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Bützen, schunkelnAngst vor Coronavirus – kann ich bedenkenlos Karneval feiern?

5 min
Weiberfastnacht auf dem Alten Markt

Jecken feiern Weiberfastnacht auf dem Alten Markt in Köln.

  1. Karneval steht vor der Tür, gleichzeitig grassiert das Coronavirus. Das beunruhigt viele Jecken.
  2. Sind diese Bedenken begründet oder kann man sorglos durch die Straßen ziehen?
  3. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Köln – Vor dem Beginn des Straßenkarnevals in knapp einer Woche ist die Verunsicherung offensichtlich groß. Das Corona-Virus und der Karneval – passt das überhaupt zusammen? In China hat es bisher mehr als 1100 Tote gegeben. Und diese Zahlen sind nach Angaben von Experten wenig aussagekräftig. Generell wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Lage in China?

Wie die Nationale Gesundheitskommission am Mittwoch mitteilte, kamen landesweit 97 Todesfälle hinzu. Die Zahl der Ansteckungen stieg um 2015 Fälle. Sowohl der Anstieg der Todesfälle als auch der neu bestätigten Infektionen fiel offiziellen Angaben zufolge etwas niedriger aus: Am Vortag waren noch 108 Todesfälle und 2478 neue Infektionen offiziell gemeldet worden. Auf dem chinesischen Festland sind insgesamt 1113 Tote zu beklagen. Bei mehr als 44 000 Menschen ist eine Infektion mit dem Virus bestätigt, das inzwischen den Namen Sars-CoV-2 erhielt. Die von ihm verursachte Krankheit heißt  Covid-19 Der Begriff wird abgeleitet von COrona VIrus Disease.

Wie verlässlich sind diese Angaben?

Die Zahlen aus China sind wenig aussagekräftig, generell wird von Experten eine sehr hohe Dunkelziffer vermutet. So sind die Möglichkeiten begrenzt, auf das neue Virus zu testen. Verschiedene Verfahren werden  angewandt, wobei häufig auch falsche negative Ergebnisse vorkommen. Die täglich berichteten Zahlen repräsentieren laut Experten somit eher die Fähigkeiten, Fälle zu identifizieren und zu melden, als dass sie das wirkliche Ausmaß der Epidemie darstellen.

Was bedeutet das für uns in Deutschland? Können wir die jecke Zeit unbeschwert genießen oder sollten wir besser zu Hause bleiben?

„Natürlich kann man Karneval feiern“, sagt Dr. Clara Lehmann (42), Leiterin der Infektionsambulanz der Uniklinik in Köln. „Die Situation in Deutschland ist nicht so alarmierend, dass wir wegen des Corona-Virus auf das Feiern verzichten müssten. Wir haben bislang nur 16 Infektionsfälle in Deutschland. Diese Menschen waren alle in Wuhan, also vor Ort. Zwei davon hatten Kontakt mit einer Person, die infiziert war. Es muss also irgendeinen direkten Bezug zu einer Person im Großraum Wuhan geben.“ Das sei im Karneval mit Sicherheit nicht der Fall. „Da ist die Influenza wesentlich gefährlicher als das Corona-Virus“, sagt Lehmann.

Was sagt das Festkomitee Kölner Karneval?

Es geht ganz gelassen mit dem Thema Corona-Virus um. „Für den Fall der Fälle sind wir sehr gut vorbereitet“, sagt FK-Präsident Christoph Kuckelkorn. Eine Woche vor Weiberfastnacht gebe es keinen Grund zur Panik. Es gebe auch kein offizielles Bützverbot oder Ähnliches. „Natürlich kommen sich die Menschen im Karneval näher als sonst – zum Beispiel beim Schunkeln“, heißt es in einer Stellungnahme. 

Haben das Corona-Virus und die Influenza irgendetwas gemeinsam?

Über das Corona-Virus sei bisher wenig bekannt, sagt Clara Lehmann. „Wir wissen zum Beispiel noch nicht, wie häufig es zu Symptomen kommt, wenn man damit infiziert ist.“ Nicht jeder Träger des Corona-Virus erkranke. Das sei bei der Influenza anders. „Da erkrankt man auf jeden Fall. Bei Corona ist das wahrscheinlich nicht so. Wir wissen das aber noch nicht genau, weil wir das Virus erst seit wenigen Wochen kennen.“

Wie viele Menschen haben sich in Köln bisher mit der Grippe angesteckt?

Laut Gesundheitsamt wurden in Köln bis zum gestrigen Donnerstag 734 Nachweise von Influenza gemeldet, davon 166 in der vergangenen Woche. Diese Zahlen decken sich mit dem deutschlandweiten Trend. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) sei die Influenza-Saison mit der zweiten Kalenderwoche gestartet. „Wir befinden uns mitten in einer Welle der echten Virus-Grippe, die noch zunehmen wird“, sagt Professor Dr. Gerhard A. Wiesmüller, Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Köln.

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Macht es Sinn, sich jetzt noch gegen Influenza impfen zu lassen?

„In jedem Fall“, sagt Wiesmüller. Dies gelte vor allem für Risikogruppen, wie Schwangere, Personen mit Grunderkrankungen und Personen ab einem Lebensalter von 60 Jahren. Als optimaler Zeitpunkt für eine Impfung gelten Oktober und November. Ihren Höhepunkt erreicht die Grippe-Welle üblicherweise nach dem Jahreswechsel. „Bis Mitte März wird die Influenza auftreten. Wenn impfen, dann jetzt“, ergänzt Dr. Clara Lehmann. Die Impfung sei der beste Schutz.

In der Grippe-Saison 2018/2019 (1. Oktober 2018 bis 30. September 2019) wurden in Köln insgesamt 1767 Fälle registriert, in der Saison 2017/2018 waren es 3119 Fälle. Bundesweit wurden seit Jahresbeginn nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) mehr als 20 000 Influenza-Fälle nachgewiesen.

Die schlimmste Grippe-Welle registrierte das RKI in der Saison 2017/18. Damals starben bundesweit rund 25 100 Menschen, ein extremer Wert. Das war die höchste Zahl seit Mitte der 1980er Jahre. Zum Vergleich: 2018/19 gab es lediglich 954 Todesfälle.

Welche Risiken bringt die Grippe-Impfung mit sich?

Die Impfung kann keine Grippe-Erkrankung auslösen. „Das wird häufig verwechselt. Es kann höchstens zu einer Immun-Reaktion kommen“, sagt Dr. Lehmann. „Der Körper reagiert darauf. Aber das ist ja gut so. Die richtige Influenza dauert drei Wochen. Man kann davon sterben.“ Man dürfe einen grippalen Infekt nicht mit der richtigen Grippe, der Influenza, verwechseln. „Deshalb spreche ich grundsätzlich von der Influenza-Impfung. Das ist eindeutig.“ Die Impfung bedeute keinerlei Einschränkungen. „Man darf danach Sport treiben und auch Alkohol trinken.“

Wie überträgt sich das Influenza-Virus?

Es kann durch winzige Tröpfchen übertragen werden, etwa beim Niesen, aber auch beim Sprechen oder Husten. Eine Übertragung ist auch durch Händeschütteln möglich und natürlich durch Hand-Mund- und Hand-Nase-Kontakt. Wissenschaftler unterscheiden mehrere Virus-Typen, für Menschen besonders relevant sind die saisonal auftretenden Influenza A- und B-Viren.

Bützchen im Karneval bergen also eine hohe Ansteckungsgefahr?

„Das sollte man besser lassen“, rät Dr. Lehmann. Übervorsichtig müsse man aber auch nicht sein. Das Tragen eines Mundschutzes „verringert das Risiko einer Ansteckung nicht, sofern man selbst gesund ist“.

Was sind die klassischen Anzeichen für die Influenza?

Sie beginnt oft plötzlich. Zu typischen Symptomen zählen Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Glieder- und Kopfschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Die Grippe kann zur Verschlechterung chronischer Erkrankungen führen, und es kann zu Komplikationen wie Lungen- oder Herzmuskelentzündung kommen, deren Spätfolgen tödlich sein können. 

Wie kann man sich außer mit einer Impfung sonst noch schützen?

Um eine Weiterverbreitung zu verhindern, sollten beim Husten und Niesen der Mund und die Nase mit der Ellenbeuge bedeckt werden, heißt es in einer Empfehlung des Gesundheitsamts der Stadt Köln. Papiertaschentücher sollten verwendet und nach einmaligem Gebrauch entsorgt werden. Regelmäßiges Händewaschen senkt das Risiko der Weiterverbreitung. Außerdem schützt es gesunde Personen vor Ansteckung. „Die Hände-Hygiene ist das Allerwichtigste“, sagt Dr. Clara Lehmann. „Das gilt für alle Viren, die die Atemwege betreffen.“ (mit dpa)