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Beratungsstellen am Limit620 Leverkusener Kinder von Schulden ihrer Eltern betroffen

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Der Sozialdienst Katholischer Männer Leverkusen an der Rat-Deycks-Straße 15 in Opladen bietet wöchentlich eine Akutsprechstunde für Schuldner an.

Der Sozialdienst Katholischer Männer Leverkusen an der Rat-Deycks-Straße 15 in Opladen bietet wöchentlich eine Akutsprechstunde für Schuldner an.

Immer mehr Leverkusener suchen wegen finanzieller Notlagen Hilfe, Schuldnerberatungen stoßen dabei zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen.

Frau M. ist alleinerziehend und und lebt mit zwei Kindern in Leverkusen. Nach einer Trennung geriet sie zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten: Die Mahnungen wurden mehr, Briefe landeten ungeöffnet in einer Schublade. Das Konto wurde gepfändet, die Miete kann nicht mehr bezahlt werden. Frau M. wendet sich an eine der drei kostenlosen Schuldnerberatungsstellen in Leverkusen. Innerhalb weniger Wochen schaffte sie es, ihre finanzielle Situation zu stabilisieren.

Fälle wie die der alleinerziehenden Mutter sind in Leverkusen längst keine Ausnahme mehr, im Gegenteil: Die Nachfrage nach Schuldner- und Insolvenzberatung steigt weiter an. Das geht aus dem Jahresbericht 2025 der Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen von AWO, Diakonie und Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) hervor, den die Träger jetzt vorgestellt haben. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 982 Menschen beraten – 56 mehr als noch 2024.

Besonders alarmierend: Von den finanziellen Problemen waren 620 Kinder unmittelbar mitbetroffen. „Die Beratung ist wichtiger geworden als jemals zuvor“, sagt Sven Smit, Fachleiter der Schuldnerberatung vom SKM. Die offenen Sprechstunden seien regelmäßig ausgelastet, Wartelisten gehörten inzwischen zum Alltag. Immer häufiger kämen Menschen in existenziellen Notlagen in die Beratungsstellen. „Wir sind oft die erste Anlaufstelle für Familien, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Situation bewältigen sollen.“

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Wenn Schulden zur Existenzfrage werden

Die Ursachen für Überschuldung haben sich dabei kaum verändert. Trennung, Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder gescheiterte Selbstständigkeit gehören weiterhin zu den häufigsten Auslösern. Reines Konsumverhalten spiele dagegen eine deutlich geringere Rolle, betonen die Berater. „Wenn die meisten Menschen wegen unvernünftigen Konsums bei uns landen würden, würde ich diesen Beruf nicht gern machen“, sagt Klaus Meier, Schuldnerberater von der AWO.

Besonders sichtbar wird die Entwicklung bei den sogenannten P-Konto-Bescheinigungen. 910 dieser Bescheinigungen stellten die Beratungsstellen 2025 aus. Sie sorgen dafür, dass Menschen trotz einer Kontopfändung weiterhin über einen geschützten Teil ihres Einkommens verfügen können, um Geld für Miete, Strom, Lebensmittel oder Medikamente zu verwenden. Je mehr Menschen im Haushalt leben, desto höher ist der Betrag. „Die gestiegenen Zahlen sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass es vielen Menschen schlechter geht“, sagt Sven Smit. „Viele wissen gar nicht, welche Rechte sie haben und dass ihnen trotz Pfändung ein geschützter Betrag zusteht.“

Die Schuldnerberater aus Leverkusen schlagen Alarm (v. l.): Thomas Raddatz (Diakonisches Werk), Sven Smit (SKM) mit Kollegin Gabriele Schwiperich und Klaus Meier (AWO).

Die Schuldnerberater aus Leverkusen schlagen Alarm (v. l.): Thomas Raddatz (Diakonisches Werk), Sven Smit (SKM) mit Kollegin Gabriele Schwiperich und Klaus Meier (AWO).

Wie wichtig die Arbeit der Beratungsstellen inzwischen geworden ist, zeigen weitere Zahlen aus dem Bericht. In 67 Fällen konnte ein Wohnungsverlust verhindert werden, 28 drohende Energiesperren, also das Abstellen von Strom und Wasser, wurden abgewendet. Zudem begleiteten die Berater 368 Insolvenzverfahren – ein erneuter Anstieg um 30 Fälle gegenüber dem Vorjahr. Die hohe Nachfrage hat weitere Folgen: Während die meisten Menschen in akuten Notlagen meist kurzfristig Unterstützung erhalten, zum Beispiel bei der wöchentlichen offenen Sprechstunde, müssen sie auf reguläre Beratungstermine inzwischen deutlich länger warten.

Warum immer mehr Aufklärung an Schulen nötig wird

„Vor einem Jahr lagen die Wartezeiten noch bei etwa vier Wochen“, berichtet Teamleiter Thomas Raddatz vom Diakonischen Werk. „Heute müssen Menschen teilweise bis zu zwei Monate auf einen regulären Termin warten.“ Schon jetzt sei absehbar, dass sich die Situation in diesem Jahr weiter verschärfen könnte. Mehr Personal wäre aus Sicht aller drei Träger dringend notwendig. Gleichzeitig versuchen die Beratungsstellen, die vorhandenen Kapazitäten möglichst effektiv einzusetzen. Neben der klassischen Beratung gewinnt deshalb die Prävention zunehmend an Bedeutung: Gemeinsam haben die drei Träger im vergangenen Jahr 44 Veranstaltungen durchgeführt und dabei 1444 Leverkusener Schüler und junge Erwachsene erreicht. In den Workshops geht es um den Umgang mit Girokonten, Verträgen, Online-Shopping und Bezahldiensten wie Klarna oder PayPal.

„Viele Jugendliche schließen heute eigenständig Verträge im Internet ab und nutzen Angebote wie ‚Kaufe jetzt, bezahle später‘, ohne die Folgen genau zu kennen“, sagt Schuldnerberater Marvin Schröder, der regelmäßig Schulen besucht. Besonders soziale Medien würden den Konsumdruck erhöhen: Eine junge Auszubildende hatte durchs Shoppen Schulden in Höhe von rund 6000 Euro angehäuft. Mit Hilfe der Schuldnerberatung und mehreren Nebenjobs versuche sie so, mit Ratenzahlungen einer Privatinsolvenz zu entgehen.

Trotz aller Herausforderungen erleben die Berater ihre Arbeit als sinnstiftend: „Jeder zweite Klient verlässt die Beratung mit einem besseren Gefühl, als er gekommen ist“, sagt Thomas Raddatz. Es sei wichtig, den Menschen wieder Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu geben. Bei der alleinerziehenden Mutter Frau M. aus Leverkusen seien die Schulden nicht über Nacht verschwunden. In der Regel werden die Schuldner sechs bis acht Monate begleitet, um den Weg in ein selbstbestimmtes und finanziell aufgeklärtes Leben nachhaltig zu gewährleisten.


Hier bekommen Sie kostenfreie Hilfe

AWO Schuldnerberatung: Tannenbergstraße 66, 51373 Leverkusen (Küppersteg), sb@awo-beratung-lev.de, 0214/60 27 456.

Diakonisches Werk – Schuldnerberatung: Pfarrer-Schmitz-Straße 9, 51373 Leverkusen, thomas.raddatz@diakonie-leverkusen.de, philipp.hacklaender@diakonie-leverkusen.de, 0214/382 730.

Sozialdienst Katholischer Männer, Schuldnerberatung, Rat-Deycks-Str. 15–17, 51379 Leverkusen, smit@skm-leverkusen.de, 02171/399480. (chb)