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Theater in Opladen „Die Barbaren“ – Geschichten einer Putzfrau

Ruzica Hajdari spielt die Putzfrau, bei der Demut in Wut umschlägt.

Ruzica Hajdari spielt die Putzfrau, bei der Demut in Wut umschlägt.

Leverkusen – Sie hat ihr ganzes Leben lang geputzt. Für die Besserverdienenden. Für die Leute dort oben und hier in dem Land, in das sie einst kam, um ihr Glück zu finden. Ein Glück abseits der Armut in der Heimat. Fernab eines Ehemannes, dem sie ebenso egal war wie er ihr. Marusja hat alles hinter sich gelassen und alle Mühen des Hintersichlassens in Kauf genommen, ohne sich je zu beschweren, wie sie sagt.

Und sie erzählt all das und schwingt dabei den Wischmopp und presst das Wasser aus Schwämmen und nassen Tüchern und kann gar nicht aufhören, sich auf die Knie zu werfen vor denen, die sie seit jeher mehr schlecht als recht bezahlen und behandeln. Aber das macht ihr nichts aus. Marusja ist Dreck und Kummer und Aufopferung und dieses „Ich mache einfach immer weiter“ gewohnt. Und genau deshalb echauffiert sie sich so über „Die Barbaren“. Die Barbaren, die dem Theaterstück, das jetzt in der Studiobühne Opladen gespielt wird, den Namen gegeben haben.

Reden, motzen, zetern

„Die Barbaren“ – das sind eigentlich Menschen, die wie Marusja sind: Heimatlose, die hierher kamen in die Fremde, um ihr Glück zu finden und Krieg und Gewalt und schlechte Zeiten zu vergessen. Flüchtlinge. Wie sie selbst einer war. Aber: Diese Barbaren von heute, sagt Marusja und putzt sich in Rage und redet und motzt und zetert, haben ja weder Stolz noch Anstand noch Demut. Die kommen einfach her und nehmen sich das, was ihnen ihrer exklusiven Meinung nach zusteht. Und sehen gar nicht ein, etwas zu geben. Sich zu integrieren. Sich anzupassen. Sich in den Dreck zu werfen und für ein Mark Fünfzig die Stunde zu putzen.

Alles zum Thema Opladen

„Die Barbaren“ wurde erdacht von der 1983 im georgischen Tiflis geborenen Autorin Nino Haratischwili, gewann zahlreiche Preise. Und ist nun unter der Regie von Simon H. Kappes das nächste Projekt des renommierten Laientheaterhauses an der Karlstraße. Und es ist doch etwas Anderes als das, was in den Jahren zuvor hier gezeigt wurde. „Die Barbaren“ ist kein Lustspiel und kein Sarkasmuskrimi und keine Studie des Verhaltens von Menschen, die mit ihren Neurosen aufeinandertreffen und sich um Kopf und Kragen reden.

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Es ist ein einstündiger Monolog, der sich steigert und steigert bis hin zum furiosen Finale des Hasses und des Schwures, gegen all diese Fremden, die einem das eigene Leben klauen wollen, vorzugehen. Notfalls mit Mord. „Die Barbaren“ ist eine Studie der Moderne zwischen Existenzangst, Rassismus und dem Gefühl des „Die da oben interessieren sich doch ohnehin nicht für mich!“ Und es ist ein Parforceritt der Schauspielerin Ruzica Hajdari, die diese Marusja derart spielt, als sei sie selbst es. Als ginge es um ihr Leben.

Ihr beim Hadern mit der Welt und bei all der Wut, die sie mehr und mehr herauslässt, zuzusehen, bedeutet für den Theatergast gleichsam Genuss wie Beklemmung. Man hat Verständnis. Man ist angewidert. Man ist geschockt. Man ist all das, was man sein sollte, wenn man gutes Theater schaut. Gutes und brandaktuelles Theater. Theater, das am Ende klarstellt: Ein Besuch in der Studiobühne in den kommenden Wochen ist Pflicht.

Informationen zur Veranstaltung

„Die Barbaren“ wird in der Studiobühne im Künstlerbunker an der Karlstraße am 9. und 16.12., am 12., 13., 19., 20., 26. und 27.1. sowie am 2., 3., 9., 10., 16., 17. und 24.2. aufgeführt (jeweils um 18 Uhr). Eintrittskarten zum Preis von zwölf Euro (ermäßigt sechs Euro) können telefonisch reserviert werden unter ☎ 02171 / 94 60 02 sowie unter ☎ 02171 / 23 17 (Abendkasse, nur am Abend einer Veranstaltung). Die Telefonanlage ist besetzt montags, donnerstags und freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie mittwochs zwischen 17 und 19 Uhr.

www.studiobuehne-leverkusen.de