Der Veteranen-Club ist 30 Jahre alt. Das wollten viele feiern: Der Pattscheider Bahnhof wurde zu einem Paradies für Liebhaber alter Motorgefährte.
OldtimertreffenDer schönste Stau von Leverkusen

Viele Autos, viele Menschen: Das Oldtimer-Treffen in Pattscheid war ein echtes Fest.
Copyright: Thomas Käding
Olaf Küster kommt am Sonntag gar nicht hinterher mit dem Anreichen von Schildern. In der Zufahrt zum alten Pattscheider Bahnhof staut es sich. Die 30. Auflage des Veteranentreffs ist überaus gut besucht. 150 bis 200 Schaulustige drängen sich um historisches Blech. Und so wird es noch mal besonders eng. Das liegt natürlich auch daran, dass der Verkehr nach hinten nicht abfließen kann. Die Straße endet in einer Sackgasse, auch wenn es dort sehr schön grün ist. Das perfekte Biotop für Traktoren. Natürlich nur alte. Oder ganz alte.
Bei Betrachtung dieser besonderen Spezies der Fahrzeuggeschichte fällt auf, dass die Größenexplosion hier noch frappierender ist als bei Personenwagen. Der Bautz AS 120 sieht fast wie ein Spielzeug aus. Der Motor dieses Nutzfahrzeugs aus der Mitte der 1950er-Jahre entwickelt ganze 14 PS. Die Angabe prangt stolz seitlich an der Motorhaube. Ob das für die Zeit viel war oder nur für schwäbische Verhältnisse – der Firmensitz war Saulgau? Egal, heute würde man damit nicht mehr klarkommen.
Schräg gegenüber steht ein D25S von Deutz, selbstverständlich luftgekühlt. „Dorfkind“ steht in Frakturschrift an der Seite, nur dass kein Zweifel aufkommt. Auf einem ordentlichen Oldtimer-Treffen mit Traktoren-Beteiligung dürfen natürlich auch die Ackerschlepper von Porsche nicht fehlen. Die leuchten auch in einem an einen Ferrari gemahnenden Rot. Vor allem, wenn der Lack schön poliert ist, wie das bei einem Exemplar der Fall war.
Traktoren sind nur ein Teil der Schau
Aber auch wenn’s Pattscheid war: Traktoren waren mitnichten in der Überzahl. Vielmehr gab es jede Menge Motorräder und Personenwagen zu sehen. Vor allem Letztere aus Zeiten, als Karosserien noch wesentlich individueller gestaltet wurden als heute. Das galt sogar für die 70er- und 80er-Jahre-Fraktion, die mit einem Ford Capri und einem sehr fein herausgeputzten Opel Ascona vertreten war. Brot-und-Butter-Autos, zweifellos: trotzdem unverwechselbar.
Das gilt natürlich auch für den Alfasud. Der war von Anfang an eine berüchtigte Rostlaube. Umso erstaunlicher, dass ein Exemplar, Baujahr 1983, bis heute konserviert werden konnte. Eine typische Rostblüte unterhalb der Windschutzscheibe machte ein vorbeischlendernder Kenner natürlich auch sofort aus.
Italiener aus den 70ern scheinen manchmal standfester zu sein. Ein rotes Lancia Fulvia Coupé von 1970 belegte das. Damals reichten 1300 Kubik und zwei Solex-Doppelvergaser für 88 PS. Damit war man 165 Kilometer schnell – bei einem Leergewicht von 960 kg. Neben Porsche-Traktoren gab es natürlich auch allerlei Elfer aus verschiedenen Epochen des glorreichen Sport-Coupés aus Zuffenhausen. 70er, 80er und auch ein Exemplar der noch nicht so aufgeblasenen Baureihe 964 war zu bewundern. Der Vergleich zeigte aber auch hier: Die Autos wurden von Baureihe zu Baureihe dicker.
Die 1950er Jahre waren glorreich
Furore machte auch ein Topolino aus den 50er-Jahren. Es war die Kombiversion. Wer heute den Fiat 600 danebenstellt, erkennt praktisch überhaupt keine Ähnlichkeit: Der Wagen von heute ist ungefähr viermal so groß.
Unter die Rubrik Brot und Butter fällt die neueste alte Errungenschaft von Olaf und Rita Küster allerdings nicht: Der Opel Olympia von 1952 als seltenes Cabriolet ist ein Traum – und wahrscheinlich auch ein Kindertraum von Olaf Küster. Der Vorsitzende des Veteranenclubs war drei Jahre alt, als der Opel in Rüsselsheim vom Band lief. Am Sonntag hatte das Auto noch rote Nummernschilder. Seit Montag trägt das Auto H-Kennzeichen: für historische Automobile.
Gleich am Eingang ließ sich die Geschichte eines kaum jüngeren offenen Daimler nachvollziehen: Baujahr 1953. Der sah schlimm aus, als ihn der heutige Besitzer im Garten des ersten Käufers fand: „völlig zugewachsen“, stand auf einem Zettel an der Windschutzscheibe. Gleich neben der Bitte: „nicht am Lack packen“. Nach 3000 Arbeitsstunden war das Auto restauriert. Das hat 70 Monate gedauert. Hilfe kam in Sachen Motor, Lackierung, Verchromen, Leder und Verdeck. Die Maschine hat knapp 2,2 l Hubraum, deswegen Mercedes 220. 80 PS wurden daraus mobilisiert.
Das sah ein paar Dekaden später beim Benz auch schon anders aus. Der 280 E aus der W123-Serie hatte natürlich richtig Power. Passend zur Zeit: die gehäkelte Klorolle auf dem Brett, das man damals Hutablage nannte. Oft zu Recht.
Die Küsters sind jedenfalls sehr glücklich mit dem Oldtimer-Treffen. Aber im nächsten Jahr wollen sie es doch wieder im kleineren Rahmen veranstalten. So schön der Pattscheider Bahnhof ist: Die Organisation ist aufwendig, auch wegen der Bürokratie. Auf dem eigenen Grundstück an der Burscheider Straße allerdings ist die Staugefahr nicht kleiner. Aber wo gilt das nicht in Leverkusen?
