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„Lieblingsorte“Eine Schweizer Sommerresidenz an der tosenden Dhünn in Leverkusen

Ein Spaziergang entlang der Dhünn lohnt sich – man begibt sich auf historische Pfade durch wunderschöne Natur.

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Es ist eine große Wiese mit der Villa Wuppermann zu sehen.

Die blau-weiße Villa Wuppermann im Schweizer Landhausstil.

Bei gutem Wetter lohnt sich immer ein Weg zum kühlenden Flüsschen „Dhünn“. Hat dieser beschauliche Fluss, der hoch oben in Wipperfürth entspringt, tatsächlich seinen Namen von seinem hageren Aussehen? Wohl eher nicht – die Dhünn hat schon viele Namen getragen, wie Dune, Dhun oder Duin. Der Ursprung kommt wohl vom fränkischen Wort „Duni“ – „Dröhnen, Getöse“. Das Wasser tost also vom Oberbergischen hinab nach Odenthal und durchs „Dorf“ Schlebusch. Was früher vielleicht ein Getöse war, ist heute ein erholendes Naturspiel, weg vom dröhnenden Verkehrslärm.

Ich mache mich also auf den Weg zur Dhünn. Mein Spaziergang entlang des Flüsschens führt zu einer hölzernen Brücke; diese dunkle, enge Überquerung mutet etwas mystisch und gefährlich an. Auf der anderen Uferseite angekommen, folge ich einem Weg, der sich durch den Wald hin zur Villa Wuppermann schlängelt. Sie erscheint so lieblich verziert in ihrem schönen Blau. Man könnte meinen, sie stamme aus dem Film „Pippi Langstrumpf“ und auf der satten, grünen Wiese würde noch der große Onkel grasen.

Mit der Architektur allerdings wollte sich Mitte des 19. Jahrhunderts, genauer 1844, die Familie Andreae die Schweiz nach Schlebusch holen: Die Villa ist im Stile eines Schweizer Landhauses gebaut. Es diente der Unternehmerfamilie als Sommerresidenz. Sie besaß in Schlebusch und dem angrenzenden Mülheim Tuch- und Seidenfabriken. Im Jahr 1885 erwarb der Industrielle Heinrich Theodor Wuppermann die Villa und machte sie zu seiner Residenz.

Es ist eine große Wiese und die Villa Wuppermann von hinten zu sehen.

Eine saftige grüne Wiese und zwischen den Bäumen die Villa Wuppermann.

Das grüne Band entlang der Dhünn wird von der stark befahrenen Mülheimer Straße unterbrochen: Auf einmal bin ich wieder mitten im tosenden Alltag zwischen lauten Bussen und dröhnender Musik aus den Autos. Auf der anderen Straßenseite stoße ich auf die nächste prachtvolle ehemalige Sommerresidenz einer Unternehmerfamilie: die Villa Peill aus dem Jahr 1860. Leider lastet auf ihr ein schweres Erbe: In der dunkelsten Zeit unserer Geschichte war sie Tagungsort für die Schlebuscher NSDAP.

Es ist eine große Villa mit Nebengebäude zu sehen.

Die Villa Peill, einstige Sommerresidenz, mit großem Nebengebäude.

Neben der Villa befindet sich ein Weg, der zur abkühlenden Dhünn führt. Auf der sie überquerenden Brücke verweile ich einen Moment und schaue dem wilden Treiben des Flusses zu. Vielleicht ergibt ihre Namensgebung doch Sinn, so wie das Wasser hier vorbei rauscht.

„Stark mäanderndes Fließgewässer“, so nennen die Fachleute ihren Verlauf. Bei dem derzeit immer noch niedrigen Pegel des Flusses kann man sich kaum vorstellen, wie bedrohlich sie für Bewohner werden kann. Wenn man allerdings an das Hochwasser von vor fünf Jahren zurückdenkt, denkt man auch an die Dimensionen, die der Fluss einnehmen kann und die Existenzen der Schlebuscher Läden zerstörte. In den 1920er und 1930er Jahren sah man schon die Notwendigkeit, den Fluss einzudämmen. Es kam immer wieder zu den berüchtigten Dhünn-Hochwassern. Der Umbau konnte allerdings schon damals nicht verhindern, dass 1938 Schlebusch wieder von einem Jahrhunderthochwasser überflutet wurde.

Vom Uferbereich der Dhünn ist im Hintergrund eine Brücke über die Dhünn sichtbar.

Entlang der Dhünn gibt es ein paar größere Uferbereiche, die zum Verweilen einladen.

Die große Wiese im Park ist der zentrale Ankerpunkt des grünen Herzens Schlebuschs. Im Sommer dient sie immer als große Festwiese der Schlebuscher Kirmes. Hier traten schon legendäre Kölner Bands wie die Bläck Fööss oder die Höhner mit dem Schlebuscher Frontsänger Henning Krautmacher auf.

Die Wege des Wuppermannparks verlieren sich weitläufig in der Natur. Ich folge einem Pfad hin zu meiner letzten Station, der Villa Rhodius. Auf dem Weg dorthin begibt man sich auf Pfade ehemaliger englischer Landschaftsgärten. Die Familien Andreae und Schmidt verwandelten die Auenlandschaften beiderseits der Dhünn in prachtvolle Landschaftsgärten. Zu dem Ensemble gehörte der noch heute sichtbare Pavillon am Parkeingang. Leider sind die Gärten im Bereich der Villa Rhodius heute nicht mehr sichtbar, viele davon wurden bebaut.

Es ist eine große Villa zu sehen.

Die Villa Rhodius mit dem Türmchen, das früher sogar ein Geschoss mehr besaß.

Die schöne Villa mit ihrem Türmchen stammt aus dem Jahr 1870/71. Sie wurde von dem Erben des Gutes der Familie Andreae, Friedrich Adolf Schmidt, errichtet. Mit ihren prächtigen Repräsentationsräumen im Erdgeschoss, und den darüber gelegenen Wohnräumen diente die Villa der bürgerlichen Selbstdarstellung. Ab den 1920er Jahren diente das Gebäude viele Jahrzehnte dem allgemeinen Zweck, als Kinderheim.

Nach dem Besuch der drei Villen begebe ich mich ins „Dorf“, um den Tag bei einer Tasse Kaffee und einer Kugel Eis ausklingen zu lassen.