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Traditionsreicher Verein100 Jahre Einsatz – sportliche Erfolge und Gemeinschaft prägen den Club für Wassersport Porz

6 min
Der Jachtfafen mit seinen 120 Boots-Anlegeplätzen wurde 1975 angelegt und ist bis heute das Schmuckstück der Freizeitinsel Groov.

Der Jachtfafen mit seinen 120 Boots-Anlegeplätzen wurde 1975 angelegt und ist bis heute das Schmuckstück der Freizeitinsel Groov.

Der Club für Wassersport Porz wird 100: Hafen, Ausbau an der Groov und sportliche Erfolge verdanken sich dem Einsatz seiner Mitglieder.

Mit zwei Tagen voller Wassersport, Musik und kölscher Lebensfreude feiert der Club für Wassersport Porz am Wochenende 5. und 6. September seinen 100. Geburtstag. Auf dem Vereinsgelände an der Groov mit Blick auf den eigenen Hafen sind Gäste willkommen, um auf die bewegte Clubgeschichte zurückzuschauen und Entspannung am Strom zu genießen. Kölsche Musik, Spaß für die ganze Familie und natürlich der Wassersport stehen im Mittelpunkt. Am Sonntag, im Anschluss an einen Festakt, wird ein neues Boot getauft und zu Wasser gelassen.

Der Überblick auf die 100-jährige Geschichte des angesehenen Clubs ist bemerkenswert: Mit Schlips und Kragen, entschlossenem Blick und die Ruder zum Spalier aufgestellt – so präsentierten sich die frühen Mitglieder des Clubs für Wassersport Porz mit ihren Booten in den ersten Jahren nach der Gründung. Die Freude am Sport auf dem Strom war schon vor 100 Jahren bei der Gründung des jetzt so traditionsreichen Clubs auch mit Anstrengung verbunden.

Gründung mit Gemeinschaftssinn

Boote und ein Zuhause für den Club zu beschaffen und sportliche Erfolge zu erringen – das ging nur in einer engagierten Gemeinschaft. Am 1. August 1926 fanden sich 15 sportbegeisterte junge Männer zur konstituierenden Sitzung zusammen, bekamen bald Unterstützung vom Wirt der damaligen Gaststätte Lindenhof und konnten die ersten Paddelboote im Keller des Tanzlokals lagern, wo jetzt das Porzer Hochhaus Lindenhof steht.

Seriös gekleidete Wassersportler des Cfwp mit den ersten eigenen Ruderbooten im Jahr 1927.

Seriös gekleidete Wassersportler des Cfwp mit den ersten eigenen Ruderbooten im Jahr 1927.

Seither ist viel Wasser den Rhein heruntergeflossen. Der Club hat Höhen und Tiefen erlebt, immer wieder begeisterungsfähige Mitstreiter gefunden, sportliche Erfolge errungen. Und seit mehr als 50 Jahren kann er den eigenen Hafen an der Groov nutzen – ein Schmuckstück am Rhein, das viele Menschen in Porz stolz macht und weit mehr als nur die Wassersportler im Verein erfreut. Zum Jubiläum blicken der jetzige Vorsitzende Michael Reitz und sein langjähriger Amtsvorgänger Marcus Schüler auf die Historie zurück und auch in Richtung Zukunft. Denn die Geschichte des Wassersports in Porz bleibt in Bewegung.

Die Kanus des Gründungsjahres waren schon in den 1930er Jahren weitgehend von Ruderbooten abgelöst worden. Damit fuhren Vereinsmitglieder des jungen Clubs durch intensives Renntraining beachtliche Erfolge gegen die starke Konkurrenz bedeutend größerer Vereine ein. Dazu trug die Unterstützung von Mäzenen bei. Ferdinand Mülhens (4711) stiftete dem Club nach Derbysiegen seiner Pferde zwei Boote. Das Sägewerk Dülken schenkte Holz für den Bau von Bootsgestellen.

Neubeginn zwischen Trümmern

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der Club sich neu aufstellen. Mehrere der jungen Sportler waren gefallen, und im Frühjahr 1945 wurde ein Bootsschuppen samt den neuesten Vierern des Clubs durch Tiefflieger-Beschuss zerstört. Doch der Verein fand ein neues Zuhause, noch in den Trümmern. Ein ehemaliger Brauereikeller am Rosenhügel, verfallen und völlig verwahrlost, wurde von der Gemeinde Porz gepachtet und mit einer kaum vorstellbaren persönlichen Leistung der Mitglieder hergerichtet.

Der Schutt aus dem alten Eiskeller wurde zusammengetragen, planiert und zur ersten Anlegestelle. Im neuen Bootskeller konnten die geretteten und neue Boote untergebracht werden. In Anerkennung der Leistungen des Clubs schenkte die junge Stadt Porz dem CfWP das Gelände, auf dem das erste Clubhaus entstehen konnte, auch dies mit großem persönlichen und finanziellen Einsatz. Der Porzer Stadtdirektor Rudolf Trum engagierte sich im Vorstand des Clubs dabei besonders erfolgreich. 1963 wurde das Clubhaus eingeweiht.

Historisches Bild: Mit Elan und Muskelkraft legten Mitglieder des Clubs am neuen Standort Zündorf eine Rampe zum Rhein an, die sie aus dem Schutt zusammen trugen, der beim Ausräumen des künftigen Bootskellers angefallen war.

Mit Elan und Muskelkraft legten Mitglieder des Clubs am neuen Standort Zündorf eine Rampe zum Rhein an, die sie aus dem Schutt zusammen trugen, der beim Ausräumen des künftigen Bootskellers angefallen war.

Sportlich standen die Clubmitglieder vor anderen Herausforderungen: Um Erfolge bei Landes- und Bundesmeisterschaften zu erringen, mussten die Sportler samt Booten zu entfernten Trainingsplätzen wie dem Decksteiner Weiher fahren, denn der Rhein scheidet als Trainingsgewässer fürs Rennrudern in leichten, regattatauglichen Booten aus. Im Club wurde das Augenmerk immer stärker auf das Wanderrudern gelegt. Hier fahren die Sportlerinnen und Sportler aus Porz seit Jahrzehnten mit bemerkenswertem Erfolg und legen schier unglaublich viele Stromkilometer zurück.

Mit Fördermitteln zum Sporthafen

Auch als Rudolf Trump nicht mehr Vorsitzender des Clubs war, engagierte er sich im Interesse des Wassersports. Ihm gelang noch vor der Eingemeindung der Stadt Porz, den Umbau des still liegenden alten Rheinarms zur jetzigen Freizeitanlage Groov in Bewegung zu setzen. Dafür galt es, Fördermittel zu gewinnen. Listig wurden die öffentlichen Mittel damals nicht explizit für den Bau eines aus diesen Fördertöpfen nicht finanzierbaren Sporthafens beantragt, sondern für die Gestaltung der Freizeitanlage – zu der dann auch das Hafenbecken zählte.

Allein die Geschichte dieser Hafenanlage ist filmreif und in einer Chronik spannend aufgearbeitet. Wo jetzt die Steganlage für 120 Boote ist, war bis in die 1970er Jahre eine abschüssige Kuhwiese. Sie führte zur sogenannten Schlau, einem engen Wasserlauf zwischen dem Tümpel an der Wiese und dem Strom. Unter einem Stacheldraht der Weide hindurch mussten die Ruderer damals ihre Boote zum Rhein bugsieren, auf dem sie dann aber heute unvorstellbare Freiheiten genossen. Sie konnten sich etwa mit ihren kleinen Booten an die großen Schiffe hängen, deren Kapitäne sie im Schlepp bis zur Mosel oder bis nach Heidelberg oder stromabwärts bis Holland zogen.

Historisches Schwarz-Weiß-Bild: Am toten Rheinarm gab es keine Anlegestelle, Boote mussten über eine Kuhweide bis zu einer schmalen Wasserverbindung zum Rhein getragen werden. Später entstand hier der Hafen.

Am toten Rheinarm gab es keine Anlegestelle, Boote mussten über eine Kuhweide bis zu einer schmalen Wasserverbindung zum Rhein getragen werden. Später entstand hier der Hafen.

Mit der Hafenanlage, die ausdrücklich „nicht für Millionäre mit Luxusjachten, sondern für die 120 Bootsbesitzer, die Sport treiben wollen“, gedacht war, änderte sich die Mitglieder-Zusammensetzung. Inzwischen umfasst die Segel- und Motorbootabteilung zwei Drittel der jetzt 540 Mitglieder, darunter allerdings nur noch wenige Segler, denn dieser Sport ist auf dem Rhein eher schwierig.

Das Interesse am Rudern ist weiterhin sehr ausgeprägt, stellen Reitz und Schüler fest. Die aktiven Frauen und Männer legen weiterhin viele Kilometer beim Wanderrudern zurück, der Club wirbt um junge Mitglieder und hat im Bootskeller eine beeindruckende Zahl gut gepflegter Boote unterschiedlicher Größenordnung. Doch so intensiv clubverbunden und auch über den Sport hinaus engagiert wie in den Anfangsjahren sind nicht mehr sämtliche derzeit aktiven und inaktiven Mitglieder.

Was vor allem auf Zeitmangel zurückzuführen ist – wie der Clubvorstand immer wieder zu spüren bekommt. Die Anmeldezahlen zum Schnupperrudern seien immer hoch, die Begeisterung für die Bewegung und die Freiheit auf dem Wasser spürbar. Viele Interessierte unterschätzten aber wohl den großen Zeitaufwand für diesen Sport, vom Holen der Boote über den Einsatz auf dem Wasser bis zur anschließenden Versorgung der Sportgeräte im Bootskeller.

Der Zeitmangel vieler Mitglieder erschwere es dem Club auch, für gemeinschaftliche Eigenleistungen zu werben. Ohne dieses Engagement seien aber die geringen Club-Beiträge nicht möglich. Schüler erinnert daher mit Stolz an die rund 5000 Arbeitsstunden, die 40 Clubmitglieder etwa beim unumgänglichen Umbau der 255 Meter umfassenden Steganlage im Jahr 2021 geleistet haben. Diesen Geist des Miteinanders versuche man im Club zu erhalten, betont Michael Reitz. Der Einsatz für den Sport bleibe im Fluss und es werde finanzielle Vorsorge getroffen. Die demnächst erneut notwendige Ausbaggerung und weitere bauliche Sanierungen rund um den Hafen werden den Club nämlich wieder viel Geld und Einsatz kosten.

Jeder Fingersteg, den wir zusammengeschraubt, jede Schaufel Schlamm, die wir herausgeholt haben, steht für die Überzeugung, dass dieser Verein auch das Schwierigste schafft, wenn er zusammenhält.
Marcus Schüler

Marcus Schüler hat die Bedeutung des Hafens für den Club so zusammengefasst: „Ein Hafen ist mehr als Wasser und Stege, er ist das, was Generationen von Mitgliedern mit ihren eigenen Händen geschaffen haben. Jeder Fingersteg, den wir zusammengeschraubt, jede Schaufel Schlamm, die wir herausgeholt haben, steht für die Überzeugung, dass dieser Verein auch das Schwierigste schafft, wenn er zusammenhält. Das ist unser eigentliches Vermögen, nicht der Hafen, sondern die Menschen, die ihn tragen“.

Beim Fest zum 100. Geburtstag soll dieser Club-Geist offenkundig werden. Gäste sind am Samstag ab 12 Uhr und am Sonntag ab 11 Uhr bei freiem Eintritt willkommen.