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Stadtverwaltung überrascht
Eltern starten Petition wegen gefährlichem Schulweg

Lesezeit 3 Minuten
Vier Personen stehen an einer Kreuzung, auf der Straße fahren Autos.

Die Mitunterzeichnerinnen der Petition Isabelle Ullerich (v.l.), Melanie Pastusiak, Schüler Paul Jakob und sein Vater Harald Schäfer.

Ida (10) und Paul Jakob (11) haben Angst, wenn sie zur Schule müssen. Angst vor der vierspurigen Straße, den Autos, den Bahnen und den Radfahrern.

Wenn die zehnjährige Ida und der elfjährige Paul Jakob vom Unterricht im Gymnasium Müngersdorf an der Aachener Straße nach Hause kommen, erzählen sie ihren Eltern Geschichten von Straßenbahnen und Verkehrsinseln. Sie schildern, wie sie versuchen, die Aachener Straße zu überqueren, am Alten Militärring, um dort von der Haltestelle auf den sicheren Fußgängerweg zu gelangen. Oder wie sie versuchen, auf der Höhe der Wendelinstraße die Fahrbahnen zu überqueren, um zum Sportunterricht auf dem Gelände des Kölner Hockeyvereins Rot-Weiß zu laufen. Nie gelingt es ihnen, die Fahrbahn und die Gleise oder alle vier Spuren direkt zu überqueren. Stets bleiben sie auf einer kleinen Aufstellfläche oder Verkehrsinsel hängen, zwischen den vorbeirollenden Bahnen und rasenden Autos.

Nicht nur Autos und Bahnen, sondern auch die Fahrradfahrer sind eine Gefahr

Dort stehen sie dicht gedrängt. Oft würde ein kleiner Schubs reichen, dann stünde eines der Kinder auf der Straße oder den Schienen. Schaffen sie es auf die andere Seite der Aachener Straße, treten sie dort sofort auf den Radweg, wo aber eine Haltelinie für die Radfahrer bei Rot fehlt. Die sind dort schnell unterwegs, rechnen nicht mit kreuzenden Fußgängern und sind sich mangels Linienmarkierung nicht darüber bewusst, dass sie an der Ampel halten müssten.

Auch an der Kreuzung Alter Militärring/Aachener Straße ist die Lage für die Schüler unübersichtlich. Zur Ampel müssen sie über einen Fußweg, der über einen „freilaufenden Rechtsabbieger“ führt, also eine Rechtsabbiegerspur, die an der Ampel vorbeiführt und auf der der Autoverkehr somit nicht durch ein Signallicht gestoppt wird. Die Pkw-Fahrer, die sich möglichst schnell in den Verkehr auf der Straße einfädeln wollen, übersehen oft die querenden Fußgänger sowie Radfahrende. Die Fußgänger stehen zudem an der Ampel auf dem Radweg, der dort als solcher nicht mehr erkennbar ist. Die Aufstellfläche für sie ist zu klein.

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Bisher waren uns die geschilderten Probleme noch nicht bekannt
Stadtsprecher

Die Fünftklässler haben auf dem Schulweg Angst. Deshalb haben ihre Eltern eine Online-Petition gestartet, mit der sie fordern, dass die Stadtverwaltung den Schulweg zeitnah sichert. 300 Unterschriften haben sie mittlerweile gesammelt, auch die von Idas Mutter Melanie Pastusiak und Mutter Isabelle Ullerich. Harald Schäfer, Mitglied des Bürgervereins Müngersdorf und Vater des betroffenen Schülers Paul Jakob, betont, dass der Bürgerverein und die Bezirkspolitik bereits vor dem Start der neuen Schule auf die Situation aufmerksam gemacht hätten.

Schulweg in Müngersdorf sollte längst sicherer sein

„Die Bezirksvertretung Lindenthal hat bereits am 7. März 2022 beschlossen, den Schulweg zum Gymnasium Müngersdorf zu sichern“, so Schäfer. Sie hatte ausdrücklich gefordert, größere Aufstellflächen zu schaffen, den freilaufenden Rechtsabbieger abzubauen und den Radweg klar zu markieren. Die Stadtverwaltung sollte den Beschluss priorisieren, damit er vor dem Schulstart umgesetzt ist. Schäfer verweist zudem darauf, dass der Abbau freilaufender Rechtsabbieger in der Stadt bereits 2018 vom Rat beschlossen und für die Kreuzung Alter Militärring/Aachener Straße von der Verwaltung für sinnvoll erachtet worden sei. „Dafür muss man nur ein paar Poller aufstellen“, sagt Schäfer. „So wäre dort mehr Platz für die stetig wachsenden Schülerströme.“

Denn noch sind es nur Fünftklässler, die das neue Gymnasium Müngersdorf besuchen. Die Schülerzahlen werden steigen. Am Alten Militärring befindet sich zudem seit einiger Zeit die Zweigstelle der Gesamtschule Lindenthal.

Stadt Köln will erste Maßnahmen zeitnah umsetzen

Die Stadtverwaltung hat sich des Problems laut eigener Auskunft angenommen: „Bisher waren uns die geschilderten Probleme noch nicht bekannt“, schreibt ein Sprecher der Stadt. „Wir konnten die Ampelanlagen nun bereits überprüfen. Optimierungen zur Verlängerung der Grünzeiten für den querenden Fuß- und Radverkehr sind möglich und werden kurzfristig, voraussichtlich innerhalb der kommenden drei Wochen, im Steuergerät vorgenommen.“

Zudem werde die Verwaltung die Situation an den benannten Orten weiter beobachten und prüfen. Sofern Probleme erkannt würden, werde die Stadt den Schulweg weiter sichern, so der Sprecher. Zu der Frage, ob und wann der freilaufende Rechtsabbieger zurückgebaut werde, gibt die Stadtverwaltung allerdings keine Auskunft.

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