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Burscheider versucht vier Tage langVergebliche Odyssee zum Corona-Impftermin

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Die Seite für den Impfservice bereitet derzeit viel Kummer.

Burscheid – Wolfgang Brost ist aufgebracht. Der Burscheider Schiedsmann erlebte jetzt eine private Odyssee, als er seine 87 Jahre alte Mutter für einen Termin zur Corona-Schutzimpfung anmelden wollte.

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Seit Montag war er im Netz und kam nicht zum Ziel. Gestern dann habe sich die Homepage www.116117.de auf einmal erstaunlich schnell aufgebaut. Aber seine Hoffnung sei eben so schnell enttäuscht worden: Alle Termine seien bis Juli vergeben gewesen. Danach sei es nicht weiter gegangen.

Nervenzerren vor dem Bildschirm

Gleichzeitig zum Nervenzerren am Bildschirm hatte er es über die Hotline am Telefon versucht und kam auch dort gestern durch. Einen einzelnen Termin hatte die Dame am Telefon. Aber auch sie musste ihn enttäuschen: Buchen hätte sie den Termin bei der Datenverarbeitung im System nur können, wenn sie auch den Folgetermin gehabt hätte.

Nach Gummersbach und Leverkusen verwiesen

Solche gab es nicht mehr. Brost erfuhr, dass er mit einem privat über die Homepage vereinbarten Termin mit seiner Mutter zum Impfen fahren könne, dort gebe es automatisch einen Termin für die zweite Impfung. Über die Hotline sei das aber nicht buchbar. Seine Ansprechpartnerin verwies ihn daraufhin nach Leverkusen und Gummersbach. Dort erhielt er die gleiche Info. Und er erfuhr, dass es derzeit sinnlos sei, es zu versuchen. Ab Montag habe er vielleicht mehr Glück.

Ministeriumssprecher sind ratlos

„Ich war vier Tage vergeblich an der Terminvergabe dran und hatte endlich das Gefühl, dass es jetzt klappt. Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas mit einem Computersystem im Jahr 2021 passieren kann.“ Das Presseteam beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Düsseldorf räumte gestern Fehler ein, Brost sei absolut kein Einzelfall: „Wir verstehen den Unmut, sind aber keine Informatiker und geben das an das zuständige Unternehmen weiter.“

Das versuche die Fehler schnellstmöglich zu beheben. Jeder erhalte einen Impftermin, versprach man im Ministerium. Montag solle man es noch einmal versuchen, dann bestünden wieder Chancen. Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Berlin – sie steht im Impressum der Seite www.116117.de – schiebt man den Schwarzen Peter auf die Tochterfirma, die kv-digital. Wolfgang Brost kann die Panne nicht nachvollziehen und zieht den Vergleich zu einem Billigflieger, der vor der Corona-Krise und den Lockdowns immer wieder Sonderangebote auf den Markt geworfen habe: „Alle hatten auf die Tickets Zugriff; auch aus dem Ausland und alle konnten bedient werden. Das waren womöglich Millionen Zugriffe.“ Die für die Corona-Schutzimpfung genutzte Software versage völlig.

Land sollte über Panne besser informieren

Brost ist der Ansicht, dass NRW-Gesundheitsminster Karl-Josef Laumann und Landesvater Armin Laschet die Problematik offen kommunizieren müssten. „Es tut den Menschen nicht gut, wenn sie weiter frustriert sind.“ Für eine gehbehinderte Seniorin sei es kein Leichtes, aber er hätte auch Ausweichtermine in Leverkusen oder Gummersbach angenommen und seine Mutter gefahren. „Aber was ist mit den vielen Senioren, die nicht auf die Hilfe von Kindern und Enkeln zurückgreifen können?“