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Smartphone-App Mit dem Handy zur modernen Kunst

Annäherung an Roy Lichtenstein: Beatrice Faust lässt sich im Museum Ludwig von Poptalk das Bild „Frolic“ erklären. (Bild: Krasniqi)

Annäherung an Roy Lichtenstein: Beatrice Faust lässt sich im Museum Ludwig von Poptalk das Bild „Frolic“ erklären. (Bild: Krasniqi)

Innenstadt – „Öl auf Magna“ steht auf dem kleinen Schild neben einem riesigen Werk Roy Lichtensteins im Museum Ludwig, das ich seit längerem betrachte. Doch - was ist eigentlich Magna? Die Frage wird jetzt per Knopfdruck beantwortet. Zum ersten Mal ist in der deutschen Museumslandschaft ein Projekt realisiert worden, das den Besucher aktiv in das Kunsterlebnis einführt und mitgestalten lässt. Poptalk ist mehr als nur ein neuartiger Museumsführer, er ermöglicht es, Fragen in ein interaktives Internet-Forum zu stellen, die von anderen Nutzern oder der Kunstexpertin Jana Kimmel-Schlott beantwortet werden.

Neben der Frage und Antwort-Funktion bietet Poptalk aber noch mehr: Direkt kann der Kunstfreund Informationen über das Werk aufrufen oder sie sich über die Audioguide-Taste erzählen lassen. Poptalk ist ein interaktiver Museumsführer, den man als App oder als Internetseite direkt auf einem Smartphone mit in die Ausstellung nehmen kann. „Das Museum hat einen klaren Bildungsauftrag, den wir mit der neuen Webtechnologie erfüllen möchten“, sagt René Siem, der das Konzept entwickelt hat. Siem sieht durch die Integration von Poptalk in die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter eine Chance, junge Menschen für die Kunst zu begeistern.

Besuch mit Poptalk

Als Mitarbeiterin der „Junge Zeiten“-Redaktion habe ich den Sprung gewagt und mir die Ausstellung, ausgestattet mit einem iPhone, mit Hilfe von Poptalk angeschaut.

Alles zum Thema Museum Ludwig

Magna erfahre ich, sind terpentinlösliche Acrylfarben. Sobald dies geklärt ist, schaue ich mir das Werk „Frolic“ an, eine nackte Frau am Strand. Als ich weitere Informationen über das Werk aufrufe, erfahre ich zum Beispiel, dass die Frau ihre Schambehaarung auf dem Rücken trägt. Was für mich wie eine leichte Behaarung im Lendenbereich aussah, ist viel mehr. Durch die Verdrehung wird ein Bezug zu René Magritte hergestellt, der sich mir als Laie nie erschlossen hätte. Außerdem verweist Lichtenstein durch eine angeschnittene Sprechblase am oberen Bildrand auf die Kunst der Comics.

Neben den Gemälden hängt ein kleines Zeichen, an dem ich erkennen kann, ob das Werk in Poptalk aufgeführt ist. Das Zeichen muss ich in einer Liste von zehn Werken finden. Nicht ganz einfach, weil die Bilder recht klein sind. Doch ich werde fündig und stelle mich vor das imposante Werk mit dem Titel „Laocoon“. Warum mir das Bild irgendwie bekannt vorkommt, erfahre ich im Forum, das ich über die Dialogtaste aufrufe. Viele scheinen das Bild aus ihrem Lateinunterricht zu kennen. Die Expertin beantwortet schnell die Frage, was das Bild im Lateinbuch zu suchen hat. Laokoon war ein Priester in der Antike, der mit seinen Söhnen von Seeschlangen gewürgt wurde. Eine Geschichte, die von Vergil aufgegriffen wurde. Für mich sah der junge Mann zwischen den grünen Schlangen eher wie ein gequälter Adonis aus. Gut, dass es Poptalk gibt.