„MS Stadt Köln“Ausflugsdampfer aus der Nazizeit saniert

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Buchvorstellung auf der MS Stadt Köln

Köln – Es ist nicht selbstverständlich, dass es die „MS Stadt Köln“ noch gibt. Sie hätte genauso gut im Niehler Hafen untergehen können. Dort lag das schmucke Repräsentationsschiff der Verwaltung jahrelang im Dornröschenschlaf und bildete unterhalb der Wasserlinie riskante Rostlöcher aus. Doch der elegante Ausflugsdampfer aus der Nazi-Zeit hat überlebt – dem Verein „Freunde und Förderer des Historischen Ratsschiffs MS Stadt Köln“, der unermüdlich Fördergelder und Spenden einsammelt, sei Dank.

Das schwimmende Denkmal aus dem Jahr 1938, gebaut für die kriegsbedingt ausgefallene Internationale Verkehrsausstellung 1940, liegt mittlerweile im Rheinauhafen. Ein gutes Stück Sanierungsarbeit ist geleistet, aber vor allem die Innenausstattung und die Motoren wollen noch flottgemacht werden.

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Treppenaufgang mit Wappen.

Voraussetzung für den Wiederaufbau war es natürlich, das durch Korrosion schwer beschädigte Schiff schwimmfähig zu machen. Dabei leisteten die Experten des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland (ADR) von Anfang an Unterstützung. Den ersten Sanierungsabschnitt in der Deutzer Schiffswerft bezeichnet Rasmus Radach, Industriedenkmalpfleger beim LVR, als Abenteuer: „Die Arbeit war anders, als wir ursprünglich dachten.“

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Jahrbuch dreht sich auch um Kölner Denkmäler

Wer die Geschichte des Schiffs und der Erneuerung des Rumpfs noch einmal im Detail nachlesen möchte, hat dazu nun Gelegenheit: Das charmante Ambiente der „MS Stadt Köln“ nutzte das LVR-Amt, um das aktuelle „Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege“ vorzustellen. Ziel sei es, dem größeren Publikum vor Augen zu führen, was das Amt überhaupt mache, so Landeskonservatorin und ADR-Leiterin Andrea Pufke. Es gehe vor allem um fachliche Beratung bei allen Fragen rund um Denkmäler. Ein sehr weites und mitunter spannendes Feld.

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Ausschmelzen der bauzeitlichen Nietköpfe mit einer Spezialelektrode.

Die Kölner Themen des Jahrbuchs drehen sich um die Melanchthonkirche in Zollstock, das Bibliotheks- und Hörsaalgebäude der Uni mit der dazugehörigen Grünanlage, den Westbau von St. Pantaleon – und die Instandsetzung der „MS Stadt Köln“. Das Schiff habe schon vor Sanierungsbeginn 2019 schön ausgesehen, sagt Gundula Lang, wissenschaftliche Referentin und neben Rasmus Radach Mitautorin des Beitrags: „So schön kann ein riesengroßes Problem sein.“ Die Experten gingen zunächst von größeren Schäden des Spantengerippes, der Tragkonstruktion des Schiffes, aus. Doch hier war der Großteil in Ordnung und konnte erhalten bleiben.

In Zukunft vielleicht für Hochzeiten in Köln nutzbar

Das unter Wasser liegende Stahlblech des Rumpfs hingegen war heillos dem Rost zum Opfer gefallen. Das Problem: „Hier ist alles noch genietet“, so Rasmus Radach: „Und die Nietköpfe sind versenkt, man sieht sie nicht.“ Die Herausforderung sei also gewesen, die Außenhaut vom Spantengerippe zu lösen, was bedeutete, tausende Nieten zu suchen und mit einer Schweiß-Elektrode heraus zu schmelzen.

Laut Udo Giesen, Vorsitzender der „Freunde und Förderer des historischen Ratsschiffs“, soll 2024 der dritte Bauabschnitt beginnen. Für schätzungsweise eine Million Euro sollen dann vor allem Schäden im Inneren des Schiffs beseitigt werden. Im Anschluss daran ist geplant, das einst hochmoderne Schiff wieder fahrfähig zu machen. Eines Tages soll die 53 Meter lange Schönheit für Ausstellungen oder Hochzeiten genutzt werden. Bis dahin gibt es sicher genug Stoff für weitere Buchbeiträge.

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Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, Band 48, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2022 ISBN 978-3-7319-1293-4; 49,95 Euro, 304 Seiten mit ca. 265 farbigen Abbildungen

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