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Woelkis Lieblingsprojekt Kölner Hochschule Millionengrab für das Erzbistum

Woelki BUcco 0704

Köln – Die Mitteilung von Kardinal Rainer Woelkis Pressestelle ist maximal verklausuliert. In der Bistumszentrale habe die Belegschaft glatt an einen Aprilscherz geglaubt, schreibt der Vorstand der Mitarbeitervertretung (MAV) in einer internen Hausmitteilung. Doch dann „mussten wir erkennen, dass es sich um den vollen Ernst handelt.“

In der Erklärung geht es um Geld, sehr viel Geld. Oder besser: um Geld, das fehlt. „Bei einer Routineprüfung ist ein Vertrag im Stiftungsbereich des Erzbistums Köln aufgefallen, der einer weiteren Klärung bedarf.“ Dieser kryptische Satz erblickte das Licht der Welt, kurz nachdem in Düsseldorf der Diözesanpastoralrat, das wichtigste Beratergremium von Kardinal Rainer Woelki, zusammengetreten war, um nach Woelkis Rückkehr aus seiner vom Papst verfügten Beurlaubung über die Zukunft des Erzbistums zu sprechen. Schlau wurden auch die rund 70 Mitglieder daraus nicht. Einen Antrag auf sofortige Aufklärung wies die Mehrheit zurück und ließ sich mit der Aussicht auf einen baldigen Bericht vertrösten.

Somit lautet die offizielle Lesart bislang wie folgt: Woelki und Hofmann seien von Finanzchef Gordon Sobbeck und der kommissarischen Justitiarin Heike Gassert „darüber informiert worden, dass im Rahmen eines verwaltungsmäßigen Routinevorgangs eine vertragliche Regelung ungewöhnlichen Inhalts bekannt wurde, die sowohl für das Erzbistum Köln als auch für die Stiftung eine erhebliche und langfristige wirtschaftliche Bindungswirkung entfaltet und bisher bei keiner der Körperschaften bilanziert ist.“ Unverzüglich habe Sobbeck auch den Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat, den Vermögensrat sowie den Prüfungsausschuss über die Angelegenheit in Kenntnis gesetzt. Außerdem „wurde sofort eine umfassende Recherche und Aufbereitung des Sachverhalts initiiert, einschließlich einer wirtschaftlichen und rechtlichen Würdigung“.

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Vertrauliche Informationen

Das alles klingt so, als könnte oder wollte die Bistumsspitze nicht dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit sie auch versteht. Nur mit Hilfe vertraulicher Informationen, die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ aus zuverlässiger Quelle erhielt, lässt sich Licht ins Dunkel oder – mit einer seit Kardinal Joachim Meisners geheimer Personal-Sonderakte „Brüder im Nebel“ beliebten Metapher – Klarheit in den Finanznebel bringen.

Eines immerhin wird durch Woelkis Mitteilung selbst deutlich: Wenn jetzt die genannten Aufsichts- und Kontrollgremien des Erzbistums „unverzüglich“ informiert wurden, dann waren sie in die vertraglichen Regelungen offenbar bislang nicht involviert.

Eigenmächtige Entscheidungen

Damit scheint sich das zu wiederholen, was unter der Ägide von Bistumsverwalter Rolf Steinhäuser Ende vorigen Jahres aufgefallen war: eigenmächtige Entscheidungen über Bistumsvermögen mit – wie es jetzt heißt – „erheblichen“ finanziellen Folgen. Damals ging um Ausgaben in Millionenhöhe für die Erstellung zweier Missbrauchsgutachten und für Woelkis Kommunikation im Zuge der entstandenen Vertrauens- und Führungskrise. Diese Ausgaben, die aus einem bischöflichen Sondervermögen „für Bedürfnisse des Bistums“ (BB-Fonds) bezahlt wurden, hätten nach Ansicht kirchlicher Finanzexperten zwingend der Zustimmung durch die Kontroll- und Aufsichtsgremien bedurft.

Bistumsverwalter Steinhäuser durfte nicht aufklären

Steinhäuser wollte etwaige Verfehlungen der Bistumsspitze unter Woelki und Hofmann aufklären, gab dazu zwei Rechtsgutachten in Auftrag. Mehr ging aber nicht, weil der Vatikan Steinhäuser ausbremste und die Untersuchung auf die Zeit nach Woelkis Rückkehr verschob.

Die juristischen Expertisen gingen nach Rom und sind dort unter Verschluss. Nicht einmal die Verfasser sind öffentlich bekannt. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ handelt es sich um zwei Kirchenrechtler unterschiedlichen Rufes, die – für Juristen nicht sonderlich überraschend – zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sein sollen. Der erste Fachmann soll das Verhalten Woelkis und Hofmanns als Verstoß gegen die kirchliche Vermögensverwaltung bewertet haben. Der zweite Gutachter soll das anders sehen.

Millionenschwerer Klotz am Bein

Neben den etwaigen Unregelmäßigkeiten rund um die Missbrauchsgutachten erweist sich ein Lieblingsprojekt Woelkis als millionenschwerer Klotz am Bein des Kardinals: die „Kölner Hochschule für Katholische Theologie“ (KHKT). Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ ist die Hochschule bzw. die für ihren Betrieb gegründete „Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln“ gemeint, wenn die Erklärung vom 1. April von Vorgängen im „Stiftungsbereich“ spricht.

Dabei ist die Formulierung mindestens unpräzise, wenn nicht falsch: Während nämlich für alle Stiftungen, Nachlässe und Sondervermögen im Erzbistum Köln ein eigenes „Stiftungszentrum“ zuständig ist, wird ausgerechnet die Hochschulstiftung nicht dort geführt. Das sei „Chefsache“, sagt ein Kenner der kirchlichen Stiftungslandschaft.

Frühere Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin

Die KHKT ging aus der Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin hervor. Woelki übernahm die Ausbildungsstätte 2019 und holte sie in eine aufwendig hergerichtete Liegenschaft in Köln-Lindenthal, ein ehemaliges Berufskolleg an der Gleueler Straße, in direkter Nachbarschaft zum „Krieler Dömchen“. Hier soll die KHKT der von Woelki ungeliebten theologischen Ausbildung an den staatlichen Universitäten Bonn und Köln Konkurrenz machen.

Zu den Studierenden gehören auch etliche Kandidaten für das Priesteramt. Die angehenden Kleriker müsste Woelki nach geltenden staatskirchenrechtlichen Verträgen an die Uni Bonn schicken. Im Düsseldorfer Wissenschaftsministerium werden die Vorgänge an der KHKT deshalb aufmerksam beobachtet.

Woelkis Versprechen: keine Kirchensteuermittel

Zur Finanzierung seiner Hochschule versprach Woelki den Bistumsgremien, es würden keine Kirchensteuermittel verwendet. Eine eigens gegründete „Stiftung zur Förderung von Bildung, Wissenschaft und Forschung im Erzbistum Köln“ sollte unter der von Woelki aus Berlin geholten Geschäftsführerin Martina Köppen Drittmittel akquirieren und damit die „Finanzierung von außen“ sicherstellen.

Hoffnungsfroh ließ die Bistumsleitung nach Aussage eines Kenners bereits Namen interessierter Geldgeber und „beachtliche Beträge“ fallen. Außerdem rechnete die Bistumsleitung damit, den Staat als Geldgeber zu gewinnen – ähnlich wie das zum Beispiel bei der öffentlichen Finanzierung der Katholischen Hochschule NRW (KatHO) der Fall ist. Für die Anschubfinanzierung in den ersten sechs Jahren sollten nach Woelkis Plan je 1,2 Millionen Euro aus dem BB-Fonds fließen, in dem damals noch gut 20 Millionen Euro steckten.

Finanzbedarf von mehr als drei Millionen Euro jährlich

Inzwischen geben die Wirtschaftspläne des Erzbistums für 2021 und 2022 den Finanzbedarf der Hochschule aber bereits mit mehr als drei Millionen jährlich an. Müssten diese Summen – wie bisher - dem BB-Fonds entnommen werden, der Ende 2020 noch 16,8 Millionen Euro enthielt, liefe der Topf unweigerlich leer.

Köppen sollte deshalb eigentlich schon bis Ende Februar eine tragfähige mittelfristige Finanzplanung vorlegen. Mit der angeblich jetzt entdeckten „vertraglichen Regelung ungewöhnlichen Inhalts“ könnten – so spekuliert die „Katholische Nachrichten-Agentur“ (KNA) – entsprechende Versuche Köppens gemeint sein.

Sondervermögen geht auf Kardinal Frings zurück

Just den BB-Fonds – 1952 von Kardinal Josef Frings gebildet, über Jahrzehnte aus Abgaben von Priestern zur freien Verfügung des Erzbischofs gespeist und 2019 auf neue vertragliche Grundlage gestellt – hat Woelki im Übrigen als den Topf ausersehen, aus dem auch die Entschädigungen für Missbrauchsopfer bezahlt werden. Diese belaufen sich nach Steinhäusers Angaben aus dem vorigen Jahr auf bis dahin etwa 1,5 Millionen Euro. Es ist der erklärte Wille der Bistumsleitung, dass weder für die Missbrauchsgutachten noch für finanzielle Leistungen an die Opfer Kirchensteuermittel verwendet werden.

Köppen, die zugleich Kanzlerin der KHKT ist, beziffert die Kosten für den laufenden Betrieb der Hochschule bei Besetzung aller 15 Professuren intern auf acht bis zehn Millionen Euro jährlich. Diese horrende Summe dürfte aus Fundraising und mit Großspenden nur schwer aufzubringen sein, wie die Aufsichtsgremien des Bistums anmerkten. Protokolle hierüber liegen dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor.

Keine Unterstützung vom Staat

Wollte man die Hochschule gar dauerhaft aus Kapitalerträgen der Stiftung finanzieren, wäre dafür nach Schätzungen eines Experten ein Stiftungsvermögen von 300 bis 400 Millionen Euro erforderlich. Auch alle Hoffnungen auf eine staatliche Unterstützung haben sich längst zerschlagen. Von allen Seiten wurde dem Bistum bedeutet, es brauche keine weitere theologische Ausbildungsstätte. Die Universität zu Köln lehnte auch eine Kooperation ab. Der Kirchensteuer- und Wirtschaftsrat, soeben neu formiert, pochte bereits im vorigen Dezember vorsorglich auf seine Rechte, falls Woelki letztlich doch Kirchensteuermittel in die KHKT zu pumpen gedächte.

Hinzu kommt, dass Professoren der KHKT mit beamtenähnlichen Verträgen ausgestattet sind und damit nach ihrer aktiven Dienstzeit verbindliche Pensionsansprüche haben. Dafür müssten erhebliche Rückstellungen gebildet werden.

Das Erzbistum Köln müsste einspringen

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ soll aber für den Fall einer Unterfinanzierung der KHKT eine Regelung gelten, dass das Erzbistum über eine sogenannte Patronatserklärung einspringt. „Es bleibt auch niemand anderes, der die etwaigen Verbindlichkeiten übernehmen könnte“, sagt ein Experte für Kirchenfinanzen. Vor diesem Hintergrund würde die wolkige Rede des Erzbistums von der „langfristigen wirtschaftlichen Bindungswirkung“ umso plausibler.

Doch damit nicht genug: Woelki als dem Großkanzler und damit Letztverantwortlichem für die Belange der KHKT und deren Finanzierung stehen noch weitere Probleme mit seiner Hochschule ins Haus. So soll sich eine für sein Projekt strategisch bedeutende Person zusätzlich zu ihrem Dienstwagen eine Bahncard 100 bestellt haben. Dies soll im Rahmen einer Überprüfung aller Unterlagen als erstes aufgefallen sein.

Bitte um Stellungnahme unbeantwortet

Von wiederum „erheblicher, langfristiger wirtschaftlicher Bindungswirkung“ sollen bislang nicht berücksichtigte Rückstellungen auch für die Altersvorsorge der betreffenden Person sein. Als weiterer bemerkenswerter Vorgang wird aus Kirchenkreisen überdies berichtet, dass die von der betreffenden Person veranlasste anwaltliche Prüfung ihres Arbeitsvertrags vom Erzbistum bezahlt worden sei.

Vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ damit Punkt für Punkt konfrontiert, reagierte die betreffende Person nicht auf die Bitte um Stellungnahme und ließ auch allgemeinere Fragen zur KHKT unbeantwortet.

Erzbistum: Sonderprüfung noch im Anfangsstadium

Auf gleichfalls detaillierte Fragen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu den Vorgängen teilte Bistumssprecher Jürgen Kleikamp mit, er könne lediglich das in der Pressemitteilung vom 1. April Gesagte wiederholen. Den Fragen zum „Vorgang bei einer kirchlichen Stiftung“, die „sehr kurzfristig aufgetaucht“ seien, werde in einer „Sonderprüfung sehr sorgfältig“ nachgegangen. Die Prüfung befinde sich noch im Anfangsstadium. Kleikamp bat um Verständnis, „dass wir zwischendurch keine Wasserstandsmeldungen geben können“.

Angaben zu den Zeitabläufen stehen im Widerspruch zu Aussagen von Kennern des gesamten Vorgangs. „Bei der Hochschule fällt nichts erst jetzt auf“, sagte eine mit der Materie vertraute Person. „Das liegt seit Jahren auf dem Tisch. Es ist völlig unvorstellbar, dass Kardinal und Generalvikar von alledem nichts wussten.“ Woelki persönlich habe beim Aufbau der Hochschule „mächtig Druck“ gemacht.

„Das Ding ist tot“

Heute steht der Kardinal vor seiner Hochschule als einem Millionengrab. „Das Ding ist tot“, sagt ein Insider lapidar und wundert sich über die Kommunikation des Erzbistums. „Wie kann es eigentlich sein, dass man hier einen weiteren Skandal mit Ansage schafft? Die Frage, um die es jetzt geht, kann im Grunde nur noch lauten: Was kostet die Abwicklung?“

Zu diesen äußeren Turbulenzen kommt im Inneren der Bistumsverwaltung massiver Unmut über einen Mangel an Transparenz in Woelkis Agieren. Über seine Überlegungen, das Generalvikariat umzustrukturieren und damit auch eine Ablösung von Generalvikar Hofmann zu verbinden, habe Woelki in der jüngsten Konferenz der Hauptabteilungsleiter kein Wort verlauten lassen. Im Gegenteil: Bis zuletzt habe die Bistumsspitze Gerüchte über Umstrukturierungspläne bestritten.

Führungsriege erfährt Pläne aus der Zeitung

Somit erfuhr die komplette Führungsriege des Erzbistums drei Tage nach ihrem Treffen mit Woelki per Pressemitteilung und aus der Zeitung vom Umbau des Generalvikariats – einen Plan, über den Woelki sich nach eigenen Worten „während meiner Auszeit und in den vier Wochen, seitdem ich wieder die Amtsgeschäfte führe, viele Gedanken darüber gemacht“ hat.

Auch die MAV wurde nach eigenen Angaben von Woelkis Plänen überrumpelt. „Wir waren bislang… nicht beteiligt“ und „wurden vorab nicht unterrichtet“, schreibt der dreiköpfige Vorstand der Personalvertretung, „auch nicht im Rahmen kürzlich durchgeführter vertraulicher Gespräche mit Erzbischof und Generalvikar“.

Headhunter sucht Führungspersonal

Dabei begannen die Vorbereitungen für das jetzt verkündete Revirement nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ bereits im vorigen Jahr. Ein von ganz oben beauftragter Headhunter soll in anderen Bistümern auf die Suche nach geeignetem Führungspersonal gegangen sein, was früher oder später in Köln ruchbar wurde. Somit musste der eine oder andere Protagonist auf der zweiten Führungsebene damit rechnen, dass die jetzigen Positionen zum Schleudersitz werden könnten.

Bistumssprecher Kleikamp stellte das Vorgehen als völlig normal hin: „Bei der Suche nach Personen mit besonderen Qualifikationen wurden und werden immer wieder Personalberatungsagenturen eingesetzt. Auch zur Zeit sind entsprechende Agenturen mit solchen Suchen beauftragt“, teilte er auf Anfrage mit.

Im Generalvikariat grassiert das Misstrauen

Im Generalvikariat selbst verstärkte besagte Suche aber noch das ohnehin grassierende Misstrauen. In der Riege der bisherigen Hauptabteilungsleiter sollen sich auch einst loyale Funktionäre von Woelki und erst recht von Hofmann abgewandt haben. Dieser habe es sich durch eine höchst effizient aufs Exerzieren von Woelkis Wunsch und Wille fixierte Leitung mit praktisch allen verscherzt, sagt ein Kenner des Betriebs. „Es gibt praktisch keinen, der nicht auf ihn schimpft. Das hat inzwischen auch Woelki verstanden.“

Nach dem Vorbild anderer Bistümer will Woelki nun neben dem Generalvikar die neue Funktion eines „Amtschefs“ als Verwaltungsleiter einführen. Dem Vernehmen nach wird dafür eine Frau gesucht, nach dem Vorbild des Erzbistums München. Die Arbeit des Generalvikariats soll künftig auf drei Säulen aufgeteilt werden: eine für die Seelsorge, eine fürs Geld und eine für die Verwaltung.

Woelki spricht von „Systemwechsel“

Der Generalvikar, bisher in Stellvertretung des Erzbischofs der Gesamtverantwortliche, könne sich dann „deutlich besser“ als bisher „vorrangig um seine zahlreichen pastoralen Aufgaben kümmern“, argumentiert Woelki und spricht von einem „Systemwechsel“, der auch „personelle Änderungen“ erfordere.

Heißt konkret: Hofmann verliert seinen Job, und Woelki bekommt im achten Jahr seiner Amtszeit ein viertes „Alter Ego“ (zweites Ich). Diese traditionelle kirchliche Bezeichnung deutet an, wie eng die Ämter von Bischof und Generalvikar institutionell miteinander verbunden sind.

Ultimativer Akt der Ergebenheit

Die Trennung von Hofmann darf als Notmanöver des Erzbischofs zur eigenen Stabilisierung interpretiert werden. Hofmann wiederum durfte Woelkis Vorgehen in einem ultimativen Akt der Ergebenheit „mit Nachdruck“ als eine Idee ganz in seinem Sinne feiern: „Die Aufgaben in einem Generalvikariat sind so vielfältig geworden, dass ich die vorgesehene neue Aufgabenverteilung für richtig und weiterführend halte“, ließ Hofmann sich von der Pressestelle zitieren, für die er nach dem fluchtartigen Abgang von Mediendirektor Christoph Hardt kurz vor Woelkis Rückkehr selbst die Verantwortung übernehmen hatte.

„Wir schaffen Raum für mehr Kompetenz in Verwaltungsfragen und letztendlich auch mehr Transparenz“, so Hofmann jetzt. „Schließlich bin ich Theologe und kein Wirtschafts- oder Verwaltungsfachmann.“ Letzteres freilich ließe sich als neue Einsicht nur dann verkaufen, wenn man erst jetzt entdeckt hätte, dass Priester durch die Weihe nicht zu Universalgenies mit allumfassender Kompetenz werden.

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In einem Gottesdienst für alle Mitarbeitenden des Generalvikariats am vorigen Donnerstag samt anschließender Begegnung mit dem Kardinal gab es nach Angaben von Teilnehmenden nicht den geringsten Hinweis auf die am Tag danach verkündeten Reformpläne. Umgekehrt waren im Vorfeld wohl mehrere Versuche gescheitert, Mitarbeiterversammlungen für die Belegschaft abzuhalten. Die Treffen seien jeweils „einfach abgesagt“ worden. „Transparenz und vor allem Partizipation gehen anders“, so die Reaktion eines Beteiligten. Beides aber habe Hofmann den Mitarbeitenden zuvor immer wieder versichert.