Auch das zweite Konzert im neuen Come-Closer-Format vermag trotz eines guten Programms nicht zu überzeugen: weder konzeptionell noch gesanglich.
Liederabend in der PhilharmonieNähe allein macht noch keinen Kammermusiksaal

Konnte das neue Come-Closer-Format nicht retten: Mark Padmore
Copyright: Marco Borggreve
Das Konzept funktioniert leider nicht: Die Kölner Philharmonie wird kein Kammermusiksaal dadurch, dass man ein paar Scheinwerfer aufstellt, die – zahlenmäßig überschaubaren – Besucher auffordert, doch bitte die podiumsnahen Reihen zu füllen, und den mikrofonlosen Moderator Thomas Fiedler Entbehrliches von sich geben lässt. Nein, auch der zweite Abend des neuen Come-Closer-Formats von KölnMusik, gedacht zur Attraktivierung von Quartett-, Lied- und Kammerkonzerten, konnte nicht überzeugen. Und daraus sollte man Konsequenzen ziehen.
Es war dann an Mark Padmore, dem (von Jonathan Biss am Flügel begleiteten) Star des sonntäglichen Liederabends, das Ruder herumzureißen – aber auch das gelang nur sehr bedingt. Dies lag nicht am gut komponierten Programm: Der illustre britische Tenor hatte sich teils wenig bekannte späte (häufig um die Motive Nacht und Mond herumgebaute) Schubert-Lieder ausgesucht – und für den zweiten Teil Schumanns Andersen/Chamisso-Gesänge opus 40 und die Kerner-Lieder opus 35. Es lag auch nicht am naturgegeben begrenzten Volumen seiner Stimme – damit konnte Padmore schon immer im Prinzip gut umgehen, wenngleich es ihm jetzt der ausgezeichnete, gut pointierende, aber auch sehr selbstbewusst aufspielende Begleiter nicht immer leicht machte.
Eine adäquate Interpretation des romantischen Liedes gelingt nicht
Der Brite legt, und das erfreut durchaus, keinerlei Kammersänger-Allüren an den Tag. Nie verschwurbeln Portamenti oder starkes Vibrato die vokale Linie, er wartet mit einer hochkultivierten intellektuellen und gestalterischen Ehrlichkeit auf, die tatsächlich bemerkenswert ist. Zugleich ist Padmore ein erzählender Interpret, dem dabei seine makellose Artikulation der deutschen Texte zugutekommt. Leider reicht das für eine adäquate Interpretation gerade des romantischen Liedes nicht hin. Da bringt Padmore einfach eine Portion zu viel an Bach’schem Evangelistentum ein – für welche Partien er ja zu Recht berühmt ist. Tatsächlich ist Artikulation bei Schubert und Schumann nicht alles, sie kann auch die Phrase zerstückeln und die lyrische Aura schädigen.
Weiterhin fiel zumal bei den Strophen- und variierten Strophenliedern die vergleichsweise geringe Bandbreite der Stimmfarben und Ausdrucksmöglichkeiten auf. Die Lautstärke ging kaum über ein Mezzoforte hinaus, emotional wirkte vieles gedeckelt und gebremst. Bei Schubert war im schlechtesten Fall eine gepflegte Eintönigkeit die Folge, die sich allerdings in den Kerner-Liedern graduell verlor – hier war Padmore erlebbar in seinem Element. Aber auch hier: Dem berühmten „Wanderlied“ fehlte in den Rahmenteilen eine Ladung von jenem musikantischen Überschwang, den das Stück eigentlich braucht, während der genuin romantische Augenblick – „Da grüßen ihn Vögel bekannt über Meer“ mit der vorangehenden magischen Modulation von B- nach Ges-Dur – atmosphärisch unterbelichtet blieb.
Stimmlich bedingte Defizite blieben leider auch nicht aus: In tieferen Lagen ging die schöne Tenorstimme baden, während isolierte Spitzentöne teils mit Mühe kamen – und betont, obwohl sie auf unbetonten Silben platziert sind. Vielleicht war es auch einfach nicht Padmores Stunde – an seiner Tagesform kann ein Sänger nicht viel machen. Ganz ungewöhnlich für einen Liederabend gab es diesmal nicht eine einzige Zugabe. Waren die Interpreten vielleicht froh, das Philharmonie-Podium verlassen zu können?
