Für Klaus Kleine liegen Landwirtschaft, Handwerk und Kunst nah beieinander. In „Fallowland“ zeigt er, was entsteht, wenn Materialien ihre gewohnte Form verlassen.
Ausstellung „Fallowland“ in LeverkusenWenn Stahl wieder weich wird

Aus Lehm entstehen bei Klaus Kleine wandelbare Formen auf einem Jutegerüst.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Ein weißer Teppich liegt auf dem Boden der Remise im Museum Morsbroich. Darüber und darauf: Stahl, Seile, Lehm, Holz, Beton, Kunststoff und Fundstücke aus der Landwirtschaft. Klaus Kleine hat den Teppich ausgelegt, um sich den Raum anzueignen. Dazu kommt eine eigene Deckenbeleuchtung. Mit wenigen Eingriffen verändert der Künstler den Charakter des historischen Ortes. „Ich wollte Weichheit in den Raum bringen“, sagt Klaus Kleine. Die Arbeiten spielen mit Gegensätzen: hart und weich, schwer und leicht, Natur und Industrie, Gebrauch und Skulptur.
Klaus Kleine ist im Sauerland aufgewachsen, in Rhonard bei Olpe. Dort leben nur rund 50 Menschen. Sein Vater war Landwirt. Zunächst trat auch Klaus Kleine in seine Fußstapfen, bevor er Kunst studierte. Noch heute arbeitet der 52-Jährige auf einem rund 230 Jahre alten Hof. Der Bezug zur ländlichen Umgebung ist in der Ausstellung spürbar. Ein längliches Holzstück erinnert an ein Joch, das Zugtiere im Nacken trugen, um einen Pflug oder Wagen zu ziehen. Die Zinken eines Traktor-Frontladers hat Klaus Kleine bereits vor Jahrzehnten gesammelt. Dinge, die einmal eine konkrete Aufgabe hatten, werden zu Teilen einer neuen, offenen Form. „Aus dem ganzen Umfeld nehme ich Materialien und kombiniere sie zu etwas Neuem.“
Aus dem ganzen Umfeld nehme ich Materialien und kombiniere sie zu etwas Neuem.
Gut zu sehen ist dies bei einer Arbeit aus Seil und Stahl. Ein echtes Seil diente als Vorlage. Klaus Kleine übernahm dessen Wölbung und ließ den Bogen aus Stahl nachbauen. „Es macht total Spaß, das echte Seil so hart werden zu lassen und den Stahl weich werden zu lassen.“ Die Form des Seils ist noch da, seine Materialität aber ist eine andere. Erst beim genaueren Hinsehen löst sich die Täuschung auf. Die echten Seile in der Installation sind keine Spielerei. Sie halten die Konstruktion zusammen.
Viele der Werke sind für Klaus Kleine nicht endgültig abgeschlossen. Sie können in einer anderen Ausstellung anders aufgebaut, ergänzt oder weiterbearbeitet werden. „Lebendige Arbeiten“ nennt er sie. Der Titel der Ausstellung, „Fallowland“, bedeutet „Brachland“ – ein Boden, der nicht bewirtschaftet wird, damit er sich erholen kann. Ein Zustand des Dazwischen: nicht mehr genutzt, aber auch nicht aufgegeben.

„Es macht total Spaß, das echte Seil so hart werden zu lassen und den Stahl weich werden zu lassen“, sagt der Künstler über die Installation.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Besonders deutlich wird dieser Gedanke bei den Arbeiten aus Lehm. „Lehm ist das älteste Material“, sagt Klaus Kleine. Den Lehm trägt er auf ein Gerüst aus Jute auf und verändert die Oberfläche immer wieder. Das Material bleibt dabei bearbeitbar, die Form offen.
Klaus Kleine interessiert sich dabei für die Eigenschaften der Materialien und dafür, wie sich ihre Wirkung verändern lässt. „Ich versuche, ihm eine Weichheit in der Form zu geben“, sagt er über das harte Material. Auch das Innere seiner Arbeiten bleibt nicht verborgen. „Hier kann man auch reinschauen und hat eine zweite Form“, erklärt der Künstler. Manchmal ist zunächst gar nicht eindeutig, was man vor sich hat: eine Verhüllung, eine Hülle oder etwas, in dem sich noch ein weiteres Material verbirgt. Für Klaus Kleine bedeutet Arbeiten mit Material auch, etwas freizulegen. „Freilegen, meint auch im Kopf freilegen“, ergänzt Susanne Wedewer-Pampus vom Kunstverein Leverkusen. Was zunächst verborgen oder selbstverständlich erscheint, soll dabei eine andere Betrachtung ermöglichen.

Den Lehm trägt der Künstler auf ein Gerüst aus Jute auf und verändert die Oberfläche immer wieder.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Aus etwas Bestehendem etwas Neues zu machen, ist ein wiederkehrendes Prinzip in Klaus Kleines Arbeiten. Dafür muss er das Ausgangsmaterial nicht immer sichtbar lassen. Bei einer Arbeit mit den Spuren von Holzwürmern überträgt er die Oberfläche eines Holzstücks in ein völlig anderes Material: Beton. Die Löcher und Unebenheiten des Holzes finden sich so eins zu eins in der neuen Form wieder.

Bei dieser Skulptur trifft Erde auf Plastikfolie.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Bei einer anderen Skulptur erwärmt Klaus Kleine Kunststofffolie und verändert dadurch ihre Form. Erde trifft auf Plastik, geschmolzenes Wachs auf andere Materialien. Vieles entsteht dabei durch Ausprobieren: Kleine wandelt um, lässt anfertigen und bessert nach. Selbst wenn eine Konstruktion bereits steht, wird noch einmal genau hingesehen. Bei einem Seil bemerkt er: „Das steht noch ein bisschen zu sehr in eine Richtung.“
Klaus Kleine – „Fallowland“: Die Ausstellung ist vom 17. September bis 18. Oktober 2026 in den Remisen von Schloss Morsbroich zu sehen. Die Eröffnung findet am 17. September um 19:30 Uhr statt.
