschauer erweiterte Stadion in einer Schwarz-Weiß-Visualisierung.

Wie realistisch ist eine Vergrößerung des Rhein-Energie-Stadions um 50 Prozent? Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Innerhalb eines Jahres soll die neue Kommission des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln Ergebnisse liefern, ob der Ausbau des Rhein-Energie-Stadions auf 75.000 Zuschauer möglich ist. Das hatte FC-Präsident Jörn Stobbe im Interview mit dieser Zeitung gesagt. Bislang hat das Stadion in Müngersdorf 50.000 Plätze bei FC-Spielen.

In den kommenden zwölf Monaten sollen alle relevanten Fragen systematisch aufgearbeitet werden: Statik, Betriebsgenehmigung, Lärmschutz, Inklusion, Sichtachsen, Akustik – und nicht zuletzt die Finanzierung. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wem gehört denn das Stadion?

Stobbe hatte gesagt: „Eigentümer eines modernen, solide finanzierten Stadions zu sein – das könnte der Gamechanger für den 1. FC Köln sein.“ Nur: Das Stadion gehört dem Klub überhaupt nicht, sondern den Kölner Sportstätten (KSS). Es handelt sich um eine hundertprozentige Tochter der Stadt, die mehrere Sportanlagen wie beispielsweise das Radstadion, das Reit- und Baseballstadion, das Südstadion oder den Sportpark Höhenberg betreibt. Der Klub müsste das Stadion also der Stadt abkaufen, wenn er Eigentümer sein will – und nicht nur wie bisher Pächter. Dafür zahlt er an reiner Pacht dem Vernehmen nach etwas mehr als acht Millionen Euro jährlich, wenn er in der ersten Liga spielt.

Und wie teuer wäre das größere Stadion?

Der zwischen 2001 und 2004 realisierte Umbau hatte 117,5 Millionen Euro gekostet. Vor neun Jahren hatte das Rhein-Energie-Stadion, 13 Jahre nach seiner Wiedereröffnung, einen Wert von annähernd 84 Millionen Euro. Das Grundstück war in einer internen Mitteilung der Verwaltung aus dem Jahr 2017 mit 2,9 Millionen Euro angegeben. Für 2024 war damals immer noch ein Buchwert von 52 Millionen Euro angegeben. Allerdings hieß es seinerzeit: „Die auf heutiger Basis hochgerechneten Buchwerte“ könnten sich „durch Investitionen und außerplanmäßige Abschreibungen noch verändern“. Wie viel das Stadion aktuell wert ist, ist unbekannt.

Das Stadion bei einem Abendspiel.

Das Stadion bei einem Abendspiel.

Stadionausbau? Das Thema ist nicht neu. Dazu gab es doch Untersuchungen.

Mehrere, ja. Die erste stammt vom Frankfurter Architekturbüro Albert Speer aus dem Jahr 2017. Das Ergebnis: Mehr als 60 000 Plätze seien am angestammten Standort kaum zu verwirklichen. Die damals geschätzten Kosten: etwa 90 Millionen Euro. Laut Speer stünden einem größeren Ausbau der Lärm- und Naturschutz ebenso entgegen wie der Denkmalschutz für die angrenzenden Gebäude, die sogenannten Abelbauten.

Die Studie führte zu viel Ernüchterung. Der damalige FC-Präsident Werner Spinner sagte, der Ausbau sei „theoretisch möglich, aufgrund der erheblichen planungsrechtlichen und wirtschaftlichen Risiken aber selbst in einer Minimalvariante nur sehr schwer realisierbar“. Und die Kölner Sportstätten folgerten, „dass eine Erweiterung des Rhein-Energie-Stadions auf eine Kapazität von 75.000 Plätzen nicht möglich scheint“.

Das Rhein-Energie-Stadion im Jahr 2015.

Das Rhein-Energie-Stadion im Jahr 2015.

Das war es?

Nein. Zwei Jahre später folgte ein weiteres Gutachten: Demnach würde eine Erweiterung auf rund 75.000 Plätze rund 215 Millionen Euro kosten. Das Fazit: Der Ausbau sei technisch „grundsätzlich“ machbar, aber eben sehr teuer. Außerdem gebe es viele Unwägbarkeiten: Risiken, Preissteigerungen in der Bauwirtschaft, unvorhergesehene Aufwendungen. Die Kosten für den Ausbau der KVB-Haltestelle und den Bau neuer Parkanlagen seien dabei noch nicht berücksichtigt. Zudem sei noch keine „politische Gesamtbewertung unter Einbeziehung der Aspekte Landschafts- und Denkmalschutz“ erfolgt.

Der FC schöpfte trotzdem Zuversicht, der frühere FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle sprach von einem „Ergebnis, das zumindest Mut macht“. Die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hingegen sagte: „In der vom FC gewünschten Form wird der Ausbau sicher nicht möglich sein.“

Wie könnte ein erweitertes Stadion aussehen?

Es gibt eine erste Idee dazu. Ebenfalls 2019 veröffentlichten die Sportstätten eine Computer-Zeichnung, die das Stadion nach einem möglichen Ausbau zeigt. Das Gebäude müsste um rund 30 Meter länger und breiter werden, um 75.000 Zuschauer zu fassen. Das wäre nur möglich, wenn an den Längsseiten eine Reihe von Bäumen gefällt würde – was die Darstellung allerdings nicht erkennen ließ. Durch einen zusätzlichen Oberrang würde das Stadion um mindestens zehn Meter in die Höhe wachsen. Hinzu käme ein Faltdach über dem Spielfeld.

Das Rhein-Energie-Stadion im Jahr 2015 von oben fotografiert.

Das Rhein-Energie-Stadion im Jahr 2015 von oben fotografiert.

Braucht es für die Erweiterung eine neue Baugenehmigung?

Ja. Die aktuelle gilt nur für die Kapazität von maximal 50.000 Zuschauern. Das hat ein Sportstätten-Sprecher in der Vergangenheit betont.

Was sagen die Menschen vor Ort?

Stobbe hatte gesagt: „Wenn man sagt, wir bauen aus, provoziert man natürlich, dass Anwohner sagen: Moment mal, es gibt doch jetzt schon Stress – und dann sollen noch 25.000 Zuschauer dazukommen? Dennoch sehen wir da Möglichkeiten.“

Antje Frings, Vorsitzende des Bürgervereins Köln-Müngersdorf, sagt dazu: „Ich habe Verständnis für die Wünsche und Bedürfnisse des 1. FC Köln. Aber wir als Bürgerverein sehen die Position aller Beteiligten. Die jetzige Größe des Stadions ist meiner Ansicht nach das Höchste der Gefühle. Das Stadion liegt an Wohngebieten, die Verkehrs- und Lärmbelastungen an Spieltagen sind hoch. Ich lade Herrn Stobbe gerne dazu ein, sich das einmal mit mir persönlich anzuschauen. Wir sind immer daran interessiert, miteinander zu sprechen. Wenn der FC aber wirklich ein größeres Stadion braucht, würde ich einen Standort am Stadtrand empfehlen.“ Das hatte Stobbe aber schon vor zwei Monaten ausgeschlossen: „Wenn wir das aufgeben, gehen wir an die Identität des 1. FC Köln.“

Die Bürger-Interessen-Gemeinschaft Junkersdorf (BIG) hält die Pläne für „illusorisch“. Sie teilt mit: „Wir sind eigentlich ziemlich entspannt, weil wir ohnehin keine realistische Möglichkeit sehen, dass eine solche Erweiterung realistisch umzusetzen ist.“ Als einen Grund nennt die BIG die Verkehrssituation an Spieltagen des 1. FC Köln.

Was sagt die Stadt?

Sie teilt auf Anfrage mit: „Der Stadt Köln sind keine konkreten Pläne seitens des FC bekannt. Etwaige Prüfungen würden erst auf Grundlage konkreter Vorschläge erfolgen.“

Gegenüber dem Internet-Portal „Verliebt in Köln“ hatte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD), seit 2025 als Reker-Nachfolger im Amt, gesagt: „Lassen Sie uns jetzt mal eins nach dem anderen machen. Wir haben beim Thema Geißbockheim jetzt gemeinsam mit dem FC eine Lösung gefunden. Sie wissen, dass das Stadion mitten in Müngersdorf steht, fast in einem Wohnbereich. Da sind Veränderungen immer schwierig. Aber ja, auch darüber wird man sprechen müssen. Das kann jedoch nur im Einklang geschehen, und das ist auch die Lehre aus dem Thema Gleueler Wiese beziehungsweise Geißbockheim. Du musst vorher für einen Konsens sorgen, damit du in der Umsetzung nicht diese polarisierten Bewegungen hast.“

Wie äußern sich die Sportstätten?

Ein Sprecher sagte: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu diesem immer wiederkehrenden Thema wie auch in der Vergangenheit nicht äußern werden.“