Die Gemeinde Kall will an der Auelstraße einen zweigruppigen Kindergarten einrichten. Träger der Einrichtung soll die Caritas Lebenswelten sein.
Für zwei Millionen EuroEin Wohnhaus in Kall wird mit Anbau zu einem Kindergarten

Die Visualisierung zeigt den neuen Kindergarten mit dem geklinkerten Altbau (l.) und dem verputzten Neubau.
Copyright: Büro Sampels & Schlich Ingenieure
„Wir sind ein wenig geschockt von der Summe“, meinte Bert Spilles (CDU) im jüngsten Bauausschuss. Mehr als zwei Millionen Euro sollen die Sanierung eines Wohngebäudes an der Auelstraße und der Umbau zu einem Kindergarten kosten. Davon muss die Gemeinde 500.000 Euro übernehmen. Trotz der Bauchschmerzen wegen der Kosten wurde die Entwurfsplanung am Ende für die weiteren Planungsphasen freigegeben. Nur die Fraktion von Grünen und Linken stimmte dagegen.
An dem ehemaligen Einfamilienhaus in der Auelstraße soll ein Anbau errichtet und anschließend ein zweigruppiger Kindergarten eingerichtet werden. Das knapp 1400 Quadratmeter große Grundstück samt einer gut 150 Quadratmeter großen Wegefläche hatte die Gemeinde bereits 2024 gekauft. „Die Liegenschaft an der Auelstraße wurde erworben, weil ein Mehrbedarf an Kita-Betreuungsplätzen bestand.
Ursprünglich war eine eingruppige Einrichtung geplant, die in dem Bestandsgebäude ohne größere Umbaumaßnahmen realisierbar gewesen wäre“, erklärte Markus Auel, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, warum dieses Gebäude und dieses Grundstück genommen wurden. Im Zuge des weiteren Planungsprozesses habe die Kaller Politik aber beschlossen, die Einrichtung um eine weitere Gruppe zu erweitern und dafür einen Anbau zu errichten.
LVR hat eine Betriebserlaubnis in Aussicht gestellt
Die Trägerschaft der neuen Einrichtung soll die Caritas Lebenswelten GmbH übernehmen, die in Kall auch schon die integrative Kindertagesstätte St. Nikolaus betreibt. Die Verwaltung hatte bereits im Vorfeld bei der zuständigen Genehmigungsbehörde des Kreises Euskirchen eine Bauvoranfrage eingereicht.
Die teilte mit, dass das Projekt bauplanungsrechtlich zulässig sei. Anschließend wurde in Abstimmung zwischen der Verwaltung und der Caritas ein erster Entwurf erarbeitet und dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), der für die Erteilung der Betriebserlaubnis zuständig ist, vorgelegt.

Das ehemalige Wohnhaus hatte die Gemeinde bereits 2024 gekauft, um darin einen Kindergarten unterzubringen.
Copyright: Wolfgang Kirfel
Der nun vorliegende Entwurf sieht eine zweigruppige U3-Kindertageseinrichtung vor, für die der LVR nach Angaben der Verwaltung grundsätzlich eine Betriebserlaubnis in Aussicht gestellt hat.
„Wir haben bei der Planung nur die Minimalanforderungen des LVR berücksichtigt“, betonte Nico Schlich vom Büro Sampels & Schlich Ingenieure aus Mechernich. Vorgesehen seien zwei Gruppenräume mit Nebenräumen. Außerdem sind ein multifunktionaler Mehrzweckraum, eine kleine Ausgabeküche, Schlafraum, Personalräume, Bürobereich und WC-Anlagen vorgesehen. Für Barrierefreiheit sorgen zwei Rampenanlagen am Eingang und am Zugang zum rund 400 Quadratmeter großen Spielgelände.
Holzfassade des Hauses in Kall wird durch Klinkerriemchen eresetzt
Weil sich das Grundstück innerhalb des Überschwemmungsgebietes der Urft befindet, musste der geplante Erweiterungsbau zudem mit der Unteren Wasserbehörde des Kreises Euskirchen abgestimmt werden. Um den Verlust an Retentionsfläche auszugleichen, wird ein Gründach angelegt. „Der Neubau wird ferner unterhalb des Gebäudes mit Flutrohren versehen, damit das Wasser durchströmen kann“, so Schlich. Der Raum dazwischen werde aufgeschottert.
Auf dem Bestandsgebäude soll eine PV-Anlage installiert werden. Die vorhandene Holzfassade des Hauses wird zurückgebaut und durch Klinkerriemchen ersetzt. Der Neubau erhält eine Putzfassade.
Bei der Haushaltsplanung 2026 waren die Baukosten auf 1,7 Millionen Euro geschätzt worden. Abzüglich von Mitteln aus dem Wiederaufbau (340.000 Euro) und dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz/290.000) hätte der Eigenanteil der Gemeinde bei rund 1,1 Millionen Euro gelegen.
Eigenanteil der Gemeinde hat sich um 500.000 Euro reduziert
Nun hat sich der Anteil auf gut 500.000 Euro reduziert, obwohl die Kostenschätzung auf knapp zwei Millionen Euro gestiegen ist. Der Hintergrund: Die Finanzierung wurde in Abstimmung mit dem LVR und dem Kreis Euskirchen noch einmal geändert, wodurch sich der Anteil der Kommune verringert hat. Das Projekt wird jetzt aus Kibiz-Mitteln (1,5 Millionen Euro) und dem Eigenanteil der Gemeinde (500.000) finanziert. Wiederaufbaumittel sind nicht mehr eingeplant.
„Die höheren Kibiz-Mittel liegen darin begründet, dass nun mehr Kinder die Einrichtung besuchen werden, als bei der Haushaltsplanung gedacht wurde“, betonte Kämmerer Markus Stoff. Nina Pützer, Teamleiterin Kindergärten bei der Gemeinde, betonte, dass der Kibiz-Zuschuss sicher sei.
Voraussichtlich im Herbst 2026 soll mit der Maßnahme begonnen werden. Schlich geht von einer Bauzeit von eineinhalb Jahren aus. „Wir liegen mit den Erwerbskosten weit über zwei Millionen Euro. Beim Kauf des Hauses sind wir damals von anderen Voraussetzungen ausgegangen“, sagte Spilles. Mit der zweiten Gruppe schieße man über das Ziel hinaus. „Mit dem gleichen Geld hätten wir auch außerhalb des Flutgebiets eine Einrichtung bauen können.“ Der Ausschussvorsitzende Dr. Manfred Wolter (FDP) sprach in dem Zusammenhang von einer „Kröte, die man schlucken müsse“.
„Wir haben im Moment in der Gemeinde zwar sinkende Kinderzahlen. Wir wissen aber auch, dass es in der größten Kita in der Hüttenstraße Sanierungsbedarf gibt. Deren Kinder müssen dann irgendwo hin“, meinte Bürgermeister Emmanuel Kunz. Das müsse auch berücksichtigt werden. „Die höheren Kosten sind dem Standort geschuldet“, sagte Daniel Knopf von der Fraktion Grüne und Linke. Man sehe den Bedarf für eine weitere Kita, halte den Standort aber für falsch.
