Beim Sommerferienzirkus in Opladen wachsen Kinder über sich hinaus. Marie (12) ist eine der Teilnehmerinnen.
Ferienzirkus in OpladenMarie überwindet ihre Höhenangst in der Manege

Haben nach wenigen Tagen schon viel am Trapez gelernt (v.l. oben): Marie, Isabel, Angelika und Clara. Auf der Kugel rechts sitzt Hannah.
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Marie kann es kaum erwarten. Barfuß klettert die Zwölfjährige auf die Trapezstange, kurz darauf wird sie gemeinsam mit drei anderen Mädchen in die Höhe gezogen. Stolz zeigt sie, was sie in den vergangenen Tagen gelernt hat. Das Zirkuszelt auf dem Awo-Gelände am Berliner Platz in Opladen ist an seiner höchsten Stelle sechs Meter hoch. Für Marie fühlte sich das anfangs gewaltig an, denn sie hat eigentlich Höhenangst.
Genau solche Momente sind es, die Felix Piepenbrock antreiben. Der 41-Jährige ist Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins Familienarena und hat den Ferienzirkus gemeinsam mit den Zirkuspädagogen Sarah und Markus Bothe vom Kinderzirkus Marsa sowie der Awo initiiert hat. Die Arbeiterwohlfahrt stellt das Gelände zur Verfügung und täglich ein frisches Mittagessen auf den Tisch. Die ausgebildeten Zirkuspädagogen sowie fünf Betreuer kümmern sich um das Training und den sicheren Aufenthalt der Kinder.
Manege statt Ferienbetreuung
Die Idee entstand aus eigener Erfahrung: Piepenbrocks drei Kinder begeisterten sich schon früh für den Zirkus. Vergleichbare Ferienangebote gab es in Leverkusen jedoch kaum. Weil zunächst die nötige Unterstützung seitens der Stadt fehlte, fand der Ferienzirkus 2024 und 2025 am Altenberger Dom in Odenthal statt. In diesem Sommer schlägt der Kinderzirkus erstmals sein Zelt in Opladen auf. „Wir waren von Anfang an voll ausgebucht und hatten lange Wartelisten“, sagt Piepenbrock.
Die Eltern sitzen mit Gänsehaut und teilweise Tränen in den Augen vor Freude, wenn sie ihren Nachwuchs in der Manege sehen
Maximal 50 Kinder können pro Woche teilnehmen. Der Ferienzirkus findet in den Sommerferien zwei Wochen lang montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr statt, samstags folgt die Abschlussvorstellung für die Familien. Teilnehmen können Kinder ab der zweiten Klasse bis zum 13. Lebensjahr. Eine Woche inklusive Mittagessen kostet 239 Euro. „Die Eltern nehmen das Angebot für ihre Kindern gern an, weil sie entweder nicht in den Urlaub fahren oder arbeiten müssen“, weiß Piepenbrock.
Auch Marie wäre gern in den Urlaub gefahren, doch die Eltern hätten kurzfristig absagen müssen. Stattdessen ergatterten Marie und ihre Schwester zwei der letzten Plätze im Ferienzirkus. Zu Beginn dürfen alle Kinder in die verschiedenen Zirkusdisziplinen hinein schnuppern – vom Drahtseil, Kugellaufen über Luftakrobatik bis zur Clownerie und Fakirkunst. Anschließend entscheiden sie sich für eine Disziplin, die sie bis zur Aufführung trainieren.
Dass sich die zwölfjährige Marie ausgerechnet für die Luftakrobatik entscheiden würde, hätte sie selbst nicht gedacht. „Ich musste mich überwinden“, erzählt sie. Die Höhenangst sei zwar noch da, aber längst nicht mehr so groß. „Wenn ich im Tuch hänge oder auf dem Trapez stehe, schaue ich nicht nach unten, sondern nach oben oder ins Publikum.“ Halt gibt ihr ihre Trainingspartnerin, auf sie könne sie sich verlassen.
Kinder wachsen über sich hinaus
Für Zirkuspädagoge Markus Bothe ist genau das das Besondere: „Die Kinder lernen hier Dinge, die man im Alltag nicht macht“, sagt der 34-Jährige. Gerade schüchterne Kinder blühten im Laufe der Woche auf und entdeckten Fähigkeiten, die vorher kaum jemand an ihnen gesehen habe. Besonders freue ihn, dass viele Kinder jedes Jahr aufs Neue wiederkämen. „Wir werden nach und nach eine Zirkusfamilie, und es entwickeln sich Freundschaften.“
Was Marie bei der Abschlussvorstellung zeigen wird, hat sie ihren Eltern bewusst nicht verraten. Die Nummer soll eine Überraschung bleiben. „Ich glaube, sie werden stolz auf mich sein. Das ist etwas Großes für mich“, sagt sie. Initiator Piepenbrock kennt die Reaktionen im Publikum: „Die Eltern sitzen mit Gänsehaut und teilweise Tränen in den Augen vor Freude, wenn sie ihren Nachwuchs in der Manege sehen.“
Ehrenamtliche Helfer gesucht
Neben vier Zirkuspädagogen unterstützen derzeit fünf Ehrenamtliche die Betreuung und das Training der Kinder. Für kommende Projekte sucht die Familienarena weitere Helferinnen und Helfer ab 14 Jahren. Sie erhalten eine Ehrenamtspauschale von mindestens 30 Euro pro Tag. Interessierte können sich per E-Mail melden.
info@familienarena.de
