Historischer Lokschuppen der Eisenbahnfreunde Euskirchen war Station der vom Museumsbahnhof Ahütte organisierten Studientage.
Lokschuppen EuskirchenBeim „Krokodil“ geraten alle in Verzückung

„Das ist das Krokodil!“, entfährt es Thomas Schweres (r.). Er und Sascha Herring bewundern die E94 im Lokschuppen, die aufgrund ihrer Beweglichkeit dank zweier Gelenke zwischen den Vorbauten und dem Hauptbau von den Eisenbahnfans den Reptilienspitznamen bekommen hat.
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Nach wie vor ist unklar, wie es mit dem historischen Lokschuppen in Euskirchen weitergeht. Der Verein der Eisenbahnfreunde Euskirchen hat notdürftig ausgebessert, was möglicherweise sonst die Schließung der aus dem Jahr 1885 stammenden denkmalgeschützten preußischen Halle bedeuten würde. Jetzt wurde die Halle für Eisenbahnfreunde auf einer Besichtigungstour geöffnet.
Marcel Roels blickt nach oben: „Da haben wir im Januar und Februar 14 Glasplatten durch Holzplatten ersetzt. Die waren gerissen, und wenn das baufällig geworden wäre, hätten wir überhaupt nichts gewonnen.“ Was er meint, ist die Glashaube auf der preußischen Lokhalle von 1885, die der Verein von der DB angemietet hat. Und es geht ihm um den Erhalt eines Baudenkmals und um eine Unterstellmöglichkeit für historische Lokomotiven – kurz: um ein wichtiges Stück Euskirchener Industrie- und nicht nur regionaler Eisenbahnhistorie.
Sanierung hängt von der Deutschen Bahn ab
Doch was unter Denkmalschutz steht, ist deshalb nicht dem Zahn der Zeit entzogen – es muss erhalten werden. Also sahen sich die Vereinsmitglieder genötigt, selbst aktiv zu werden, und stiegen ihrer Halle aufs Dach. Nur: Wie geht es weiter?
Mittlerweile sei ein Finanzierungskonzept – auch für die Sanierung der Glasplattenhaube – erstellt, so Roels: „80 Prozent der Kosten könnten von der Denkmalschutzbehörde kommen, die Stadt Euskirchen als Untere Denkmalschutzbehörde hat ihre Unterstützung bei der Geldersuche signalisiert.“ Doch 20 Prozent müsste wohl der Eigentümer, die Deutsche Bahn, zahlen. Das hatte Klaus Voussem, CDU-Landtagsabgeordneter, der oft ein offenes Ohr für die Unterstützung von Ehrenamtlern im Kreisgebiet hat, schon vor zwei Jahren mitgeteilt. Voussem will sich um Landesunterstützung kümmern.

Station eins einer Rundreise zu alten und neueren Loks in historischen Betriebsgebäuden der Bahn: Die Teilnehmenden der „Studienreise“ des Museumsbahnhofs Ahütte vor dem preußischen Lokschuppen in Euskirchen.
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Nun liege es an der DB, „entsprechende Förderanträge zu stellen“, so Roels weiter. Denkbarer Ansprechpartner könnte da auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sein, die die Sanierung von Industriedenkmälern unterstützt.
Gäste kamen mit dem Schienenersatzverkehr
Das alles interessierte bei ihrem Besuch die Teilnehmenden der dreitägigen „Studientage“ des Museumsbahnhofs Ahütte in Rheinland-Pfalz, nahe der Grenze zu NRW, eigentlich nur am Rande. Unter der Leitung des dortigen Vereinsvorsitzenden Andreas Kurth waren sie mit dem Schienenersatzverkehr, auf der Eifelstrecke der Bahn nach wie vor nichts Neues, nach Euskirchen gekommen. Vor dem Lokschuppen warteten sie auf die Führung durch Hallenwart Roels auf der ersten Station ihrer Rundfahrt zu weiteren Betriebsgeländen von Eisenbahn-Enthusiasten.

Die KÖF II, eine Kleinlokomotive mit Öl-(Diesel)-Motor und Flüssigkeitsgetriebe, wurde als Rangierlok eingesetzt. Der Verein der Eisenbahnfreunde pflegt auch sie mit Liebe zum Detail.
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„Ja, das ist das Krokodil!“ Thomas Schweres aus Wattenscheid steht staunend vor einer blau lackierten E94-Diesellok, die er sofort erkennt: Blau lackiert, weil sie zuletzt bei den ÖBB im Einsatz war, statt „Nattergrün“ wie ursprünglich für die Deutsche Bundesbahn. Von der E94 gebe es nicht mehr viele Exemplare, staunt auch Gerd Leuther aus Reetz, der sich als „bekennender Oldtimerfan, ob Pkw oder Eisenbahn“ vorstellt.
Besucher durften sich ins Führerhaus der alten Diesellok setzen
Das, was dieses „Krokodil“ so unverkennbar macht, sehen die beiden sofort: flache, kastenartige Vorbauten vorne und hinten mit großen Lüftungsgrillen an den Seiten, und vor allem zwei Gelenkverbindungen zum Hauptbau der E94. Sie machten die Lok „so beweglich wie eine Straßenbahn“, meint Thomas Schweres. Und das Wichtigste sei ja, „in welch tollem Zustand nicht nur die E94, sondern alle Loks hier sind“, so sein Lob. Schweres hat den Kennerblick, wehrt sich aber dagegen, deshalb ein „Nietenzähler“ zu sein, wie die „Erbsenzähler“ unter den Eisenbahnfreunden genannt werden.

Der enge Gang zur Antriebstechnik der 111-Diesellok.
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Schweres, Leuther und auch Sascha Herring aus Mechernich – „die E94 ist der Traum jedes Modelleisenbahnbauers“ – umrunden das „Krokodil“ und klettern dann einer nach dem anderen in den engen Führerstand einer auf dem Nebengleis geparkten roten Diesellok der Baureihe 111 aus dem Jahr 1974. Immerhin 160 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit erreichte sie. Schweres quetscht sich den schmalen Gang neben der Dieseltechnik entlang. „Das ist hier wie im Film ,Das Boot', fehlt nur noch das Kommando zum Anblasen“, schmunzelt der Eisenbahnfreund aus dem Ruhrgebiet.
"Zucker-Susi" gehört zu den Stars im Euskirchener Lokschuppen
Zu den Stars im Euskirchener Lokschuppen gehört neben dem „Krokodil“ aber vor allem eine beige-ozeanblau lackierte, 2500 PS starke Diesellok der 218-Baureihe, die auch auf der Eifelstrecke Köln-Trier gefahren ist. Und natürlich die „Zucker-Susi“. Die 27 Tonnen schwere Dampfspeicherlok war im August 2025 spektakulär auf dem Tieflader vom Betriebsgelände der Zuckerfabrik von Pfeifer & Langen durch die halbe Innenstadt vor den Lokschuppen neben dem Euskirchener Bahnhof gebracht und dort auf einem toten Gleisstück abgestellt worden.

Die „Zucker-Susi“, einst Betriebslok bei Pfeifer & Langen, steht für Euskirchens Industriegeschichte.
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Noch bis 1983 war „Zucker-Susi“ als Rangierlok für Zuckerrüben und Betriebsstoffe im Einsatz. Sie ist eine Stiftung der Stadt Euskirchen an die Eisenbahnfreunde. „Das ist alles nur Mechanik, wunderbar“, staunt Gerd Leuther beim Blick in den engen Führerstand der Lok. In die Kabine ragt der voluminöse Wasserkessel.
Knapp eine Stunde dauerte an diesem Tag der Aufenthalt der Eisenbahnfreunde in Euskirchen. Dann ging es im Reisebus weiter zum historischen Stellwerk in Witterschlick bei Bonn, zum Bahnhof Asbach der einstigen Brölthaler Eisenbahn-Actien-Gesellschaft, der von einem Betreiberverein seit Jahren originalgetreu wiederaufgebaut wird, und schließlich zu einer Lagerhalle bei Bonn. Hier konnte man in einem Wagen der früheren Linie 14 der „Bönnche Bimmel“ genannten Straßenbahn Platz nehmen.
Lok könnte wieder aufs Schienennetz gehen
Der preußische Lokschuppen in Euskirchen war da schon lange wieder verschlossen. Nur für Führungen und Veranstaltungen wird er geöffnet. Denn für Gäste steht noch nicht einmal eine Toilette zur Verfügung. Da müsse man eben das mobile WC vor der Halle nutzen, das eigentlich für die Busfahrer des ÖPNV gedacht sei, heißt es.
Auch da besteht also Handlungsbedarf. Ähnliches haben die Vereinsaktiven mit der Sanierung des aus den 1930er-Jahren stammenden, nachtblauen Schlaf- und Wohnwagens der damaligen Reichsbahn vor. Der diente bis zur Verfrachtung an seinen jetzigen Standort als Unterkunft für Gleisarbeiter. Ausrangiert gammelte er jahrelang vor sich hin.
Wer aber meint, im alten Lokschuppen gebe es nur Historisches zu sehen, der irrt. Nicht nur die 218-Lok ist ja „jederzeit betriebsbereit, die hat auch noch genug Öl“, so Marcel Roels. Die Lok könnte über den vorhandenen Gleisanschluss der Halle wieder aufs Schienennetz gehen. Die KÖF II, eine Kleinlokomotive mit Öl-(Diesel)-Motor und Flüssigkeitsgetriebe, wurde wiederum vor allem als Rangierlok eingesetzt. Ein anderes Modell der an „Emma“, die Lok von „Lukas, dem Lokomotivführer“ aus Michael Endes Bestseller erinnernden KÖF, ist bis heute als Zugmaschine der Inselbahn auf Wangerooge im Einsatz.
