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„Desire Path“Junge Kunst nimmt in Leverkusen ihren eigenen Weg

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Gemeinsam auf neuen Wegen: Juliana Paek, Nathalie Sofie Schulz, Markus Henschler, Michael M.C. Driesch, Elif Aydin und Gamze Can.

Gemeinsam auf neuen Wegen: Juliana Paek (v.l.), Nathalie Sofie Schulz, Markus Henschler, Michael M.C. Driesch, Elif Aydin und Gamze Can.

Drei Hochschulen, drei junge Künstler und Künstlerinnen, zwei Orte:„Desire Path“ bringt Nachwuchskunst und Museumssammlung auf neue Wege.

Ein Weg entsteht nicht nicht immer dort, wo er auf dem Plan eingezeichnet ist. Manchmal entscheiden Gewohnheiten, Zufälle oder eine Abkürzung darüber, wohin wir gehen. „Desire Path“ heißt die neue Ausstellung die teilweise im Museum Morsbroich und in den Räumen des Kunstverein Leverkusens stattfindet. Der Begriff bezeichnet die Trampelpfade, die entstehen, wenn Menschen einen anderen Weg nehmen als den vorgegebenen. 

Für die Ausstellung ist das auch ein passendes Bild für eine ungewohnte Zusammenarbeit. Studierende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Peter Behrens School of Arts der Hochschule Düsseldorf und der Kunstakademie Düsseldorf haben sich zusammengetan, um gemeinsam eine Ausstellung zu entwickeln. Normalerweise begegnen sich die drei Hochschulen im Studium eher selten. Nun wählten die Studierenden Werke aus der Sammlung des Museums Morsbroich aus, stellten Bezüge her und entschieden darüber, wie diese präsentiert werden. 

Auch für das Museum ist die Zusammenarbeit mehr als eine klassische Ausstellung. Der Proberaum im Museum Morsbroich ist genau dafür gedacht, neue Formen der Präsentation auszuprobieren. Die Studierenden durften dort aus der bestehenden Sammlung Werke auswählen und diese in Bezug zu ihren eigenen Arbeiten setzen. „Das ist ja auch erst mal ein Experiment, wenn ein paar Studierende um die Ecke kommen und sagen: Wir wollen hier was machen“, sagt Natalie Sofie Schulz. Dass das Museum und der Kunstverein sich darauf eingelassen haben, ist für die Studierenden nicht selbstverständlich.

Drei Kunstschaffende drei Wege

Juliana Paek beschäftigt sich mit Veränderung und Vergänglichkeit. Ihre Arbeiten sind häufig körperlich und materiell zugleich. Oberflächen oxidieren, Formen verändern sich. Im Proberaum trifft ihre Arbeit „Unidentified K, No. 1“ auf eine Fotografie von Manabu Yamanaka aus der Serie „Gyathei Gyathei #2“ von 1995. Darauf ist eine alte Frau zu sehen. Auf Juliana Paeks Bild wird die innere Struktur eines weiblichen Körpers sichtbar. 

Manabu Yamanaka hatte die Frauen, die er fotografierte, über längere Zeit betreut und ihr Vertrauen gewonnen. Sie stimmten den Aufnahmen für eine medizinische Dokumentation zu, wussten aber nicht, dass ihre Körper später als Kunst öffentlich gezeigt werden sollten. Die Fotografie berührt Juliana Paek auch auf einer persönlichen Ebene. „Als Mixed-Race-Person musste ich bei dem Bild immer an mich selbst und an meine Mutter denken“, sagt sie.

Ihr Körperbild zeigt keine passive Figur, sondern eine verletzliche und zugleich widerständige Präsenz. Es geht nicht mehr nur darum, wie ein Körper betrachtet wird, sondern auch darum, wer über diesen Blick bestimmt. Auch Juliana Paeks „Bune-Maske, Gen. 3“ wirft einen ähnlichen Gedanken auf. Rost verändert hier die Oberfläche und macht neue Prozesse sichtbar.

Juliana Paek arbeitet mit vielen unterschiedlichen Materialien wie Metall, Kunstharz aber auch Kaffee oder Redbull.

Juliana Paek arbeitet mit vielen unterschiedlichen Materialien wie Metall, Kunstharz aber auch Kaffee oder Redbull.

Bei Markus Henschler führt der Weg zunächst in den Kopf. Seine Arbeit „werknetz“ ist eine großflächige, handgezeichnete „Mindmap“ – eine Art Landkarte, auf der seine Gedanken geordnet sind. Worte, Linien, Pfeile und kleine Skizzen verbinden sich miteinander. Ein Gedanke führt zum nächsten, biegt ab, nimmt eine Abkürzung und landet an einer ganz anderen Stelle. Er hat sich intensiv mit Leverkusen beschäftigt, mit Bayer, dem Bayer-Kreuz und der Geschichte des Konzerns. Ihn interessieren dabei auch die Fragen, die hinter solchen großen Strukturen liegen: Wer entscheidet über einen Ort? Wie stark prägt ein Unternehmen eine Stadt? 

Für seine Auswahl aus der Sammlung hat Markus Henschler nicht nur nach direkten Bezügen zu Leverkusen gesucht. Interessant wurde für ihn die Frage nach Stillstand und Wandel. In Jürgen Tellers „My Mother, Father and Me“ steht die Mutter am Grab des Vaters, während im Hintergrund Bagger zu sehen sind. Das Grab markiert das Ende eines Lebens, die Bagger einen Ort, der sich weiter verändert. Zugleich erzählt die Fotografie von persönlichen Wegen.

Die Arbeit werknetzt von Markus Henschler besteht aus Worten, Gedanken und kleinen Skizzen.

Die Arbeit werknetzt von Markus Henschler besteht aus Worten, Gedanken und kleinen Skizzen.

Einfach niemals ankommen

Bei Michael M. C. Driesch führt der Blick nach draußen, in den öffentlichen Raum und in die Geschichte von Orten. Einen Teil seiner Präsentation bilden Fotografien aus dem Düsseldorfer Stadtarchiv, darunter Aufnahmen der ehemaligen Gerresheimer Glashütte. Mehrsprachige Schilder auf Deutsch, Italienisch und Kroatisch erzählen dabei fast nebenbei von Arbeitsmigration und davon, wie unterschiedlich ein Ort geprägt werden kann.

Der kleine Bahnanzeiger von Michael M.C. Driesch steht für Bewegung, Orientierung und die Erwartung an zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort anzukommen.

Der kleine Bahnanzeiger von Michael M.C. Driesch steht für Bewegung, Orientierung und die Erwartung an zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort anzukommen.

Eine zweite Arbeit führt zurück ins Jahr 2008. Damals fotografierte Driesch auf der Nordbahntrasse in Wuppertal. Im Mittelpunkt stehen kleine, alltägliche Dinge, die mit Bewegung und Unterwegssein zu tun haben. Dazu gehören Halteschlaufen aus einer Straßenbahn, aber auch eine zusammengeschnittene Originaldurchsage. Dazu kommt der kleine originale Bahnanzeiger „Einfach niemals ankommen“. Ein Gegenstand, der eigentlich Orientierung geben soll, wird zum Bild für die Unsicherheit des Unterwegsseins. Nicht immer läuft eine Verbindung so, wie sie auf dem Plan steht. Als Gegenstück hat Driesch Georg Baselitz’ Zeichnung „Die Brücke“ ausgewählt. 

Am 20. August wird „Desire Path“ im Museum Morsbroich eröffnet. Im Kunstverein Leverkusen ist die Ausstellung bis zum 30. August zu sehen, im Proberaum des Museums bis zum 6. Januar.


Desire Path: 20. bis 30. August 2026: Kunstverein Leverkusen 20. August 2026 bis 6. Januar 2027: Museum Morsbroich, Proberaum, Öffnungszeiten: Kunstverein Freitag 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr, Museum: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr Eröffnung: 20. August, ab 19.30 Uhr Begleitprogramm: 27. August, 17.30 Uhr: Kunstbar mit Rundgang, Artist Talks, Sound von und mit DJ MC Driesch und Gesprächen und Drinks. 2. Oktober: Spezialprogramm zur Kunstnacht, freier Eintritt. 18. Oktober: Spezialprogramm zum Familientag.

Mehr Informationen finden Sie hier: www.museum-morsbroich.de

Kuratorinnen: Nathalie Sofie Schulz, Gamze Can, Elif Aydin, Sabrina Görlich Ausstellungsdesign: Pia Koop, Elisa Stellmach Künstler: Markus Henschler, Juliana Paek, Michael M. C. Driesch