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Frühere Kölsch-BrauereiWeniger Büros und mehr neue Wohnungen in Köln-Mülheim?

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Das Haus kölscher Brautradition direkt neben den Bahngleisen.

Das Haus kölscher Brautradition direkt neben den Bahngleisen. 

Lange wurde an der Bergisch Gladbacher Straße Kölsch gebraut. Erste Pläne für die Entwicklung zerschlugen sich. Nun folgt ein neuer Anlauf.

Für das traditionsreiche Haus kölscher Brautradition in Mülheim hat die Radeberger-Brauerei dem Gestaltungsbeirat des Stadtrates eine Machbarkeitsstudie vorgelegt: Und diese ersten Ideen für das ungenutzte Areal weichen deutlich von den Plänen ab, die der frühere Eigentümer Cube Real Estate vorgesehen hatte, bevor er vom Kaufvertrag mit Radeberger zurückgetreten war (wir berichteten im Vorjahr).

Statt 70 Prozent Gewerbe, vor allem Büros, und 30 Prozent Wohnen sollen es nun in beiden präsentierten Varianten 60 Prozent Wohnen und 40 Prozent Gewerbe sein. 

Doch das Gewerbe sollen fast keine klassischen Büros sein, sondern unter anderem kleinteilige Hallenareale oder Ateliers. Wie berichtet, schwächelt der Büroimmobilienmarkt seit einiger Zeit. Das Gelände liegt rund 900 Meter entfernt vom Wiener Platz ist so groß wie umgerechnet 3,5 Fußball-Felder.

Das Haus kölscher Brautradition an der Bergisch Gladbacher Straße in Mülheim.

Das Haus kölscher Brautradition an der Bergisch Gladbacher Straße in Mülheim.

Doch es bleibt dabei, dass Radeberger das derzeit ungenutzte Gelände weiter nicht selbst entwickeln will. Eine Sprecherin sagte: „Es gibt keine Änderung, wir wollen das Gelände weiterhin verkaufen und nicht selbst entwickeln: Die vorgelegten Pläne dienen rein der Auslotung und der Darstellung der Möglichkeiten der Geländeentwicklung.“

Im Klartext: Es sind erste Ideen und keine finalen Planungen – zumal dem Vernehmen nach der Gestaltungsbeirat am Dienstag noch viele Fragen hatte und ein neuer Eigentümer ohnehin eigene Vorstellungen haben dürfte. 

Vermietung für zwei Jahre möglich

Der erneute Verkaufsprozess soll bald starten, bis zu einem Baustart dürften mindestens zwei Jahre ins Land gehen, eher mehr. Derzeit werden die leerstehenden Lagerhallen für zwölf bis 24 Monate und einem Quadratmeterpreis von 3 bis 3,50 Euro Miete auf einem Immobilienportal angeboten.

Beide Varianten weisen deutlich weniger Bruttogeschossfläche auf als die bisher von Cube Real Estate geplanten 68.000 Quadratmeter. Das liegt am neuen Schwerpunkt Wohnungsbau, für den andere Regeln gelten, etwa für Grünflächen. Das heißt aber auch: Die Gebäude würden weniger hoch gebaut.

Blick auf das ungenutzte Areal.

Blick auf das ungenutzte Areal.

In der sogenannten Variante A haben die Planer nur rund 41.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vorgesehen und höchstens siebenstöckige Gebäude. Das entspricht nur rund 60 Prozent der Bruttogeschossfläche, die Cube Real Estate vorgesehen hatte. In den angedachten 273 Wohnungen könnten 628 Menschen wohnen.

Bei Variante B, in der Studie „Alternatives Angebot“ genannt, sind es rund 56.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche und damit auch nur rund 83 Prozent der bisherigen Vorstellungen. Allerdings würden in diesem Fall Gebäude mit bis zu 13 Stockwerken entstehen.

Mehr Wohnungen als in früheren Plänen

In den geplanten 374 Wohnungen könnten 860 Menschen wohnen. Cube Real Estate hatte 222 Wohnungen angedacht. Im Gestaltungsbeirat traf Variante B dem Vernehmen nach auf wenig Gegenliebe.

Bei beiden Radeberger-Varianten käme das Kooperative Baulandmodell zum Tragen: Demnach muss der Bauherr 30 Prozent der geplanten Wohnfläche für öffentliche geförderte Wohnungen reservieren. Dabei unterstützt die öffentliche Hand den Bau, im Gegenzug ist die Miete vergleichsweise günstig.

Große Pläne haben sich zerschlagen

Cube Real Estate hatte große Pläne für das Areal, als es 2021 den Kauf abschloss: Es firmierte unter dem Namen „Brauwerk“, das Unternehmen wollte 400 Millionen Euro investieren, 2030 sollte alles fertig sein – und an einigen Stellen auch an die Kölsch-Tradition erinnern. Doch das Unternehmen trat, wie im Vorjahr berichtet, vom Kauf zurück, die Gründe blieben offen.

Dass Projekte in der derzeitigen Immobilienkrise nicht zustande kommen, ist allerdings keine Seltenheit. Unter anderem haben sowohl die DEVK als auch Vermögensverwalter Flossbach von Storch ihre Planungen für zwei Büro-Hochhäuser aufgegeben (wir berichteten).

Wir sind Brauer, keine Immobilienentwickler.
Radeberger-Sprecherin

Die Radeberger-Sprecherin kündigte damals an, den Verkauf neu aufsetzen. Die Sprecherin sagte: „Wir sind Brauer, keine Immobilienentwickler.“ Dieser zweite Anlauf startet jetzt.

Auf dem Gelände wurde mehr als ein Jahrhundert Kölsch gebraut – und zwar zuletzt: Sion, Gilden, Peters, Dom, Sester und Küppers. Seit 2011 firmiert das Gelände unter dem Begriff Haus kölscher Brautradition und seit Januar 2022 wird das Gelände laut einer Radeberger-Sprecherin nicht mehr genutzt.

Dort stehen Verwaltungsgebäude, große Lagerflächen und Produktionsstätten mit Rundsilos. Das Areal liegt direkt an der Bahntrasse. Schon 2019 hatte Radeberger das Aus für den Standort angekündigt, weil die Produktion zur Früh-Brauerei im Gewerbegebiet Feldkassel wechselte. Seit 2021 werden die Kölsch-Sorten dort anstatt in Mülheim gebraut.