Wirbel um EntertainerFoto von Harald Schmidt mit Matussek und Maaßen löst Empörung aus

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Harald Schmidt spricht im Rahmen eines Interviews mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA. (Archivbild)

Harald Schmidt spricht im Rahmen eines Interviews mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA. (Archivbild)

Wo steht Kabarettist Harald Schmidt politisch? Darüber wird nach einem Party-Foto, das den 66-Jährigen zeigt, gerätselt.

Ein Foto des deutschen Schauspielers und Kabarettisten Harald Schmidt, aufgenommen offenbar beim Sommerfest der Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“, hat in den sozialen Medien unter anderem bei Journalisten und einem Politiker teils heftige Kritik ausgelöst. Herausgeber und Chefredaktor der Zeitung ist Roger Köppel, seit 2015 zugleich Nationalrat der rechts-nationalen SVP.

Stein des Anstoßes: Die Aufnahme zeigt Schmidt mit dem ehemaligen Chef des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, und dem als kontrovers geltenden Journalisten Matthias Matussek.

Harald Schmidt feiert mit Hans-Georg Maaßen und Matthias Matussek

Letzterer hatte das Bild am Donnerstag in den sozialen Medien veröffentlicht. Es zeigt, wie das Trio offenbar bei guter Laune für das Foto posiert, Harald Schmidt steht in der Mitte und hält ein Weinglas in der Hand. „Das offizielle Foto vom Sommerfest der Weltwoche in Zürich“, schreibt Matussek dazu.

„Matthias Matussek mit Hans-Georg Maaßen und Entertainer Harald Schmidt in illustrer Runde beim Sommerfest der Weltwoche. Wir erinnern uns an eine gewisse Party mit Neonazi-Schläger Mario Müller, Erika Steinbach, Jan Fleischhauer u.a.“, schrieb Robert Fietzke, Co-Vorsitzender der Partei „Die Linke“ in Magdeburg.

Damit spielt er auf eine Enthüllung des Satirikers Jan Böhmermann an. Der hatte 2019 enthüllt, dass an Matusseks Geburtstagsfeier unter anderem ein vorbestraftes Mitglied der rechtsextremen Identitären Bewegung, die Leiterin der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung, sowie der Verleger der Wochenzeitung „Junge Freiheit“, teilgenommen hatten.

Matussek und Maaßen: Zwei Männer mit umstrittenen Ansichten

Viele Nutzer weisen indes auch auf die Positionen Matusseks hin. Der Journalist stand mehr als 25 Jahre in Diensten des „Spiegel“, vertritt heute aber Positionen der Neuen Rechten. Matussek bekannte sich öffentlich zur AfD, gab zu, „wohl homophob“ zu sein. Ihm wird unter anderem Antisemitismus vorgeworfen, auch seine Haltung zum Krieg gegen die Ukraine löste in der jüngeren Vergangenheit Kontroversen aus.

Hans-Georg Maaßen ist wegen seiner mutmaßlichen Nähe zur AfD während seiner Zeit als Präsident des Verfassungsschutzes, zweifelhafter Äußerungen zu Ausschreitungen in Chemnitz, seiner Haltung in der Flüchtlingsdebatte und diverser von ihm verbreiteter Verschwörungserzählungen ebenfalls höchstumstritten.

Harald Schmidts Nähe zu Hans-Georg Maaßen und Matthias Matussek wirft Fragen auf

Dass sich Harald Schmidt mit zwei Personen zeigt, die mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht werden, trifft in den sozialen Medien auf Unverständnis. Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer empören sich darüber, dass der Entertainer fröhlich mit den für ihre rechtspopulistischen Aussagen bekannten Männern feiert.

Die „Spiegel“-Mitarbeitenden Anton Rainer und Ann-Katrin Müller teilten das Bild als eine der ersten bei X, ehemals Twitter, und verwiesen dabei auf die jüngste Berichterstattung zu Maaßen. Damit nahmen sie Bezug auf Ermittlungen gegen den ehemaligen Chef des Verfassungsschutzes, den mutmaßliche Chat-Nachrichten mit dem Umfeld des „Reichsbürger“-Anführers Heinrich XIII. Prinz Reuß in Verbindung brachten.

Schmidt beteiligte sich unterdessen diese Woche auch am von Julian Reichelt betriebenen deutschsprachigen Onlinemedium Nius, dessen Inhalte als rechtspopulistisch und rechtskonservativ eingeordnet werden. Er war dort in einem Format von Waldemar Hartmann telefonisch zugeschaltet und sprach über die Frauen-WM.

Harald Schmidt bemängelt Political Correctness

Viele Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Medien werten Schmidts gemeinsames Foto mit Maaßen und Matussek als Verfehlung und ziehen daraus Rückschlüsse auf dessen politischen Standpunkt. In der Vergangenheit hatte Schmidt den „linksliberalen Mainstream“ kritisiert und Political Correctness bemängelt. In einem Interview mit der Funke-Mediengruppe hatte er 2019 auf Nachfrage mitgeteilt, einen Rechtsruck „nehme [er] nicht wahr“.

Das Verhalten von Gerhard Schröder in Sachen Russland bezeichnete Schmidt in einem Interview mit der österreiches Nachrichtenagentur APA im Mai 2023 als „imponierend“. Alles nur Satire? „Ich bekenne mich offensiv zum alten weißen Mann. Was du nicht kaschieren kannst, musst du ausstellen“, so Schmidt in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Einige seiner Anhänger scheinen sich spätestens seit dem nun veröffentlichten Foto mit Maaßen und Matussek abzuwenden.

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