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Geschlossenes Forum-Restaurant „Mattea“-Pächter In Via übt heftige Kritik an der Stadt

Seit August geschlossenes Streitobjekt: das „Mattea“.

Seit August geschlossenes Streitobjekt: das „Mattea“.

  • Im August wurde der Betrieb im Forum-Restaurant „Mattea“ überraschend eingestellt.
  • Über die Hintergründe war nichts bekannt, außer dass auch die Corona-Krise eine Rolle spielte.
  • Nun sagen die Pächter, dass der Lockdown lediglich der Auslöser war und kritisieren den Eigentümer: die Stadt.

Leverkusen  – Sybille Klings ist enttäuscht. Enttäuscht von den Stadtoberen Leverkusens. Ihnen wirft die Vorsitzende des Vereins In Via aus Köln quasi moralisch bedenkliches Verhalten vor. Es geht um das Forum-Restaurant „Mattea“: Das übernahm In Via 2011 und betreibt es seither auf Pachtbasis. Zumindest war das bis Anfang August dieses Jahres so, denn dann wurde auf der Internetseite des Restaurants plötzlich dessen Schließung verkündet. Über die Hintergründe war nichts zu lesen. Natürlich: Es fiel das Wort „Corona“. Aber nicht mehr. Bis jetzt. Klings: „Wir würden gerne einige Fragen beantworten.“

Inklusion als Auftrag

Alles zum Thema Uwe Richrath

Zum Verständnis muss man wissen: Das „Mattea“ gehört zum Forum. Und das Forum wiederum ist Eigentum der Stadt, oder genauer: des städtischen Eigenbetriebs „Kultur-Stadt-Lev“ (KSL). In Via wiederum ist ein unter dem Dach der Caritas befindlicher Sozialverband, der nicht auf Profit, sondern auf Gemeinnützigkeit ausgerichtet ist. Ziel des Vereins ist es, das betont Klings, Inklusion zu fördern. Sprich: Menschen mit Behinderung zu einem Arbeitsplatz zu verhelfen. Das war im „Mattea“ der Fall: „Wir haben dort 23 solcher Arbeitsplätze geschaffen.“

Möglich sei das gewesen, weil das „Mattea“ nicht nur als reiner Gastronomie- und Cateringbetrieb für die Veranstaltungen der KSL im Forum geführt wurde. Sondern, weil in der Großküche auch täglich 4000 Mittagessen für Kinder in Schulen und Kitas der Region zubereitet wurden. Das sei im Pachtvertrag so festgehalten worden. „Diese Belieferung von Schulen und Kitas“, sagt Klings, „sicherte unsere Refinanzierung.“ Durch sie habe das Inklusionsmodell erst aufrechterhalten werden können. „Der Restaurantbetrieb allein war nicht auskömmlich.“

Probleme seit 2018

Die Probleme hätten schon Ende 2018 begonnen: „Das Landesamt für Umwelt- und Verbraucherschutz hat sich damals unsere Räume angeschaut und gesagt, dass wir zwingend die Großküche ausbauen müssten. Sie sei viel zu alt.“ Drauf angesprochen habe es seitens der Stadt als Eigentümerin nur geheißen, dass ein Um- oder Ausbau nicht möglich sei – auch aufgrund des Denkmalschutzes, unter dem das Forum steht. Hilfe sei nicht angeboten worden. Besonders Kulturdezernent Marc Adomat und Kämmerer Markus Märtens hätten sich als recht unkommunikativ erwiesen.

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„Und das war mehrfach so, wenn wir auf Mängel hinwiesen.“ Egal ob es um den Außenbereich und die Einrichtung eines Biergartens, um verstopfte Rohre oder um behindertengerechte Zugänge und Aufzüge im Forum gegangen sei: Nie habe es Zugeständnisse gegeben. „Grundsätzlich mussten wir alles selber erledigen und zahlen.“ Die Folge: ein jährliches Minus von gut 300 000 Euro.

Treffen mit dem OB abgesagt

Kurz vor Corona habe man ein Treffen mit OB Uwe Richrath vereinbart. Dann kam der Lockdown. In Via bat um eine Aussetzung der Pacht und setzte Hoffnung in das Gespräch. Indes: „Das Treffen wurde abgesagt und trotz mehrfacher Bitte nie nachgeholt.“ Vom Aussetzen der Pacht habe die Stadt zudem nichts wissen wollen. Zuletzt habe man dann die Reißleine ziehen müssen, um den eigenen Inklusionsauftrag nicht zu gefährden: Schließung. Kündigung des Vertrages. Die Reaktion der Stadt: ein Gerichtsverfahren. Die Forderung: Nachzahlung der seit April ausstehenden Pacht in Höhe von 77 000 Euro. Erfüllung des bis 2023 gültigen Vertrages.

Keine Aussage der Stadt

Was Klings am meisten enttäuscht, ist nicht etwa die von ihr beklagte Ignoranz. Nein: „Nicht ein einziges Mal wurden wir gefragt, wie es denn um unsere Inklusions-Arbeitsplätze bestellt ist. Wie wir die vielleicht gemeinsam retten könnten.“ Von der Verwaltung war auf Nachfrage nur zu hören: „Wir äußern uns nicht zu laufenden Verfahren.“

In Via hat mittlerweile übrigens eine passende Immobilie in Köln-Mülheim gefunden, in der die vom Verein betreuten Menschen mit Behinderung erst einmal weiter arbeiten können.