Wüst, Neubaur & CoLand zahlte 10.500 Euro für Make-up und Haare von NRW-Politikern

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Mona Neubaur (Grüne), Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, ist bei einem Empfang zu sehen, hinter ihr sind viele Lichtpunkte an der Decke zu sehen.

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) wurde in der neuen Legislatur fünf Mal auf Steuerzahlerkosten zurechtgemacht.

Die FDP räumt unterdessen ein, dass sich die Styling-Dienstleistungen auf keinem überzogenen Niveau bewegen.

Die Landesregierung hat im vergangenen Jahr rund 10.500 Euro für Make up-Artists, Visagisten oder Stylisten bezahlt. Diese und weitere ungeschminkte Zahlen stammen aus der Antwort der Staatskanzlei auf eine Kleine Anfrage der FDP im Düsseldorfer Landtag. Das noch unveröffentlichte Papier liegt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor.

Demnach gab es insgesamt 23 Aufträge – teilweise noch in der Zeit der schwarz-gelben Koalition, wo beim Schminken mehrerer „Podiumsgäste“ jedes Mal nur der damalige FDP-Minister Andreas Pinkwart als einziger namentlich genannt wird. Mutmaßlich eine kleine (Haar-)Spitze gegen die Fragesteller. Die FDP ist seit der Landtagswahl in der Opposition.

Porträtfotos für neue NRW-Minister und Staatssekretäre

Die neue Regierung zahlte dann zwischen Juni und August „Hair und Make-up“-Dienste für diverse Porträtfotos neuer Minister und Staatssekretäre. Für vier Sammeltermine schlugen so zum Beispiel 2136,10 Euro zu Buche.

Als später die offiziellen Porträtfotos von Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) gemacht wurden, kostete das 312,60 Euro für beide zusammen.

Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) taucht in der neuen Legislaturperiode am häufigsten in der Liste auf: Neben dem Porträt-Shooting wurde sie fünf Mal auf Steuerzahlerkosten zurecht gemacht, meistens zusammen mit anderen Gästen auf der Bühne.

Betreuung von Außenministerin Baerbock war Anlass der Anfrage

Hintergrund der FDP-Anfrage: Ende Dezember hatte die Bild-Zeitung über eine Stylistin berichtet, die sich um Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kümmert. Nach dem damaligen Bericht für 7500 Euro pro Monat – kein Vergleich zu den Summen, die in NRW anfielen.

Aber: Auf ihrer Website hatte die Frau als Kunden auch die Staatskanzlei NRW stehen. Das machte die Opposition im Landtag hellhörig: Unter dem Titel „Du hast die Haare schön! Stylistin in der NRW-Staatskanzlei?“ stellte die FDP eine erste Anfrage – mit überraschendem Ausgang: Die Stylistin hatte nur ein einziges Mal 2016 für die Landesregierung gearbeitet. Und zwar für die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

Auf die damalige Frage der Liberalen, wer denn so geschminkt wird, antwortete die Landesregierung unkonkret. „Regelmäßige Dienstleistungen“ gebe es nicht, die würden nur anlassbezogen gebucht. Weil keine Namen genannt wurden, legte die FDP mit der neuerlichen Anfrage nach.

„Wir sind erleichtert, dass sich der Umfang der in Anspruch genommenen Styling-Dienstleistungen nicht auf dem überzogen hohen Niveau des Bundesaußenministeriums bewegt“, so Marcel Hafke, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP im Landtag. Die Landesregierung sei aber „gut beraten, diesen Kosteneinsatz weiter kritisch abzuwägen.“

Zudem wird bei dem Vorgang mangelnde Offenheit moniert: „Wenn die Landesregierung diese Kosten früher transparent abgebildet hätte, wäre der Anschein, hier etwas vertuschen zu wollen, gar nicht erst entstanden“, so Hafke. Jetzt ist alles haarklein beantwortet. Im wahrsten Sinne des Wortes.

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