Auch der Coro Belcanto beendet seine Probenarbeit.
Nach mehr als 60 JahrenSingkreis Leverkusen löst sich auf

Der Singkreis Leverkusen (hier 2023 mit dem Kammerorchester) löst sich auf.
Copyright: Niklas Pinner
Eine Ära geht zu Ende. Die möglicherweise etwas abgedroschene und inflationär verwendete Redensart passt allerdings selten so gut wie in diesem Fall: Der Singkreis Leverkusen beendet zum Ende dieses Jahres seine Probenarbeit, der gemeinnützige Verein wird aufgelöst. Auch der Coro Belcanto, der 2008 als Projektchor und Untergruppe zum Kinderchor gegründet worden war, hört auf.
Den Abschied gebührend feiern wollen die Sängerinnen und Sänger um ihr Leitungsehepaar Karl-Heinz und Theresia Schlechtriem mit einem großen Abschiedskonzert in der Friedenskirche in der Waldsiedlung, am Sonntag, 21. Juni, um 15 Uhr (Einlass 14.30 Uhr). „Klingende Impressionen von ehemals bis jetzt“ ist der Titel ihres Abschiedskonzerts.
Der Singkreis und der Coro Belcanto sind untrennbar verbunden mit Karl-Heinz und Theresia Schlechtriem. Fast 61 Jahre leitet jetzt Karl-Heinz Schlechtriem den Chor. Eine Zahl, die – das darf man wohl so sagen – in der näheren Umgebung unerreicht ist. Immer mit dabei: seine Frau Theresia. Sie unterstützt ihren Mann sowohl musikalisch als auch organisatorisch als Vorsitzende.

Karl-Heinz Schlechtriem im Jahr 2017
Copyright: Ralf Krieger
37 aktive Sängerinnen und Sänger hat der Singkreis derzeit, 20 der Coro Belcanto. Karl-Heinz Schlechtriem wird 89 Jahre alt, Theresia Schlechtriem 86. Zwangsläufig stellt sich da irgendwann die Frage nach der Zukunft des Chores beziehungsweise der Leitung. Das wissen die Schlechtriems natürlich auch nicht erst seit gestern. Schon vor einem Jahr habe man im Chor das Thema mögliche Nachfolge angesprochen, sagt Theresia Schlechtriem im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“. Aber es habe sich abgezeichnet: Der große Teil des Chores wollte ohne die beiden nicht mehr weitermachen. Deshalb bringt man alles nun gemeinsam zum Ende, zu einem absolut versöhnlichen, wie beide versichern. Zu einem Ende, mit dem man den Chor noch in guter Erinnerung behalten wird.
Mitte Januar habe man auf der Jahreshauptversammlung beschlossen, Ende des laufenden Jahres Schluss zu machen. Nach dem Abschiedskonzert im Juni probe man noch ein halbes Jahr, allerdings ohne ein Konzert als Ziel. Einfach aus Spaß, zum buchstäblichen Ausklingen. Im Herbst müssen die Vereinsmitglieder dann die Auflösung noch formal beschließen, der Gesetzgeber verlangt dann ein weiteres Jahr, in dem der Verein auch finanziell und rechtlich abgewickelt wird. Aber die Aktivitäten enden 2026.
Hochphase in den 80ern
Gegründet wurde der Verein 1954 durch Wilhelm Hufen als „Sing- und Spielkreis Leverkusen“, ein Jugendchor mit angeschlossenem Instrumentalkreis, wie es auf der Internetseite des Chores steht. Der Leverkusener Kinderchor sollte so altersmäßig erweitert werden. Im Dezember 1954 gab man zum Advent das erste Konzert. Von 1958 bis 1965 leitete Karl Rüdiger den „Jungen Singkreis“, dann übernahm Karl-Heinz Schlechtriem. 1971 übernahm seine Frau Theresia den Vorsitz – und hat ihn bis heute. Seit 1978 heißt der Chor „Singkreis Leverkusen“.
Eine Hochphase hatte der Singkreis in den 80ern, erinnert sich Theresia Schlechtriem. Damals sangen mehr als 100 Menschen zusammen. Singfähig sind die Chöre mit 37 beziehungsweise 20 Aktiven natürlich immer noch, auch wenn man – wie fast alle Chöre – vor allem mit fehlenden Männern auskommen müsse, sagt Karl-Heinz Schlechtriem. Und das Durchschnittsalter liege bei 74 oder 75 Jahren.
In all den Jahrzehnten habe man sich nie auf ein bestimmtes Genre festgelegt, sagen die Schlechtriems. Sie sehen das als Markenzeichen ihrer Ensembles. Man habe „über Jahre hinweg die unterschiedlichsten Konzertprogramme gestaltet“, dazu regelmäßige Chorreisen unternommen, „allen Teilnehmenden bleibende Eindrücke und Erinnerungen beschert“ hätten. Somit blicken die beiden mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahrzehnte zurück.
„Klingende Impressionen von ehemals bis jetzt“, Singkreis Leverkusen und Coro Belcanto, Leitung und Klavierbegleitung Karl-Heinz und Theresia Schlechtriem, Friedenskirche, Waldsiedlung Schlebusch, 15 Uhr (Einlass 14.30 Uhr), Karten kosten 17 Euro für Erwachsene und sieben für Schüler und Studenten. Unter 0214/65777 können Karten reserviert werden, sie werden dann an der Tageskasse hinterlegt.
