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Start-Up gegründet Münstereifeler mit innovativer Idee für mehr Klimaschutz im Garten

Franz Lagier und Nils Nettersheim

Kleine Geräte zur Herstellung von Pflanzenkohle wollen Franz Lagier und Nils Nettersheim produzieren.

Bad Münstereifel – Der Anspruch ist hoch, das Konzept vielversprechend. „Wir wollen die Gärten Deutschlands grün halten“, so die Ansage von Franz Lagier. Konsequent, dass die Firma, die er mit seinem Kompagnon Nils Nettersheim gegründet hat, „Keep it grün“ heißt. Mit ihrem Ansatz, kleine Öfen für den Hausgebrauch zur Erzeugung für Pflanzenkohle zu bauen, konnten sie bei der Zwischenprämierung des AC²-Gründungswettbewerbes überzeugen und den ersten Platz beim Publikumspreis belegen.

Wer Lagier und Nettersheim über Pflanzenkohle sprechen hört, spürt die Faszination, die die beiden 28-jährigen Unternehmer für das Produkt hegen. Dabei ist das Prinzip schon lange bekannt und wird bereits in vielen Ländern der Welt eingesetzt. Neben vielen Vorteilen gilt es aber vor allem als aussichtsreicher Ansatz, um Kohlendioxid zu binden und dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Pflanzenabfälle werden verkohlt

Alles zum Thema Klimawandel

Das Prinzip ist einfach: Pflanzenabfälle werden, ähnlich wie in einem Holzkohlemeiler, verkohlt und können anschließend vielfältig eingesetzt werden, als Bodenverbesserer, Tierfutterkohle, Wasserfilter und sogar als Brennstoff. „Die funktioniert super als Grillkohle, besser als gekaufte“, schwärmt Lagier.

Pflanzenkohle

So sieht die Pflanzenkohle aus.

Auf die Pflanzenkohle kamen die Freunde unabhängig voneinander. Lagier stieß im Rahmen seines Studiums auf das Thema und widmete ihm seine Bachelorarbeit. Nettersheim lernte sie auf Reisen in Australien und Neuseeland kennen, wo er sich mit Permakultur beschäftigte. Kennengelernt haben sich Lagier und Nettersheim bereits in der Grundschule in Arloff. Erst im Studium trennten sich zwischenzeitlich die Wege: Während Lagier in Bonn Agrarwissenschaft studierte, schloss Nettersheim in Arnheim sein Studium der Psychologie und Entrepreneurschaft ab.

Kohlendioxid bleibt für mehr als 100 Jahre im Boden

Besonders um den Boden zu verbessern, sei Pflanzenkohle gut geeignet. „Die Kohle speichert Nährstoffe und Wasser und gibt sie bei Bedarf an die Umgebung ab“, erläutert Lagier. So könnten Pflanzen Dürreperioden, die im Klimawandel häufiger zu befürchten seien, besser überstehen. Bevor die Kohle in den Boden eingearbeitet werden kann, müsse sie aber quasi wie eine Batterie mit Dünger aufgeladen werden, da sie ansonsten dem Boden erst einmal Nährstoffe entziehen würde.

Weitere Infos

Tipps zum Nachmachen

Auf der Website ihrer Firma „Keep it grün“ ist nicht nur Pflanzenkohle das Thema. Nils Nettersheim und Franz Lagier informieren dort auch in Podcasts und Videos über nachhaltiges Gärtnern. „Permakultur ist einer der wichtigsten Punkte“, so Lagier. Während er die Themen eher von der wissenschaftlichen Seite als Theoretiker angehe, könne Nettersheim dazu immer wieder Beispiele aus der Praxis anbringen und hilfreiche Tipps geben.

Der Gründungswettbewerb

An verschiedene Zielgruppen richten sich die Wettbewerbe, die unter dem Titel „AC2 Quadrat“ ausgeschrieben sind. Zum einen gibt es den Gründungswettbewerb, bei dem eine Geschäftsidee mit Unterstützung eines Mentors zu einem Businessplan ausgebaut wird. Außerdem gibt es die Wachstumsinitiative, in der bestehende Unternehmen Unterstützung zur Entwicklung und Umsetzung einer nachhaltigen Wachstumsstrategie erhalten. Mit Veranstaltungen zu den Themenbereichen Marketing, Personal und Finanzierung werden die Teilnehmer weitergebildet und können Hilfe von Beratern bekommen. Aus den eingereichten Unterlagen werden in jedem der beiden Wettbewerbe je zehn Betriebe nominiert.

Zu den Nominierten im Gründungswettbewerb zählt aus dem Kreis Euskirchen nicht nur „Keep it grün“, sondern auch „Horeca Marketing“ von Sonja Kloos, die Hoteliers dabei unterstützen will, ihre Direktbuchungen zu erhöhen. In beiden Wettbewerben werden je drei Pläne ausgezeichnet und mit Geld- und Sachspenden prämiert. Veranstalter der Wettbewerbe ist die Gründerregion Aachen.

Die fertigen Businesspläne im Gründungswettbewerb müssen am Montag 21. März eingereicht werden. Am Dienstag, 10. Mai, findet eine Jurysitzung statt, bei der sich die Nominierten beider Wettbewerbe präsentieren. Die Preisverleihung ist für Juni geplant.

Doch was Pflanzenkohle klimatologisch interessant macht, ist die Tatsache, dass das gebundene Kohlendioxid dem Weltklima für lange Zeit entzogen wird. „Das Kohlendioxid bleibt dann für 100 bis 200 Jahre im Boden“, so Nettersheim. Deshalb wirke die Pflanzenkohle als Kohlendioxidsenker. „Das Thema ist weltweit im Kommen“, sagt Lagier. Ein Nachteil sei allerdings, dass bisher nur in großtechnischen Anlagen produziert werden könne. Deshalb haben sie einen Pflanzenkohleofen entworfen, mit dem auch kleine Mengen Bioabfall verkohlt werden können.

Das Herstellungsverfahren nennt sich Pyrolyse und ähnelt einem Meiler, in dem Holzkohle entsteht. In den modernen Öfen werden allerdings die entstehenden Gase aufgefangen, so dass sie praktisch rauch- und geruchslos arbeiten. „Das ist nachbarschaftsfreundlich“, so Nettersheim.

Kleingartenanlagen als Zielgruppe

Das von Nettersheim und Lagier entworfene Modell ähnelt einer Regentonne mit Schornstein. „Die Technik steckt im Inneren“, verrät Lagier. Ein Teil des Materials wird in einem separaten Fach in Brand gesteckt und verkohlt innerhalb weniger Stunden den Rest. „Was übrig bleibt, ist zu 95 Prozent Kohlenstoff“, erläutert Lagier.

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Um die technischen Fragen zu lösen, haben sich die beiden Jungunternehmer nach mehreren Versuchsreihen mit einem Ingenieurbüro zusammengetan. „Im Augenblick entsteht der erste Prototyp“, informiert Lagier. Wann das Produkt marktreif ist, steht noch nicht fest.

Es soll jedenfalls nicht nur den Heimanwender ansprechen. „Wir setzen auf Nachhaltigkeit und wollen nicht, dass der Ofen nur einmal im Jahr verwendet wird und ansonsten herumsteht“, so Lagier. Dagegen seien Nachbarschaftsinitiativen oder Kleingartenanlagen die Zielgruppe, die sich die Anwendung teilen. „Ab etwa einem Hektar Fläche lohnt sich so ein Ofen“, hat er berechnet.