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24 Stunden in LeverkusenHollywood, Handball und Heidschnucken

8 min
Aufs Bild kommt's an: Das Kinopolis in Leverkusen setzt auf Lasertechnik.

Aufs Bild kommt's an: Das Kinopolis in Leverkusen setzt auf Lasertechnik.

Für unsere Serie „24 Stunden in Leverkusen“ besuchte unser Reporter den Wildpark Reuschenberg. das Kinopolis in Wiesdorf und die Werkselfen des TSV.

Wenn am Nachmittag für viele Menschen so langsam der Feierabend näher rückt, haben andere noch gut zu tun. Ein Besuch im Wildpark Reuschenberg, im Kinopolis und bei den Werkselfen vom TSV Bayer 04.


Die Serie

Leverkusen ist eine lebendige Stadt, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Für unsere Serie „24 Stunden in Leverkusen“ verbringen unsere Reporter aufgeteilt auf mehrere „Schichten“ einen ganzen Tag in der Stadt, um herauszufinden, was sich in den Leverkusener Stadtteilen abspielt, egal, ob Tag oder Nacht. Heute geht es um die Zeit zwischen 15 Uhr und 20 Uhr. (nip)

0 bis 4 Uhr: Wenn es nachts in Quettingen nach frischem Brot riecht

4 bis 8 Uhr: Während die erste Fähre ablegt, bruzelt schon der Fleischkäse

8 bis 12 Uhr: Kühlakkus für Kaninchen und Rushhour in der Kantine

12 bis 16 Uhr: Wie sich eine Taxigenossenschaft gegen Uber wehrt


15 Uhr: Melissa Heider kommt zum Verwaltungsgebäude am Eingang des Wildparks Reuschenberg nicht allein. Sie hat Angel dabei. Angel ist ein Frettchen, das es sich wahlweise auf Heiders Schulter oder ihrem Arm bequem macht. Jedenfalls scheint es dem Tier zu gefallen, dass es sich nicht im Gehege mit seinen Artgenossen befindet, sondern mit Melissa Heider eine Runde durch den Park drehen darf. Die Biologin, die im Opladener Tierpark als Tierpflegerin arbeitet, übernimmt heute die Stachelschweinfütterung.

Melissa Heider hatte bei der Stachelschweinfütterung das Frettchen Angel dabei.

Melissa Heider hatte bei der Stachelschweinfütterung das Frettchen Angel dabei.

15.08 Uhr: Drei Kinder haben sich übers Stachelschweingehege gelegt. Die vier Tiere, die alle Günter nur in jeweils anderer Schreibweise – Melissa Heider bekommt sie nicht alle zusammen – heißen, nehmen davon nicht groß Notiz. Die Tiere, die alle rund 20 Jahre und damit außergewöhnlich alt und fast blind sind, bringt so schnell nichts mehr aus der Ruhe. Sie freuen sich, wenn die Tierpflegerin ihnen vorwiegend Gemüse ins Gehege kippt.

Günter ist einer von vier Stachelschweinen mit demselben Namen im Wildpark Reuschenberg.

Günter ist einer von vier Stachelschweinen mit demselben Namen im Wildpark Reuschenberg.

15.20 Uhr: Melissa Heider gewährt einen Blick in die Vorratskammer des Wildparks. Morgens um 7 Uhr beginnen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen damit, das Futter zu schnibbeln und zu mischen. Jede Tiergattung bekommt natürlich etwas anderes. Manche Körner, manche vor allem Gemüse, wieder andere Fleisch. Die beiden Füchse Jacky und Mary zum Beispiel. Oder auch Frettchen Angel. Dem ist aber gerade nicht nach Fressen. Fast demonstrativ gähnt das Tier. „Frettchen schlafen fast 20 Stunden am Tag“, erklärt Heider. Sie trägt das Tier gerne mit sich, um Bildung zu betreiben. Was sie meint: Sie wird oft von Kindern auf das Tier angesprochen, die es streicheln wollen. So kann sie den jungen Besucherinnen und Besuchern gleich etwas beibringen.

Knödel (r.) ist ein stolzes Tier.

Knödel (r.) ist ein stolzes Tier.

15.30 Uhr: Knödel reckt seinen mächtigen Schädel inklusive der beiden Hörner über den Zaun des Geheges der Heidschnucken. Den habe der Tierpark über Ebay-Kleinanzeigen gefunden, sagt die Pflegerin. Heidschnucken, so berichtet die Expertin, gehören entgegen ihrer Ähnlichkeit zu ihnen nicht zu den Ziegen, sondern zu den Schafen. Während Melissa Heider ihre Runde noch zu Ende macht und unter anderem noch die Otter besucht, muss der Reporter zum nächsten Termin.

Mathias Eusterholz ist Betriebsleiter des Kinopolis.

Mathias Eusterholz ist Betriebsleiter des Kinopolis.

16.10 Uhr: Mathias Eusterholz setzt sich an einen Tisch in der Filmlounge des Kinopolis in Wiesdorf. Er ist der Betriebsleiter des Filmtheaters. Die Nachmittagszeit, so etwa zwischen 15 und 19 Uhr, sei in den Ferien die am stärksten besuchte Zeit. Hinter ihm stehen ein paar Jugendliche in der Schlange und besorgen sich Snacks und Getränke. Das klassische Sommerloch habe es dieses Jahr nicht gegeben, sagt der Betriebsleiter. Filmen wie „The Odyssee“ oder „Spiderman“ sei Dank.

Sein Kino bezeichnet er als „klassisches Multiplex“, also „viel Angebot für alle“, kein Programmkino. Das Kinogeschäft sei inzwischen komplett filmabhängig, laufen Blockbuster wie die beiden genannten, läuft es auch gut fürs Kino. Die Konkurrenz durch Streamingdienste sieht Eusterholz eher entspannt. Früher habe es eben Videopiraterie gegeben und die Leute hätten gigabyteweise Filme auf ihren Festplatten gehabt. Und er sagt: „Richtig Geld verdienen die Filmverleiher noch immer im Kino.“ Denn der Anteil, den Produktionsfirmen über Einnahmen durch Kartenverkäufe bekämen, sei bei Filmen deutlich höher als etwaige Anteile an Serienerlösen.

Am Nachmittag stehen Gäste für Snacks und Getränke an.

Am Nachmittag stehen Gäste für Snacks und Getränke an.

Manchmal profitiere das Kino auch von Streamingplattformen. Beispiel „Dune“. Durch die HBO-Produktion „Dune: Prophecy“ werden sich mehr Menschen in den dritten „Dune“-Teil von Denis Villeneuve anschauen der im Dezember ins Kino kommt, prophezeit der Kinobetreiber. Mathias Eusterholz sagt aber auch: „Kino muss sich immer wieder neu erfinden.“

16.30 Uhr: Mathias Eusterholz öffnet die Tür zu einem Raum, in dessen Mitte ein großer schwarzer Kasten rauscht. Je näher man an das rauschende Gerät herankommt, desto kühler weht ein milder Wind. Das Gerät ist ein Laserprojektor, der den Film an die Leinwand des jeweiligen Saales projiziert. Ein Kino bestellt bei einem Verleih einen Film und handelt mit ihm aus, in welchem Saal der Streifen gezeigt wird. Die Datei bekommt das Kino dann digital übers Internet.

Was aber wohl kaum jemand weiß: Würde jemand die ganzen Festplatten mit den Filmen des Kinopolis stehlen, würde ihm oder ihr das gar nichts nützen. Denn: Jeder einzelne Projektor jedes einzelnen Kinos ist in einer Art zentralen Datenbank im Ausland registriert. Dieser Stelle teilt man mit, wann genau, in welchem Saal und über welchen der registrierten Projektoren der Film gezeigt wird. Dann bekommt jeder Film seinen eigenen digitalen Schlüssel, der vor dem Abspielen abgerufen wird. Woanders sei es also gar nicht möglich, den Film abzuspielen.

Das Popcorn macht das Team im Kinopolis selbst.

Das Popcorn macht das Team im Kinopolis selbst.

17 Uhr: Aus der Popcornküche trägt ein Mitarbeiter des Kinopolis einen großen roten Sack voller Puffreis zu den Verkaufstheken. Mathias Eusterholz zeigt durchaus nicht ohne Stolz die eigene Popcornküche. Denn hier werde die Kino-Knabberei noch selbst gemacht. An einer Wand steht ein großes Regal voll mit den Popcornsäcken, die bereits zubereitet wurden. Dafür hat Eusterholz einen eigenen Popcornkoch. Um 18 Uhr kommt die nächste Ladung dran, für die Abendvorstellung.

17.30 Uhr: Franzi Garcia sitzt am Tisch ihres neuen Büros auf der zweiten Etage der Fritz-Jacobi-Halle. Sie hat diese Saison die Werkselfen übernommen. Die Handballerinnen des TSV Bayer 04 Leverkusen haben eine turbulente Zweitligasaison hinter sich, inklusive Freistellung des bisherigen Trainers. Im Jahr zuvor war die Mannschaft aus der ersten Handballbundesliga abgestiegen.

Die Werkselfen trainieren hart für die anstehende Zweitligasaison.

Die Werkselfen trainieren hart für die anstehende Zweitligasaison.

Weil das zweite Jahr nicht lief wie erhofft und die Werkselfen nur nicht abgestiegen waren, weil es durch den Rückzug eines Konkurrenzteams keinen Zweitligaabsteiger gab, steht jetzt ein großer Umbruch an. Viele Spielerinnen hatten sich angesichts der Unsicherheit, was die sportliche Zukunft angeht, für andere Angebote entschieden. Lediglich fünf Spielerinnen sind in Leverkusen geblieben. Keine leichte, aber durchaus eine reizvolle Aufgabe, wie Franzi Garcia berichtet. Sie hat selbst mal ein Jahr hier gespielt und jetzt ihren ersten Job als hauptamtliche Trainerin angenommen.

„Strukturell haben wir mit die besten Rahmenbedingungen der Liga“, sagt sie. Aus ihrem Team möchte sie das Potenzial, das in den Spielerinnen steckt, herausholen - vor allem aber eine Saison „in ruhigem Fahrwasser“, ohne Kampf um den Klassenerhalt.

17.47 Uhr: Die Trainerin klatscht mit den Spielerinnen in der Halle ab. Sie gibt ein Update über Spielberechtigungen und Verletzungen. Um 17.57 Uhr setzt Musik ein und das Training beginnt. Nach lockerem Einlaufen wird zehn Minuten später Fußball gespielt.

In diesem Jahr hoffen die TSV-Handballerinnen vor allem auf eine ruhige Saison ohne Abstiegssorgen.

In diesem Jahr hoffen die TSV-Handballerinnen vor allem auf eine ruhige Saison ohne Abstiegssorgen.

18.18 Uhr: Die Musik geht aus. Die erste Übungsform steht an. Noch ohne Ball. Franzi Garcia teilt ihre Spielerinnen in Duos ein. Die müssen versuchen, aneinander vorbeizukommen. „Fertig machen. 3, 2,1 und ab geht’s“, ruft die Trainerin. Kondition ist die Basis für eine erfolgreiche Saison. Das ist klar. Aber gerade weil das Team so neu zusammengesetzt ist, gilt es auch, die anderen kennenzulernen. Dafür habe sie viele Gespräche geführt, auch im ersten Trainingslager. Das zweite war dann eher für die handballtaktischen Dinge da. Aber Franzi Garcia sagt klar: „Wir lernen uns auf dem Platz kennen.“

18.24 Uhr: Die Spielerinnen trainieren das erste Mal mit Ball. Sie liegen weiterhin im Duo in verschiedenen Positionen nebeneinander und müssen sich den Ball übergeben. Dann ist „Einpassen“ angesagt.

18.45 Uhr: „Wir dürfen sie nicht in Watte packen und müssen schon ordentlich aufs Tor werfen“, sagt Garcia zu einer Spielerin. Inzwischen stehen die ersten Torwürfe auf dem Trainingsprogramm. Franzi Garcia gibt immer wieder kurze, klare Anweisungen. „Kommunikation“, ruft sie immer wieder. Eine Anweisung, die sie selbst beherzigt. Die Einstellung scheint ihr ohnehin wichtig zu sein. Das „Mindset“, wie sie in ihrer ersten Ansprache zu Trainingsbeginn gesagt hatte. Alles zu geben, immer mit dem Gedanken ins Spiel zu gehen, dass es von 0:0 beginnt und man immer eine Chance hat. Egal, wie gut der Gegner auch zu sein scheint.

19 Uhr: Nach einer Stunde gibt es die erste Trinkpause. Das Training ist hart, am übernächsten Wochenende steht das erste Saisonspiel beim HC Rödertal an.

19.24 Uhr: „Entschlossener“ sollen ihre Spielerinnen sein. Und wenn etwas nicht passt, dann macht die Trainerin das auch selbst vor.