Die Sopranistin Annette Dasch war der Stargast des gelungenen Abends in der Kölner Oper.
„Fest der Operette“ in der OperWürde und Frivolität in perfekter Balance

Annette Dasch und Richard Glöckner in "Eine Frau von Format"
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Erst vor einer Woche hat die Kölner Oper ihren Spielbetrieb im wiedereröffneten Haus am Offenbachplatz aufgenommen, und schon war hier ein langer Abend der Operette gewidmet. Vielleicht darf man das als gutes Zeichen werten, dass das an vielen Häusern nur mehr gering geschätzte Genre hier zukünftig wieder regelmäßig eine Heimstatt finden könnte.
Mit der Berliner Operette „Eine Frau von Format“ hatte die Kölner Oper letztes Jahr im Deutzer Ausweichquartier sogar einen überregionalen Coup gelandet. Das 1927 uraufgeführte Stück aus der Feder des völlig vergessenen Komponisten Michael Krasznay-Krausz erinnert in seiner Verflechtung von Staatsdiplomatie und Liebesdingen vage an Lehárs „Die lustige Witwe“, spielt darüber hinaus aber auch – durchaus zeittypisch – mit dem Aufbrechen von Geschlechterrollen. Das alles kommt im jazznahen und revuefreudigen Gewand der wilden Zwanzigerjahre einher, was die Kölner Produktion auch nach Kräften ausgespielt hatte.
Der Bayerische Rundfunk, genauer gesagt das Team von BR-Klassik, hat diese Ausgrabung nun mit dem „Operetten-Frosch“ bedacht, einem Preis, der jährlich für besonders herausragende Produktionen der Gattung verliehen wird. Zur Preisverleihung im Rahmen eines „Festes der Operette“ erklangen nun die besten Nummern des Stückes noch einmal in einer konzertanten Darbietung, die Adam Benzwi, Arrangeur und musikalischer Leiter der Produktion, vom Klavier aus so kompetent wie engagiert steuerte.
Katty Salié moderierte den Abend
Stargast des Abends war – wie bei den letztjährigen Aufführungen im Staatenhaus – die Sopranistin Annette Dasch, die sich auch jenseits der Szene in jedem Moment als „Frau von Format“ erwies. Sie hielt Würde und Frivolität in perfekter Balance, spielte wirkungssicher mit Textpointen und fand auch stimmlich eine gute Mischung aus sämigem Legato und flockigem Operetten-Parlando.
Den charakteristischen Wechsel von Singen und Sprechen, das schwierige Timing zwischen metrisch gebundenem und frei über den Orchesterrhythmen schlenderndem Gesang hatten auch ihre Kollegen Wolfgang Stefan Schwaiger (Bariton), Lana Westendorf (Sopran) und Richard Glöckner (Tenor) bestens im Griff – da merkte man schon deutlich, dass dieser beschwingte Abend das Nebenprodukt einer ausgiebig geprobten Inszenierung war.
Für die Verleihung des „Operetten-Froschs“ war das Team von BR-Klassik zünftig in Dirndl und Krachlederner angereist. Die launige Plauderei mit Intendant und Produktionsteam förderte zwar keine neuen Erkenntnisse zutage, passte sich aber ebenso gut ein wie die mit viel Humor und Understatement gewürzte Conférence der „aspekte“-Moderatorin Katty Salié.
Nach der Pause gab Adam Benzwi die musikalische Leitung an Johannes Witt weiter, der das Gürzenich-Orchester mit lockerer Umsicht durch eine Reihe von Schlagern der „silbernen“ Operetten-Epoche führte - von Kálmán, Künneke, Lehár und Gilbert. Hier glänzten Annette Dasch als „Csárdásfürstin“ und Wolfang Stefan Schwaiger als Staatsbeamter mit lockerer Dienstauffassung („Da geh’ ich zu Maxim“). Richard Glöckner rührte als „armer Wandergesell“ und verband sich bei charmanten Buffo-Duetten cheek-to-cheek mit der exzellenten jungen Sopranistin Lana Westendorf, Neuzugang im Kölner Opernstudio.
